Auf dem Bachtel entsteht ein Beizenprovisorium im «Alpenchic»
Bald Baustart
Am 24. Februar heisst es auf dem Bachtel «Uustrinkete». Und einen Monat später wird die Besenbeiz eröffnet.
Aila und Stefano Marini sind bereits am Packen. Seit dem 1. Juni letzten Jahrs wirten und wohnen sie oben auf dem Bachtel-Kulm. Doch nun bereiten sie sich auf den Auszug vor, denn Mitte März soll der grosse Umbau des Restaurantgebäudes beginnen.
Zufriedene Gäste
In der kurzen Zeit dort oben auf dem Oberländer Hausberg hat sich das junge Paar aus Italien – sie ist 34, er 35 Jahre alt – viel Sympathie erworben. Das war nach der ebenfalls kurzen, aber turbulenten Zeit vor ihrem Einspringen auf dem Bachtel-Kulm wichtig, denn es brachte Vertrauen zurück. «Die Gäste sind zufrieden, wir haben nur positives Feedback erhalten», meint Aila Marini, «und wir haben eine strenge Zeit gehabt.»
Das eine hat das andere bedingt. So musste das Paar ob des Ansturms im Sommer draussen auf der Terrasse auf Selbstbedienung umstellen. «Das lief gut, es gab keine grösseren Wartezeiten», erklärt Aila Marini, die sich zusammen mit einer Kollegin um den Service kümmert. Die Anpassung hatte auch damit zu tun, dass es weiterhin sehr schwierig ist, