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Gesellschaft

Mental-Load–Serie

Diese Russikerin schafft Ordnung im Haus – und im Kopf

Zu viel Zeug, zu wenig Zeit: Nina Rechsteiner hilft, wenn die Unordnung überhand nimmt. Als Ordnungscoach vermittelt sie Strategien für mehr Ordnung und weniger Stress im Alltag.

Sie zeigt auch gerne den Inhalt ihres Kühlschranks: Bei Nina Rechsteiner herrscht in jeder Ecke Ordnung – und trotzdem sieht es gemütlich aus.

Foto: Simon Grässle

Diese Russikerin schafft Ordnung im Haus – und im Kopf

Mental-Load–Serie

Zu viel Zeug, zu wenig Zeit: Nina Rechsteiner hilft, wenn die Unordnung überhandnimmt. Als Ordnungscoachin vermittelt sie Strategien für mehr Ordnung und weniger Stress im Alltag.

Mehr Ordnung halten: Für viele ist dies einer der Vorsätze, die man sich fürs neue Jahr nimmt. Doch wo anfangen? Und wie schaffe ich es, dass das eigene Zuhause so stylisch aussieht, wie es uns die Influencer vorleben?

«Ich fände es auch schön, wenn meine Küche nach Regenbogenfarben eingerichtet wäre», sagt Nina Rechsteiner, «aber sind wir ehrlich – es ist einfach nicht praktisch.» Die Russikerin ist zertifizierte Ordnungscoachin und hilft ihren Kundinnen und Kunden, Struktur ins Chaos zu bringen.

Dabei steht Funktionalität an vorderster Stelle. «Auf Social Media sieht man viele Beispiele, wie eine Wohnung angeblich stylisch organisiert werden sollte, doch das hat mit einem echten Zuhause wenig zu tun», hält die 39-Jährige fest.

Sie ist überzeugt: Mit einfachen Strategien wird für mehr Ordnung gesorgt und der Alltag dadurch entspannter. «Mich stresst, wenn zu viel Zeug herumliegt. Dann kann ich nicht zur Ruhe kommen, sondern habe die ganze Zeit den Drang, die Unordnung zu beseitigen.»

Darum hat bei ihr alles seinen Platz. «Das ist die Grundlage für Ordnung und mehr Ruhe im Kopf.»

Unsere Serie über Mental Load beleuchtet ein Thema, das viele beschäftigt, aus diversen Blickwinkeln. Regionale Expertinnen und Experten geben Tipps, wie man der mentalen Belastung gegensteuern kann.

Bisher erschienen:
«Nein sagen hat nichts mit Egoismus zu tun» mit Paar- und Familienberaterin Nadine Sonderegger aus Wetzikon
«Stille kracht: Wenn an Weihnachten die Fetzen fliegen» mit Psychologin Raphaela Hügli aus Wetzikon

Dabei sieht es bei ihr zu Hause gar nicht so aus wie in einem Katalog für ein Möbelhaus. «Ordnung halten bedeutet nicht, dass nichts Persönliches herumstehen darf.» So zeugen Duplo-Bausteine am Boden von ihren Kindern (5 und 7 Jahre alt), ebenso die angefangenen Projekte in der Bastelecke im hinteren Teil des Wohnzimmers, in der Küche sind diverse Herbstdekorationsartikel ausgestellt.

«Und im Keller warten mindestens vier Bananenschachteln voll Weihnachtsdekorationen», gibt sie lachend zu. «Dekoration ist nicht Unordnung, sondern macht ein Zuhause gemütlich.» Zwar setzt sie auf Qualität statt Quantität. «Doch an Weihnachten darf es auch etwas mehr sein.»

Sonst gilt während des Jahrs: Weniger ist mehr. «Aber nicht unbedingt minimalistisch, sonst wirkt es schnell steril. Das Zahnbürsteli darf im Badezimmer zu sehen sein und muss nicht in der Schublade versteckt werden.»

