Erhalten statt abreissen: Wilas Batzhaus macht Zukunft
Die Gemeinde Wila setzt beim Batzhaus auf Sanierung mit Mehrwert: mit der Bibliothek als Herzstück, flexiblen Räumen für Vereine und Schulen – und der Ortsgeschichte in neuer Form.
Das Batzhaus scheint für Wila so etwas zu sein wie der Schiefe Turm für Pisa. Schief ist es zwar (noch) nicht – allerdings musste der Wohnteil des Hauses der Statik wegen mit Drahtseilen an der Scheune befestigt werden. Bauliche, betriebliche und brandschutztechnische Mängel machen eine umfassende Erneuerung nötig. Seit 2018 beschäftigt sich die Gemeinde damit, was mit ihrem «Wahrzeichen» passieren soll.
Was bisher geschah
Ursprünglich sollte das ehemalige Armenhaus abgerissen werden. Die Bevölkerung lehnte dies jedoch ab. In einem Mitwirkungsverfahren 2023 brachte sie Nutzungsideen ein, 2024 wurde das Siegerprojekt vorgestellt und der Projektierungskredit von 250’000 Franken bewilligt.
Seither hat eine Begleitgruppe aus den Nutzergruppen und der Bevölkerung gemeinsam mit dem Projektteam das Vor- und das Bauprojekt erarbeitet. Bis eines Tages Baugespanne an den Ecken des Batzhauses ausgemacht werden konnten. Gerüchte über eine mögliche Verdeckung der Riegelfassade kann Gemeindepräsident Simon Mösch (Die Mitte) aber entkräften: «Die Fassade bleibt erhalten, die Baugespanne zeigen lediglich die künftige Dachverlängerung.»
Am Donnerstag lässt der scheidende Gemeindepräsident die Katze aus dem Sack. An einer Informationsveranstaltung präsentiert er der Bevölkerung das pfannenfertige Projekt. Entstehen soll ein modernes, multifunktionales Mehrzweckhaus.
Bibliothek als zentrales Element
Die Bibliothek soll dabei das Herzstück bilden. «Es ist uns wichtig, allen Einwohnern gleichermassen einen niederschwelligen Zutritt zu unserer Bibliothek zu gewähren», erklärt Bruno Lüscher. «Sie soll zum ‹Wohnzimmer› unserer Gemeinde werden.» Der Bibliothekar ist Mitglied der Projektgruppe.




Im Schulhaus Eichhalde, wo die Bibliothek heute untergebracht sei, sei sie zu wenig sichtbar und zugänglich. «Einerseits werden Jugendliche abgeschnitten, die im Primarschulhaus keinen Zutritt haben.» Andererseits seien die Treppen für ältere oder beeinträchtigte Besuchende ein Hindernis.
Am neuen Standort soll ein Lift eingebaut werden und für Barrierefreiheit sorgen. Und mit einem Spiele- und Gaming-Raum erhalten Kinder und Jugendliche ein massgeschneidertes Angebot. Die Bibliothek wird sich also neu über mehrere Etagen erstrecken – sowohl im Tenn als auch im Wohnteil.
Das Team habe es geschafft, alle 6000 Bücher unterzubringen – mit teilweise unkonventionellen Lösungen: «So werden wir auch im Mehrzweckraum im Untergeschoss einige Bücher platzieren.» Lüscher räumt ein, dass es viel Zeit in Anspruch genommen hat, alle Bücher zu platzieren. «Es war wie ein kniffliges Puzzle – die niedrige Raumhöhe und die verschachtelten Räume stellten uns vor Herausforderungen.»
Der Raum im zweiten Obergeschoss wird künftig für Ausstellungen, Workshops oder Kurse dienen. Und soll sowohl der Schule als auch Vereinen, Familien oder Firmen zur Verfügung stehen. Und dem Ortsmuseum.
Denn anstatt am klassischen Museumsmodell festzuhalten, setzt die Gemeinde auf eine zeitgemässe Neuausrichtung: Das Museum soll künftig nicht mehr als dauerhafte Ausstellung existieren, sondern als flexibler Bestandteil des neuen Mehrzweckhauses auftreten. Geplant sind punktuelle, themenbezogene Präsentationen und Veranstaltungen, die sich ins Kultur- und Gemeindeleben einfügen.
Die Sammlung selbst bleibt erhalten – allerdings in neuer Form. Rund 1000 Objekte werden derzeit professionell inventarisiert und digitalisiert. Ein Grossteil wird ins Schaudepot nach Turbenthal überführt. Begleitet wird diese Phase vom altersbedingten Rücktritt der bisherigen Museumskommission. Deren Mitglieder nennen das Projekt aber nicht als Grund für ihren Schritt.

«Die historische Arbeit soll weitergehen, lediglich die organisatorische Struktur verändert sich», sagt Wolfgang Wahl. Für den langjährigen Museumsverantwortlichen bedeutet die Neuplanung keineswegs ein Ende, sondern vielmehr den Übergang in eine dritte Phase der Museumsarbeit.
«Nach der ersten Sammlungsphase und der späteren Kommissions- und Publikationsphase folgt nun eine Ära, in der Forschung und Geschichte weiterhin gepflegt werden», sagt der Historiker und Archivar. Er ist überzeugt, dass für ein reines Ortsmuseum heute niemand mehr Geld ausgeben würde. «Ein Mehrzweckhaus ist die einzige tragfähige Lösung.»
Organisation und Finanzierung
Das Batzhaus ist im Besitz der Gemeinde Wila. Eine passende Trägerschaft soll den Betrieb sicherstellen. Für Jean-Pierre Kousz, den Inhaber der Villa Wellentanz und ein Mitglied der Projektgruppe, steht fest: «Wichtig ist eine Trägerschaft, die das Haus bespielt.» Das Projekt biete die Chance, ein lebendiges Zentrum zu schaffen, «das Kultur, Bildung, Vereinsleben und Geschichte unter einem Dach vereint».
Der Objektkredit für bauliche Massnahmen beträgt 2,25 Millionen Franken und liegt damit leicht unter der ursprünglichen Grobkostenschätzung. Zur Finanzierung beantragt der Gemeinderat einen Beitrag von 1,25 Millionen Franken aus der Sonderrechnung Jakob Schoch, einem zweckgebundenen Legat für gemeinnützige Projekte, sowie eine Million aus dem Gemeindehaushalt.
«Es ist ein teures Projekt für unsere kleine Gemeinde», räumt Simon Mösch ein. Angesichts dessen, dass bereits eine reine Instandsetzung ohne zusätzlichen Mehrwert Kosten von mindestens einer Million Franken verursachen würde, biete die vorgeschlagene Lösung einen deutlich höheren Nutzen.
Entscheiden sich die Wilemer an der Urnenabstimmung am 8. März für den Objektkredit, können die Bauarbeiten voraussichtlich im Sommer starten. Wenn alles gut läuft, kann mit der Fertigstellung im Sommer 2027 gerechnet werden. Den Adventsmarkt könnten die Wilemer dann schon beim umgebauten Batzhaus feiern. Denn: «Auch der Platz für den Weihnachtsbaum ist bereits im Bauplan vorgesehen», erzählt Mösch mit einem Lächeln.