Die nächsten Hochbauten werden beim Bahnhof Wetzikon hochgezogen
Rund 120 Wohnungen
Das ZO-Haus ist der erste Teil der neuen Wetziker «Stadtfassade». Nun folgt auf dem anschliessenden Pestalozzistrasse-Areal der nächste Bau. Und der «Saloon» muss weichen.
Seit rund zehn Wochen wiegen sich gegenüber dem Wetziker Bahnhof hohe Baugespanne im Wind. Ausgesteckt sind die ersten Baukörper der Überbauung Pestalozzistrasse, die im Geviert der Rapperswiler-, der Pestalozzi- und der Kantonsschulstrasse geplant ist. Dereinst sollen hier neun Wohnblöcke mit bis zu sieben Geschossen stehen.
Auch auf der Terrasse und vor der Eingangstür des «Saloons» gegenüber dem Bahnhof Wetzikon stehen hohe Stangen. Gäste müssen sich keine daran vorbeizirkeln, denn knapp ein Jahr nach der Wiedereröffnung des Westernlokals unter dem Namen «Minas Saloon» hat die Wirtin auf Facebook Ende Januar bereits wieder das Aus verkündet.
Benzinzufuhr gekappt
Und vor Kurzem sind auch die Säulen der Oil-Tankstelle abmontiert worden. Einzig der Coiffeursalon Kuster hält noch die Fahne hoch. Doch auch hier ist das Ende absehbar. Voraussichtlich Ende Juni wird das Geschäft geschlossen.





In diesen Tagen ist die Vorprüfung der ersten Etappe des Bauprojekts durch die Stadt Wetzikon erfolgt. Diese umfasst ein gutes Drittel der Gesamtfläche von 10’000 Quadratmetern. Eigentümerin und damit Bauherrin ist die IST Investmentstiftung. Diese hat das Projekt von der Baarer Hochbaufirma Piiri AG übernommen. Ein weiteres Gebäude wird von einem privaten Bauherrn geplant.
Baubeginn noch dieses Jahr
Wie der zuständige IST-Portfoliomanager Stephan Auf der Maur auf Anfrage erklärt, rechnet die Investmentstiftung mit einem Baubeginn im dritten oder vierten Quartal dieses Jahrs, «abhängig vom Bewilligungsprozess». Die Stadt möchte jedenfalls ihre Tiefbauarbeiten für die Infrastrukturanlagen mit den Bauarbeiten der Privaten koordinieren, wie der Wetziker Planungsvorstand Stefan Lenz (FDP) festhält: «Dadurch lassen sich Zeit und Kosten reduzieren.»
Die eigentlichen Bauarbeiten dürften gut zwei Jahre in Anspruch nehmen. «Das Bauende ist für Frühling 2029 vorgesehen», gibt Auf der Maur für die erste, durch die IST bestrittene Bauetappe an. Die IST Investmentstiftung verwaltet für rund 420 private und öffentlich-rechtliche Vorsorgeeinrichtungen in der ganzen Schweiz Vorsorgegelder im Umfang von rund 10 Milliarden Franken.
Die Non-Profit-Organisation sieht in ihrem Bauteil ein Sockelgeschoss zur Rapperswiler- und zur Pestalozzistrasse hin mit über 750 Quadratmeter Gewerbeflächen vor. In den darüberliegenden sechs Stockwerken sind 63 1½- bis 4½-Zimmer-Wohnungen geplant. Gemäss Baugesuch belaufen sich die Baukosten auf knapp 33 Millionen Franken.
Zweite Bauetappe in Vorbereitung
Noch einmal so viele Wohnungen dürften dann in den weiteren Bauetappen erstellt werden. Ebenfalls noch im laufenden Jahr möchte die schweizweit tätige Swiss Prime Site Solutions ein Baugesuch einreichen, wie die Medienverantwortliche Andrea Schaller auf Anfrage schreibt. Entlang der Kantonsschulstrasse wird sie für rund 35 Millionen Franken vier Mehrfamilienhäuser erstellen lassen. Der Baubeginn ist für Herbst 2027 veranschlagt und die Fertigstellung bis Herbst 2029.




Noch keine Neubauabsichten sind für den letzten Teil des Pestalozzistrasse-Areals bekannt. Auf diesem steht ein siebengeschossiger Wohnblock mit L-förmig angebautem niedrigerem Hausteil. Darin war lange ein Ärztezentrum einquartiert. 2024 konnte die Stadt Wetzikon dieses Gebäude anmieten, um darin vorübergehend 30 Plätze für Asylbewerber einzurichten.
Grün kommt ins Zentrum der Überbauung
Die gesamte Überbauung wird dereinst über zwei Tiefgaragenzufahrten von der Pestalozzistrasse her erschlossen. Zudem werden Fusswege durch das autofreie Areal führen. Der Boden, auf dem die geplante Hauptpassage als Verlängerung der Leutholdstrasse zu liegen kommen wird, ist im Besitz der Stadt Wetzikon. In der Mitte der gesamten Überbauung wird ein Platz mit Bäumen entstehen. Wie Lenz festhält, ist dieser bereits mit der ersten Bauetappe zu erstellen.


Mit der Realisierung der Überbauung Pestalozzistrasse wird die sogenannte Stadtfassade entlang der Rapperswilerstrasse weiter Gestalt annehmen. Den Anfang machten das ZO-Haus mit Gewerberäumen und 55 Wohnungen sowie das dahinter liegende Avera-Gebäude, das neben den Bankräumlichkeiten auch 19 Wohnungen umfasst.
Viele neue Wohnungen rund um den Bahnhof
Wie Planungsvorstand Lenz festhält, werden auf beiden Seiten des südlichen Bahnhofareals in den nächsten Jahren weitere Wohnungen hinzukommen. So ist auf dem Gelände der Mattacker-Mühle angrenzend an das Pestalozzistrasse-Areal in der Fortsetzung der «Stadtfassade» mit rund 150 Wohnungen zu rechnen. Und an der Guyer-Zeller-Strasse soll der Seta-Park entstehen. Bestehende Gebäude werden dort teilweise aufgestockt, hinzu kommen Neubauten – und alles zusammen soll Platz für weitere rund 120 Wohnungen bieten.
In nächster Nähe zum Bahnhof werden damit über die nächsten Jahre zusammengerechnet rund 500 neue Wohnungen entstehen. Und mittendrin in diesem Stadtraum Bahnhof Wetzikon wird die Verkehrsdrehscheibe neu gestaltet – sofern die Stimmberechtigten am 14. Juni Ja zu einem Verpflichtungskredit von rund 82 Millionen Franken sagen.