Die letzten Tage der noblen Besenbeiz auf dem Bachtel
Neueröffnung und Schliessung Mitte November
Der baldige Neuanfang zuoberst auf dem Bachtel läutet auch das baldige Ende des Gastro-Provisoriums im Rinderstall ein. Die Zukunft des Wirtepaars ist noch offen.
Seit Ostern 2024 bewirten Aila und Stefano Marini Wanderer, Velofahrer, Hündeler und andere Ausflügler in einem Rinderstall etwas unterhalb des Bachtel Kulms. Mit beträchtlichem Aufwand hat die Genossenschaft, der das ganze Areal auf dem Oberländer Hausberg gehört, diesen Stall zu einer gemütlichen Besenbeiz im Alpen-Chic umgebaut. Auf dem Bachtel sollten sich Besucher auch während des eineinhalbjährigen Umbaus des grossen Lokals verköstigen können.
Noch zwei Wochen «Normalbetrieb»
«Am 14. November werden wir um 15.30 Uhr das komplett neu gestaltete Restaurant mit einer kleinen Feier eröffnen», kündigt der Präsident der Genossenschaft Bachtel-Kulm, Hubi Rüegg, an. Mit diesem Start im kleineren Rahmen ist es aber nicht getan. Das grosse, offizielle Eröffnungsfest wird im April 2026 steigen.
Mit dem baldigen Neustart des Restaurants sind auch die letzten Tage der Besenbeiz angebrochen. «Noch bis zum 31. Oktober sind wir zu den üblichen Öffnungszeiten da», erklärt Aila Marini. Danach werden verschiedene Geräte wie beispielsweise die Abwaschmaschine ins Berggasthaus hochtransportiert.


Auch wenn das Bewirten damit mühsamer wird, wollen die Marinis ihre Gäste nicht hängen lassen. Bei schönem Wetter – und für Anlässe – werden sie bis zum 13. November vor Ort sein. Angekündigt wird dies jeweils auf der Website www.bachtel-kulm.ch.
Während Stefano Marini in den vergangenen 18 Monaten in der – sehr kleinen – Küche gestanden ist, hat seine Frau Aila fürs Büffet und den Gastraum geschaut. «Das ist wirklich eine gute Zeit hier oben gewesen», sagt sie. Besonders gefreut hat sie sich über die vielen Stammgäste, von denen einzelne fast täglich bei ihr eingekehrt sind.
Beengende Küche
«Wir haben nur positive Rückmeldungen erhalten», unterstreicht sie. Das Lokal sei auch wirklich schön, und der Ofen bringe Gemütlichkeit. Einziges Handicap sei die kleine Küche gewesen. «Dank des Grills auf der Veranda konnten wir aber bei trockenem Wetter doch noch viel machen.»
Die engen Verhältnisse in der Küche sind bei Schönwetter herausfordernd. Immerhin hat das Lokal fast 60 Innenplätze. Und draussen nochmals Dutzende Sitzgelegenheiten. «Letzte Woche, als an zwei Tagen das Nebelmeer das Oberland bedeckt hat und wir hier oben in der Sonne waren, hatten wir alles voll», merkt Aila Marini an. Allerdings hat das Wetter in diesem Herbst – ganz im Unterschied zum letzten Jahr – bisher nicht so mitgespielt. Und das schlägt sich bei einem Ausflugslokal sofort im Umsatz nieder.
Bedauern über Ende des Provisoriums
Hubi Rüegg ist des Lobes voll fürs Wirtepaar. Und sehr viele Gäste haben auch das umgebaute Lokal gerühmt. «Alle sagen, dass es extrem schade sei, dass hier in der Besenbeiz nicht weitergewirtet werden kann.» Doch Martin Vögeli, im Genossenschaftsvorstand für die Liegenschaften verantwortlich, hält fest, dass der Stall stets nur als ein Provisorium konzipiert gewesen sei und sie nur eine temporäre Betriebsbewilligung hätten.


So muss die edle Besenbeiz wieder in den ordinären Viehstall zurück verwandelt werden. Vögeli könnte sich aber gut vorstellen, dass das Lokal auch danach als Ort für kulturelle Veranstaltungen geeignet wäre – und meint damit etwa das Bachtelschwinget. In der Vergangenheit haben die Schwinger den Stall als Garderobe genutzt.
Bald entscheidet sich Zukunft des Schwingplatzes
Ob allerdings dieser Traditionsanlass auf den Bachtel zurückkehrt, ist ungewiss. Ende Oktober wird laut Daniel Spörri, Präsident des Schwingklubs Zürcher Oberland, darüber entschieden. Der Schwingplatz mit Tribüne und Stützmauer ist sanierungsbedürftig. Spörri rechnet mit Kosten von über 100’000 Franken. Hinzu kommt, dass in den letzten Jahren die Zahl der Zuschauer und Schwinger rückläufig war. Er schreibt das der eingeschränkten Erreichbarkeit des Platzes zu. Demgegenüber zog das Bachtelschwinget, das dieses Jahr zusammen mit der 1.-August-Feier mitten in Hinwil stattfand, rund 1600 Besucher an – fünfmal so viele wie zuletzt oben auf dem Berg.

Unklar ist im Moment nicht nur das Schicksal des Schwingplatzes neben der Besenbeiz, sondern auch die berufliche Zukunft der Marinis. «Wir wissen noch nicht, was wir machen werden. Zuerst gehen wir mal in die Ferien nach Japan», meint Aila Marini. «Am liebsten möchten wir wieder ein Berggasthaus in der Region übernehmen», meint sie. Leider habe es auf dem «Rosinli» oben nicht geklappt, für das sie sich auch interessiert hätten.
Teure Besenbeiz
Für Martin Vögeli hat sich die Phase mit der Besenbeiz gelohnt. «Wir von der Genossenschaft haben so der Bevölkerung zeigen können, dass wir auch während des Umbaus auf dem Bachtel oben ein Angebot betreiben und die Gastfreundschaft hochhalten.» Rein finanziell gesehen hätten sich die grossen Investitionen für die temporären Installationen aber nicht ausbezahlt.