Dieser Rückschlag hält ihn nicht auf
Judoka Nils Stump fällt nach seinem Kreuzbandriss monatelang aus und verpasst den Beginn der Olympia-Qualifikationsphase. Seine Ziele sieht der Ustermer gleichwohl nicht in Gefahr.
Er hat die Situation akzeptiert, auch wenn sie unschön ist: Das Jahr 2026 ist für Nils Stump nach einem Kreuzbandriss gelaufen.
«Es bringt nichts, zu verzweifeln», gibt sich der Ustermer pragmatisch und sagt: «Ich schaue lieber nach vorn.» Stump vermisst Judo zwar. Er hat aber keine Mühe, im nationalen Leistungszentrum in Brugg anderen beim Training zuzusehen. «Das macht mir nichts aus», sagt er leichthin.
Der Profisportler macht einen gelösten Eindruck. Er lacht oft. Etwa nach der Frage, wie häufig ihn aktuell jemand in der Reha bremst. «Die Physios drosseln manchmal das Tempo», gibt er zu, um dann zu versichern: «Ich bin schon vernünftig.»
Geduld ist nach seiner eigenen Einschätzung nicht seine grösste Stärke, Stump hat darin aber Fortschritte gemacht. Frühere Verletzungserfahrungen helfen ihm zudem auf dem langen Weg zurück.
Rund zwei Jahre ist es her, seit der zweifache Olympiateilnehmer wegen einer Schulterverletzung monatelang ausfiel. Um im Mai 2024 und lediglich anderthalb Monate nach dem Comeback mit dem 3. Platz in Abu Dhabi eine WM-Medaille zu erkämpfen.
Das bescheidene Programm
Jetzt also hindert den Weltmeister von 2023 das Knie daran, seiner Arbeit auf der Matte nachzugehen. Ende Januar zog sich Stump die Verletzung im Trainingslager in Japan zu. Starke Schmerzen hatte er nach dem folgenschweren Moment keinen. Kurz hoffte er gar, es sei nichts Gravierendes.
Dann holte ihn die Realität ein. Die hiess: das vordere rechte Kreuzband war gerissen, am selben Knie ebenfalls der Innenmeniskus.

Nach der erfolgreichen Operation war Stump drei Wochen mit Krücken unterwegs. Diese ist er los, ebenso die Schiene. Nach der jüngsten Arztkontrolle kann das Mitglied des Judo Clubs Uster erfreut festhalten: «Bisher läuft alles perfekt.»
Noch ist sein Programm bescheiden. Zweimal wöchentlich geht Stump zur Physiotherapie, täglich macht er daheim Übungen. Das erste Ziel ist, die Beweglichkeit zu erhöhen. Bald dürfte er zudem mit Kraftaufbau beginnen.
Bis der 28-Jährige intensiver trainieren kann, wird es hingegen dauern. Stump vermutet: «Nach vielleicht sechs Monaten kann ich wohl langsam wieder mit Judo anfangen.» Von einem Wettkampf-Comeback ist er auch in jenem Moment weit entfernt. Was braucht es, bis er bereit für Turniere ist? «Ganz viel Judo», sagt Stump und meint damit: viele Trainingslager, viele Kämpfe.
Die Zeit sollte reichen
Stump hat keine Bedenken, den Anschluss an die Weltspitze nicht erneut zu schaffen. Unaufgeregt geht die Nummer vier der Weltrangliste in der Kategorie bis 72 Kilogramm auch mit dem Umstand um, dass er längst nicht fit ist, wenn im Sommer die Olympia-Qualifikationsphase beginnt.
«Minim», sind für ihn die Nachteile, glaubt er. «Eine Verletzung ist immer ein Rückschlag», sagt Stump, ist aber davon überzeugt, genügend Zeit in der Qualifikation zu haben. «Läuft alles gut, sollten die anderthalb Jahre reichen, die mir bleiben.»
Die Spiele von Los Angeles 2028 bleiben Stumps grosses Ziel. Auch in dieser schwierigen Phase hat der Judoka keine Motivationsschwierigkeiten. Seine Begründung dafür: «Ich habe meine Ziele noch immer vor Augen. Das hilft mir.»
Für den Ustermer wären erfolgreiche Spiele die Krönung der Karriere. Eine Liebesbeziehung pflegte er mit Olympia bisher nicht. Bei seiner Premiere in Tokio schied er 2021 im ersten Kampf aus. Dasselbe passierte ihm als Medaillenkandidat ebenfalls 2024 in Paris.
Für Stump war danach klar: Er nimmt einen weiteren Anlauf. Davon lässt er sich durch einen Kreuzbandriss nicht abbringen.