Abo

Wirtschaft

Atzmännig-Geschäftsführer Roger Meier

«Drei Jahre Zeit und Geld investiert und immer noch nicht gestartet»

Sondernutzungsplan, Mobilitätskonzept, Variantennachweis, Fachgutachten und und und. Die Geduld von Atzmännig-Geschäftsführer Roger Meier wird gerade auf die Probe gestellt.

Blickt auf ein schwieriges Jahr zurück: Roger Meier, Geschäftsführer der Sportbahnen Atzmännig AG. (Archiv)

Foto: Markus Timo Rüegg

«Drei Jahre Zeit und Geld investiert und immer noch nicht gestartet»

Atzmännig-Geschäftsführer Roger Meier

Sondernutzungsplan, Mobilitätskonzept, Variantennachweis, Fachgutachten und, und, und. Die Geduld von Atzmännig-Chef Roger Meier rund um die Erneuerung der Infrastruktur am Ausflugsberg wird gerade auf die Probe gestellt.

Herr Meier, Ihr Infrastrukturprojekt, mit dem Sie zwischen 18 und 20 Millionen Franken in ein neues Betriebsgebäude, eine neue Seilbahn und eine neue Sommerrodelbahn investieren wollen, kommt nicht vom Fleck. Und der Campingplatz ist nach dem mittlerweile widerrufenen Räumungsentscheid der Standortgemeinde Eschenbach halb leer. Wie gross ist der Frust?

Roger Meier, Geschäftsführer Sportbahnen Atzmännig AG: Anfänglich war er riesig, keine Frage. Inzwischen sehe ich das Ganze etwas differenzierter. Vielleicht muss ich vorausschicken, dass ich von meinem Naturell her nicht der geduldigste Mensch bin (lacht). Aber klar: Jede Zusatzschlaufe nervt.

Als wir vor drei Jahren ein erstes Mal über das sogenannte Generationenprojekt geschrieben haben, sagten Sie, die Inbetriebnahme im Jahr 2026 sei sportlich, aber möglich. Passiert ist nichts.

Das stimmt so nicht. Das Projekt ist äusserst komplex, aber es ist viel Bewegung in der Sache. Weil die Linienführung der neuen, kombinierten Gondel- und Sesselbahn nicht zu 100 Prozent jener der bestehenden Sesselbahn folgt, sehen wir uns mit zahlreichen Auflagen konfrontiert. Dazu kommt, dass die neue Infrastruktur den neuen Bestimmungen und Regulatorien entsprechen muss.

Was heisst das konkret?

Ich gebe Ihnen zwei Beispiele: An der Bergstation dürfen Fussgänger und Schneesportler nicht in derselben Richtung aussteigen. Das war 1971, als die Sesselbahn in Betrieb genommen wurde, noch kein Thema. Wir müssen für die neue Bahn also zwei getrennte Ausstiege erstellen, was Einfluss auf die Infrastruktur hat. Die neue Bergstation wird grösser. Und neu müssen wir die Sessel und Gondeln garagieren können. Dadurch brauchen wir mehr Raum, wodurch die Kubatur der Talstation grösser wird. Dazu kommen ein Sondernutzungsplan, die Anpassung des Teilzonenplans, ein Fachgutachten Naturgefahren, ein Fachgutachten Gewässer- und Naturschutz, ein Umweltverträglichkeitsbericht und ein Variantennachweis. Es nimmt kein Ende. Wir haben bereits drei Jahre Zeit und viel Geld investiert und sind noch immer nicht gestartet.

Ich traue mich fast nicht zu fragen: Gibt es einen Zeitplan?

Ja, den gibt es. Mit dem Richtprojekt sind wir auf der Zielgeraden. Ende Mai werden wir es beim Kanton St. Gallen und bei der Gemeinde Eschenbach einreichen. In dieser zweiten Runde der Vorprüfung wird es erneut eine öffentliche Mitwirkung seitens der Gemeinde geben. Sobald das Richtprojekt von der Gemeinde gutgeheissen wird, werden wir es dem Kanton zur Genehmigung vorlegen.

Wann wird das sein?

Ich schätze, Ende des zweiten Quartals 2027. Anschliessend bereiten wir das Plangenehmigungsverfahren vor und reichen dieses bis Ende 2027 beim Bundesamt für Verkehr ein. Dieses hat dann maximal neun Monate Zeit. Im Idealfall haben wir also Ende 2028 die Baubewilligung.

Und wie lange dauert die Bauzeit?

Nicht allzu lange. In diesem optimalen Fall sind wir 2029 fertig.

So viel zum Frust rund um das Generationenprojekt. Wie steht es um den 2025 zwangsgeräumten Campingplatz, nachdem das Verwaltungsgericht Ihren Rekurs gutgeheissen hat?

Hier ist mein Frust immer noch enorm gross. Der Campingplatz war seit 1971 in Betrieb und ein wichtiges Standbein. Dass man uns diese Einkommensquelle ohne Rechtsgrundlage entzogen hat, ist Wahnsinn. Der Schaden, der dabei angerichtet wurde, ist immens.

Sie haben mal einen sechsstelligen Betrag pro Jahr genannt.

Das ist so, leider. Aber der Frust hat sich in Mut gewandelt. Der Entscheid des Verwaltungsgerichts ist ein Licht am Ende des Tunnels. Wir wollen am Campingplatz festhalten, aber die Rechtslage ist noch immer unsicher. Der Fall liegt jetzt wieder beim Bau- und Umweltdepartement des Kantons St. Gallen.

Sprechen wir noch kurz über die Jahresrechnung. Hier fallen die um rund 10 Prozent gestiegenen Personalkosten ins Auge. Was ist der Grund?

Es sind verschiedene Gründe. Einerseits packen wir alles, was irgendwie mit unseren Mitarbeitenden zu tun hat, in dieses Konto: So haben wir 2025 beispielsweise für 80’000 Franken neue Arbeitsbekleidung angeschafft und über die Personalkosten verbucht. Wir haben für die Besetzung von zwei Kaderstellen Vermittlungsprovisionen an Headhunter bezahlt. Wir haben aber auch drei neue Stellen geschaffen.

Steigen diese Kosten weiter?

Wir gehen nicht davon aus. Im vergangenen Winter haben wir beispielsweise für die Brustenegg-Hütte ein neues Bewirtungskonzept eingeführt. Auf diese Weise konnten wir allein von Januar bis März dieses Jahrs rund 900 Personalstunden einsparen – bei leicht höheren Umsätzen.

Die Sportbahnen Atzmännig AG weist für 2025 einen Gewinn von etwas mehr als einer Million Franken aus. Dieser kam durch den Verkauf eines Mehrfamilienhauses in Wald zustande. War dieser Verkauf geplant, oder wurde er nötig, weil das Jahr so schlecht war?

Der Verkauf war geplant. Es geht darum, Mittel für unser Generationenprojekt zu generieren. Zudem stimmten der Preis und der Zeitpunkt für den Verkauf.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.