Meinung

Geschichten, die in Erinnerung bleiben

Geburtshaus verlässt Bäretswil: Das Ende vieler Anfänge

Diese Geschichten, Portraits und Schicksale haben unsere Redaktorinnen und Redaktoren dieses Jahr geprägt. Heute: Wie der Umzug des Geburtshauses eine persönliche Ebene berührte.

Unzählige Babys haben im Geburtshaus Bäretswil das Licht der Welt erblickt. Doch bald wird dies hier nicht mehr möglich sein.

Foto: Annette Saloma

Geburtshaus verlässt Bäretswil: Das Ende vieler Anfänge

Geschichten, die in Erinnerung bleiben

Diese Geschichten, Reportagen, Porträts, Geschehnisse und Schicksale haben unsere Redaktorinnen und Redaktoren 2025 nachhaltig geprägt. Heute: Wie der Umzug des Geburtshauses eine persönliche Ebene berührte.

Das Jahr 2025 nähert sich dem Ende. Auch in diesem Jahr blickt die Redaktion auf die spannendsten Momente, packendsten Geschichten und interessantesten Menschen zurück. In persönlichen Einblicken erzählen Redaktorinnen und Redaktoren von ihren High- und Lowlights. (zo)

Im Oktober 2023 kam meine Tochter im Geburtshaus in Bäretswil zur Welt. Eine hebammengeleitete, natürliche Geburt war für mich schon immer die Wunschvorstellung. Ähnlich geht es vielen Eltern, die Nachfrage nach natürlichen Geburten ohne ärztliche Hilfen steigt stetig.

Gleichzeitig haben viele das Bedürfnis, trotzdem in unmittelbarer Nähe eines Spitals zu sein – für den Fall, dass doch etwas Unerwartetes passiert. So kam im Mai die Nachricht, dass das Geburtshaus Zürcher Oberland eine Zusammenarbeit mit dem Spital Uster plant. In unmittelbarem Umkreis des Spitals soll ein Geburtspavillon entstehen, der ab 2027 von einem Team des Geburtshauses geleitet wird.

Super, dachte ich mir im ersten Moment, je mehr Geburtshaus, desto besser, schliesslich kann ich das Bäretswiler Team jeder Familie wärmstens empfehlen. Stutzig wurde ich, als ich – mit zwei Tagen Verspätung – den Newsletter des Geburtshauses las.

Denn dort stand im Betreff «Neuer Standort 2027». Und weiter: «Ab 2027 sind wir als autonomes Geburtshaus in Uster zu Hause. Bis dahin freuen wir uns auf alle Begegnungen in Bäretswil.» Ich las unsere Meldung von vor zwei Tagen. Ich las die offizielle Medienmitteilung. Nirgendwo stand, dass es das Geburtshaus in Bäretswil nachher nicht mehr geben sollte. Nur von einer Zusammenarbeit war die Rede.

Es gibt keine blöden Fragen, heisst es so schön. Und trotzdem fühlte ich mich ziemlich blöd, als ich bei der Geschäftsleitung des Geburtshauses die Anfrage stellte, ob es den Standort Bäretswil ab 2027 tatsächlich nicht mehr geben soll. Langer Rede kurzer Sinn: In einem Jahr ist fertig mit Geburten in Bäretswil.

Zwei Herzen klopften in meiner Brust.

Einerseits war ich (uh huere) stolz darauf, als anscheinend Einzige die Tragweite der Meldung realisiert zu haben. Denn andere Medien töggelten auch einfach die Medienmitteilung ab, ohne Verweis auf das baldige Ende in Bäretswil. Ich schrieb in Windeseile einen vertieften Artikel über den geplanten Umzug.

Andererseits wurde ich richtig emotional. Mein Sohn kam vor vier Jahren im Triemli in Zürich zur Welt. Mittlerweile ist die gesamte Frauenklinik aus dem frei stehenden Gebäude in den Hauptturm des Spitals gezügelt. Den Ort, wo ich Mutter wurde (und tatsächlich auch ich vor über 30 Jahren auf die Welt kam), gibt es so nicht mehr. Und jetzt steht dem Geburtsort meiner Tochter dasselbe Schicksal bevor.

Doch was, wenn nicht genau dieses zerrissene Herz, fasst Mutter- oder Vaterdasein besser zusammen? Man klammert sich an das Bekannte und freut sich doch über die kleinen und grossen Erfolge im Alltag, an denen sichtbar wird, dass das Leben stets weitergeht.

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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