Gesellschaft

Fluglärmgegner aus Hadlikon kämpft gegen das Flugfeld Hasenstrick

Gegen die Helikopterflüge auf dem Hasenstrick formiert sich Widerstand. Die betroffenen Gemeinden halten sich aber bedeckt – noch.

Henri Hotz war nicht erfreut, als er im «Zürcher Oberländer» das neue Reglement für den Flugplatz Hasenstrick entdeckte.

Foto: Bettina Schnider

Fluglärmgegner aus Hadlikon kämpft gegen das Flugfeld Hasenstrick

Nicht nur wegen der Helikopter

Henri Hotz aus Hadlikon hat keine Freude an den Plänen der Fluggruppe Hasenstrick, die das Flugfeld wieder in Betrieb nehmen will. Ihn stören dabei nicht nur die Helikopterflüge.

Henri Hotz kann sich gut an die Zeiten erinnern, als die Fluggruppe Hasenstrick noch mit ihren Flugzeugen in der Region unterwegs war. Seit bald 70 Jahren wohnt er in Hadlikon. Die Aussenwacht von Hinwil liegt unweit des Hasenstricks.

Seit 2009 ist der Flugplatz auf dem Hasenstrick ausser Betrieb. Grund dafür war ein Streit zwischen der Fluggruppe und dem damaligen Landbesitzer, der in keiner Einigung mündete. Und so war Hotz überrascht, als er kürzlich die amtliche Publikation im «Zürcher Oberländer» las.

Es ging darin um das überarbeitete Betriebsreglement und das sogenannte Objektblatt des Flugfelds. Für ihn kam diese Nachricht aus dem Nichts. «Ich war völlig überrascht, dass die Bevölkerung nicht vorinformiert wurde.» Dies, zumal die Gemeinden Hinwil und Dürnten bereits im vergangenen Jahr von den Plänen der Fluggruppe erfahren hatten.

Diese plant, das Flugfeld für Elektrogleitschirme wieder in Betrieb zu nehmen. Denn für Flugzeuge ist die Piste zu kurz, da eine Landbesitzerin ihre Fläche nicht für den Flugbetrieb verpachten will.

Gleitschirmpilot am Boden
2022 fand ein erster Testversuch mit Elektrogleitschirmen auf dem Hasenstrick statt.

Für Elektrogleitschirme reicht die Fläche aus. Die elektrischen Gleiter unterliegen in der Schweiz einer Flugplatzpflicht, können also nicht überall starten und landen.

Im überarbeiteten Betriebsreglement geht es aber nicht nur um Elektrogleitschirme. So sind auch 300 Helikopter-Flugbewegungen pro Jahr vorgesehen, das entspricht 150 Starts und Landungen. Diese sind jedoch kein Novum auf dem Hasenstrick.

Obwohl das Flugfeld seit 2009 offiziell ausser Betrieb ist, bietet der Landgasthof Hasenstrick an zwei Wochenenden im Jahr Helikopterrundflüge an. Im Sommer 2017 hatte das Bundesgericht entschieden, dass diese Flüge auch ohne Flugfeld rechtens sind – sofern eine Bewilligung vorliegt.

«Surren» um den Bachtel

Für Hotz und viele andere Einwohner von Hadlikon stellen diese Flüge eine grosse Lärmbelastung dar. «Dann ist Vollbetrieb, Heli-Lärm den ganzen Tag», ärgert er sich. «Und zwar immer an schönen Wochenenden, wenn wir auch gerne draussen sitzen würden.» Das sei dann nicht möglich.

Er fühlt sich dem Lärm ausgeliefert und erzählt, wie er vor einigen Jahren zur Gemeindeverwaltung in Dürnten – dort liegt der Hasenstrick – ging und sich erkundigte. «Man sagte mir: ‹Herr Hotz, da können wir nichts tun, das wird in Bern oben entschieden.» Ihm sei klargemacht worden, dass man dagegen nichts unternehmen könne.

Bis jetzt: Noch bis zum 4. April läuft die Einsprachefrist gegen das neue Betriebsreglement. Hotz wird diese Möglichkeit nutzen. Denn ihm sind nicht nur die Heli-Flüge ein Dorn im Auge, auch mit den elektrischen Gleitschirmen kann er sich nicht anfreunden.

Dem Versprechen von Martin Brem, dem Präsidenten der Fluggruppe Hasenstrick, dass von den Gleitschirmen keine Lärmbelastung ausgehe, traut der Hadliker nicht.

«Die surren dann den ganzen Tag ohne jede Beschränkung über den Bachtel», stellt sich Hotz vor und betont, dass der Flugplatz Hasenstrick in der Bachtel-Schutzzone liegt. «Der Bachtel ist eine sehr beliebte Naherholungszone, und so ein Flugbetrieb passt einfach nicht dorthin.»

Gemeinden sind zurückhaltend

Mit seinem Kampf gegen die Fliegerei auf dem Hasenstrick fühlt sich der Hadliker ziemlich im Stich gelassen – vor allem von den Gemeinden. «Denn auch diese haben nun die Möglichkeit, gegen das Betriebsreglement vorzugehen», betont Hotz und fügt an: «Sie schützen uns einfach nicht, auf uns Anwohner wird nicht geachtet.»

Hotz ist mit seiner Kritik nicht allein. Es scheint sich Widerstand gegen das Betriebsreglement und die Absichten der Fluggruppe zu regen. Darauf deuten zahlreiche Beiträge in Facebook-Gruppen hin, die zu Einsprachen gegen das Reglement aufrufen. Einwohner von Breitenmatt bei Oberdürnten haben gar auf ihrer Website eine Vorlage aufgeschaltet.

Sie kritisieren dabei nicht nur die geplanten Helikopterflüge, sondern auch die Kommunikation: Diese seien zwar formell korrekt über die amtliche Publikation erfolgt. «Aber für eine Diskussion über eine Änderung mit solcher Tragweite völlig ungenügend.»

Im Fokus stehen dabei die Gemeinden Dürnten und Hinwil. Aus dem überarbeiteten Objektblatt des Flugplatzes Hasenstrick ist zu entnehmen, dass sie mit einer Wiederaufnahme des Flugbetriebs grundsätzlich einverstanden sind. Doch wie stehen sie nun dazu?

Hinwil und Dürnten haben ebenfalls die Möglichkeit, gegen das Betriebsreglement Einsprache zu erheben und eine Stellungnahme zum angepassten Objektblatt des Flugplatzes einzureichen. Für Letzteres dauert die Anhörung der Gemeinden gar bis im Juni.

Die Gemeinde Dürnten will sich vorerst nicht äussern. «Der Gemeinderat behandelt das Thema bis spätestens Mitte April», sagt Gemeindeschreiber Daniel Bosshard. Dann werde eine Medienmitteilung verschickt.

Dürnten hält sich also bedeckt – und auch die Gemeinde Hinwil zeigt sich wortkarg. «Der Gemeinderat wird sich mit dem Thema an einer der kommenden Sitzungen befassen», sagt Gemeindeschreiberin Martina Buri. «Eine Stellungnahme ist erst nach der Meinungsbildung möglich.»

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.