Fünf Oberländer Gemeindegrenzen, die gar keinen Sinn ergeben
Regionale Absurditäten
Gemeindegrenzen wirken oft klar und eindeutig. Doch im Zürcher Oberland zeigen einige Beispiele, wie überraschend kompliziert und kurios diese Linien verlaufen können.
Grenzen schaffen Ordnung. Sie regeln, welches Land wem gehört und wer für die Abfallentsorgung zuständig ist. Doch im Zürcher Oberland gibt es einige Grenzen, die ganz schön verwirrend sind – und eher Unordnung schaffen statt Klarheit.
Mönchaltorf und seine Exklave
Vielleicht ist Ihnen beim Betrachten der Abstimmungsergebnisse auch bereits dieser geheimnisvolle Fleck auf der Landkarte zwischen Uster und Wetzikon aufgefallen. Und vielleicht dachten Sie: «Aha, ein Druckfehler!» Falsch gedacht – das ist tatsächlich Mönchaltorf.
Die Gemeinde gehört zu den ganz besonderen Exemplaren im Kanton: Sie besitzt nämlich eine Exklave. Das heilige Fleckchen namens Heusberg befindet sich rund vier Kilometer vom eigentlichen Ortszentrum entfernt und gehört bereits seit über 200 Jahren zur Gemeinde.
Das etwas eigenartig wirkende Stück Land ist kirchlichen Ursprungs: Obwohl die Heusberger früher zu Uster gehörten, gingen sie in Mönchaltorf in die Kirche. Als um das Jahr 1800 herum die politischen Machtverhältnisse neu geordnet wurden, wurde der Weiler schliesslich ganz Mönchaltorf zugesprochen. Politik und Amen.
Bis heute hat sich daran nichts geändert. In der Aussenwacht, die inzwischen mit dem Seegräbner Ortsteil Sack verwachsen ist, leben nur etwa 50 Personen. Die meisten davon wohnen auf einem der Bauernhöfe.
Das Wetziker Ortsschild auf Pfäffiker Gemeindeboden
Ortsschilder sind an sich eigentlich nichts Aussergewöhnliches. Sie stehen an praktisch allen nennenswerten Strassen jeweils vor dem Ortseingang, tragen entweder die Farbe Blau oder Weiss und weisen den Autofahrer nett auf die Drosselung seiner Geschwindigkeit hin. Doch nirgends schmiegt sich die Gemeindegrenze so eng an den Stadtrand von Wetzikon wie im Kemptner Ortsteil Summerau.
Dort gibt es gleich mehrere Kuriositäten. Wenn man vom Pfäffiker Weiler Ober Balm her kommend die Strasse hinunterfährt, sieht man zuerst das Ortsschild mit dem Namen «Wetzikon» drauf. Doch entgegen jeder Annahme steht dieses Schild auf Pfäffiker Gemeindegebiet – genauso wie das erste Haus hinter dem Schild, das ebenfalls zu Pfäffikon gehört.
Doch es kommt noch komischer: Das Haus ist im Eidgenössischen Gebäude- und Wohnungsregister (GWR) auf die Ortschaft Wetzikon registriert, bei der Gemeindezugehörigkeit ist jedoch Pfäffikon vermerkt.
Selbstredend steht auch die Bushaltestelle Kempten, Summerau, die sich gleich vor dem Haus befindet, auf Pfäffiker Gemeindeboden. Ob sich die wenigen Fahrgäste, die täglich die rekordverdächtigen zwölf Busverbindungen vom Bahnhof Wetzikon zu dieser Haltestelle benützen, bewusst sind, dass sie in Pfäffikon aussteigen?
Grenzstreit in Nänikon
Die Ustermer Aussenwacht Nänikon hat grosses Talent dafür, immer wieder an ihre Grenzen zu stossen – im wahrsten Sinne des Wortes. 2024 sorgte die Volksinitiative «Zusammenführen, was zusammengehört» für rauchende Köpfe in der Gemeinde Uster. Die Initiative forderte die Prüfung einer Abspaltung der Aussenwachten Nänikon und Werrikon von der Stadt.
Gewechselt hätten die Weiler zum Nachbarn Greifensee, mit dem sie den Bahnhofnamen teilen. Inzwischen ist Nänikon mit Greifensee verwachsen, eine Grenze ist nirgends mehr erkennbar. Die Initiative wurde jedoch mit 65,3 Prozent Nein-Stimmen klar abgelehnt.
Mit über 80 Prozent Ja-Anteil fand im Februar die Grenzbereinigung der Sekundarschulen grosse Zustimmung aus der Bevölkerung. Damit werden Werrikon und Nänikon per 2027 in die Sekundarschulgemeinde Uster integriert. Für die Schulkinder ändert sich dadurch nichts. Auch Jugendliche aus Greifensee werden nach wie vor das Näniker Schulhaus Wüeri besuchen.
Bühler-Areal bei Sennhof: 45 Minuten Schulweg
Das Bühler-Areal bei Sennhof gehört nicht wie der Weiler zur Stadt Winterthur, sondern zu Illnau-Effretikon. Eine direkte Bus- oder Zugverbindung zwischen dem Areal und Illnau oder Effretikon gibt es jedoch keine.
Dies ist pikant, weil auf dem Areal bis Ende Jahr 89 neue Mietwohnungen entstehen werden. Schulpflichtige Kinder müssten folglich in Illnau oder Effretikon zur Schule gehen – obwohl sich das Sennhofer Schulhaus nur wenige Meter auf der anderen Tössseite befindet.
Der Fahrweg mit den öffentlichen Verkehrsmitteln vom Bühler-Areal bis Illnau oder Effretikon nähme rund eine Dreiviertelstunde in Anspruch. Die Stadt war sich bewusst, dass ein so langer Schulweg inakzeptabel ist, und suchte deshalb nach Alternativen.
So werden die Primarschüler mit dem Schulbus nach Kyburg gefahren, für die Sekundarschüler konnte die Stadt den bestehenden Anschlussvertrag mit der Gemeinde Zell erweitern. Bei den Kindergartenkindern gibt es derzeit noch Unklarheiten – sie werden entweder in Sennhof oder in Kyburg unterrichtet.
Pfäffikon, Wildberg und das Pouletbeinli
Die Gemeinde Pfäffikon sieht auf der Landkarte wie ein angebissenes Pouletbeinli aus. An seiner engsten Stelle ist dieses Beinli nur 185 Meter breit. Kaum eine Gemeinde im Kanton Zürich hat einen kulinarisch so exquisiten Grenzverlauf – da läuft einem ja direkt das Wasser im Mund zusammen!
Noch seltsamer wird das Ganze, sollten Pfäffikon und Wildberg fusionieren. Die Kantonsstrasse, welche die beiden Orte miteinander verbindet, führt nämlich durch Russikon. Wer zukünftig auf reinem Pfäffiker Gemeindegebiet von Wildberg in den Bezirkshauptort fahren möchte, müsste über die romantisch gelegene Aussenwacht Hermatswil ausweichen.
Im Vorteil ist, wer für diesen Roadtrip dann noch Pouletbeinli für ein Picknick mit seinen Liebsten dabeihätte. So würde aus geografischer Verwirrung zumindest ein kulinarisches Erlebnis.