Sie habe schon ihr Leben lang gerne Ordnung gehalten. «Obwohl meine Mutter ganz früher beim Anblick meines Kinderzimmers jeweils auch ausgerufen hat: ‹Da gsehts ja uus!›» Dabei ist Rechsteiner gerade in den Zimmern ihrer Kinder sehr grosszügig. «Solange ich von der Tür zum Bett, zum Fenster und zum Kleiderschrank komme, ist alles okay.» Wichtig sei, den Kindern zu vermitteln, wie wichtig es sei, aufzuräumen, bevor man etwas Neues beginne.

Keller als Sorgenkind

Bei den meisten Kundinnen und Kunden, die sich von ihr in Sachen Ordnung beraten lassen, ist der Keller das Sorgenkind. «Man stellt einfach immer mehr runter, aus den Augen, aus dem Sinn – bis das Chaos überhandnimmt.»

Bei ihren Beratungen wird jeder einzelne Gegenstand in die Hände genommen und geprüft, ob er noch Verwendung findet oder sentimentalen Wert hat. «Während dieses Prozesses sieht der Raum jeweils schlimmer aus als vorher.»

Am Schluss fallen immer zahlreiche Dinge an, die verkauft oder verschenkt werden können. «Fast in jedem Haushalt sammelt sich viel zu viel Zeug an – so viel, dass man gar nicht mehr weiss, was man hat, und im schlimmsten Fall Sachen neu kauft, nur weil man sie nicht mehr findet.» Dabei müsse man abwägen, ob sich der Aufwand für einen Verkauf überhaupt lohne oder nicht noch mehr Arbeit auslöse, die am Schluss ohne Erfolg bleibe. «Verschenken oder spenden ist meist erfüllender.»

Nina Rechsteiner schwört auf Kisten, Boxen oder Schachteln, in denen alle Sachen und Sächeli aufbewahrt werden. «Meist muss man sich gar keine neuen, teuren Behälter kaufen, sondern hat irgendwo im Haus Schachteln, die dann beschriftet werden können.» Gut in Gestellen verstaut, sind sie schnell zu greifen, und der Inhalt bleibt dank den Deckeln staubfrei.

So ist denn auch bei ihr zu Hause alles schön in Boxen eingeräumt: im Putzschrank, in der Küchenschublade, sogar im Kühlschrank. «Und in den Ferien haben wir praktische Packwürfel in unseren Koffern.» Es gebe noch viele weitere «Helfer» wie Schubladentrenner oder etwa Drehteller, um auch versteckte Ecken in Schränken zu nutzen.

Das Schwierigste am Aufräumen und Entrümpeln sei jedoch wie bei so vielem der erste Schritt. «Wenn man vor einem grossen, chaotischen Keller steht, ist das erst einmal überfordernd.» Sie empfiehlt daher, erst einmal mit einer Küchenschublade zu beginnen, einem Badezimmerschrank oder einem vernachlässigten Kasten und sich langsam an die grossen Problemzonen zu tasten. «Auch Schminke hat ein Ablaufdatum – oder ist doppelt und dreifach vorhanden.»

Sie hat sich im letzten Jahr mit ihrem Ordnungscoaching selbständig gemacht. «Es erfüllt mich enorm, anderen Menschen helfen zu können und ihnen aufzuzeigen, wie Ordnung zu Hause auch den Kopf entlasten kann. Denn ein aufgeräumtes Zuhause bedeutet mehr Zeit für das Familienleben und weniger Stress.»

5 Tipps für mehr Ordnung im Leben

Alles braucht seinen Platz.

Alle, die im Haushalt wohnen, müssen involviert werden, damit sie sich an die Strukturen auch halten.

Lieber vor einem Neukauf einmal mehr nachschauen, ob man das Gewünschte nicht schon besitzt – und ob man es wirklich braucht. Ein Besuch im Brockenhaus lohnt sich ebenfalls, wenn man tatsächlich etwas benötigt.

Zu zweit geht es einfacher: Beim Aufräumen und Entrümpeln Hilfe des Partners oder einer Freundin beiziehen – am besten zur Lieblingsmusik.

Lernen loszulassen: Nicht alles muss gehortet werden. Auch ein Foto eines Gegenstands kann Erinnerung genug sein.

Weitere Informationen zu Nina Rechsteiner und ihrer Arbeit unter www.ninasordnung.ch.

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