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Wirtschaft

Wetziker Bankkunden stehen nicht mehr vor Panzerglas

Ein Empfang anstelle eines Schalters und Bargeld vom Automaten: Nach etwas mehr als zweieinhalb Jahren Bauzeit wurde die neue Avera-Filiale in Wetzikon nun eröffnet. Der Umzug erforderte spezielle Sicherheitsmassnahmen.

Ruedi und Eveline Böppli sind die ersten Kunden in der neuen Avera-Filiale., Die alte Filiale an der Bahnhofstrasse hat ausgedient., Die Bargeldtresore im Schalterraum sind bereits leergeräumt.

Fotos: Ljilja Mucibabic

Wetziker Bankkunden stehen nicht mehr vor Panzerglas

Wäre da nicht der Bankomat gleich am Eingang, könnten sich Bankkunden in einer Hotellobby wähnen. Es ist ein langer Schlauch, nüchtern und modern gehalten. Ein geschmückter Christbaum und ein Blumenbouquet sorgen für etwas heimelige Stimmung. Ruedi und Eveline Böppli sind die ersten Kunden in der neuen Avera-Filiale an der Spitalstrasse in Wetzikon.

Das Ehepaar aus Hinwil will vom 24-Stunden-Tresor der Bank profitieren. In ihrer Heimfiliale haben sie diese Möglichkeit nicht. «Es ist schön hell hier», bewundert Ruedi Böppli den Look. Die alte Filiale an der Bahnhofstrasse sei dagegen «altmodisch», so der Pensionär. Umsichtig wird das Paar von einer Empfangsmitarbeiterin in die Bedienung des Tresors eingeführt. Sie verschwinden hinter einer Tür in der Wand.

Schon am Tag vor der Eröffnung tröpfelte im Halbstundentakt Kundschaft in die neue Filiale. Die Empfangsmitarbeiterinnen vertrösteten sie freundlich auf den kommenden Tag. Die Filiale steckte am Montag noch im Umzugsmodus.

Wegen des Umzugs blieb auch die alte Filiale an der Hauptstrasse an diesem Montag geschlossen. Im Schalterraum räumten zwei Bankmitarbeitende letzte Ordner, Tresorschlüssel und was sonst noch mitmusste in Umzugskisten.

Theoretisch hätten diese zu Fuss mit einer Sackkarre die 130 Meter zum neuen Standort an der Spitalstrasse gebracht werden können. Aber nicht beim Umzug einer Bank, erklärte Rolf Bertschi, zuständig für Logistik und Sicherheit bei der Bank Avera.

Herausfordernder Umzug

«Wertsachen und Kundendokumente müssen unter besonderer Sorgfalt transportiert werden», erzählte Bertschi.

Die Sicherheit ist nicht nur Bertschis Aufgabe, sie ist auch seine Sorge an jenem Tag. «Einen Fehlalarm will ich auf jeden Fall vermeiden», sagte er. Die Kosten, die das auslösen würde, will Bertschi seinem Arbeitgeber ersparen.

Rund zehn Minuten hatte der gefragteste Mann der Stunde am Zügeltag Zeit. Dann hiess es wieder ein Problem lösen. Der Geldtransporter, der auf 10:30 Uhr bestellt gewesen wäre, war noch nicht da.

Ganze Kompetenz an einem Standort

Die Hektik war dem erfahrenen Technikchef nicht anzumerken. Das Gröbste der Zügelaktion war da auch schon durch. Jetzt hält ihn der neue Alltag auf Trab. Mit dem neuen Hauptsitz, der 120 Mitarbeitende an einem Standort zusammenfasst, kommt auch eine neue Nähe.

Eine Nähe, mit der sich Bertschi noch arrangieren muss. Zutrittsbadges programmieren, die Kaffeemaschine reinigen, Arbeitsplätze einrichten. Für all das ist Bertschi im Moment noch in Personalunion zuständig. Und weil jetzt alle im gleichen Haus arbeiten, wird er auch mal auf dem Gang für seine Dienste angefragt.

Für Filialleiter Christian Dübendorfer ist genau diese Nähe die grosse Stärke des Zusammenzugs. In Wetzikon seien jetzt sämtliche Knowhow-Träger der Bank an einem Standort vereint. «Das vereinfacht den Austausch. Man kann Probleme und Lösungsansätze auch mal bei einem Kaffee besprechen», freut sich Dübendorfer.

«Weg von der Panzerglas-Mentalität»

Der neuen Filiale ist anzusehen, wie sich auch das Bankengeschäft gewandelt hat. Bartransaktionen haben an Bedeutung verloren, erklärt Dübendorfer. Die neue Offenheit der Filiale beschreibt der Leiter mit «weg von der Panzerglas-Mentalität, hin zu einer neuen Willkommenskultur». In Wetzikon strebe man deshalb die bargeldlose Filiale an.

Die Realität ist allerdings, dass es immer noch eine vor allem ältere Kundschaft gibt, die ihr Geld am Schalter abholt oder einzahlt. Auch, weil ihre Bankkarten gar nicht Automatentauglich sind oder sie über keine Bankkarte verfügen. Diese Kunden unterstützt die Bank mit einer eigenen Lösung bei ihren Schaltergeschäften.

Geldgeschäfte sind Vertrauensgeschäfte

Der Fokus liegt für die Regionalbank auf drei Geschäfts bereichen: Finanzierung von Eigenheim, Geldanlagen und Vorsorge- und Pensionsplanung. Dafür sind in der neuen Filiale Beratungszimmer eingerichtet mit klingenden Namen wie «Schnebelhorn», «Pfannenstiel» und «Bachtel».

Dübendorfer bringt es auf den Punkt: «Banking ist trotz allem noch people-business.» Das persönliche Gespräch, bei dem man die Mimik wahrnehme, helfe dabei, die Bedürfnisse der Kunden einzuschätzen, führt der Filialleiter aus.

Das zeigt sich auch am Eröffnungstag. Eine ältere, verunsicherte Kundin betritt die Bank. Sie hat in einem Informationsschreiben von der bargeldlosen Filiale gelesen. Geld am Automaten abheben kommt für sie aber nicht in Frage, weil sie in so einem Moment schon mal überfallen wurde.

Die Empfangsmitarbeiterin kann ihre Ängste im Gespräch abfangen und eine individuelle Lösung finden. Die Aufregung ist spätestens dann verflogen, als die vergnügte Kundin ein Foto mit Samichlaus und Schmutzli machen kann. Die Bank hat das Duo für die Eröffnung am 6. Dezember extra gebucht.

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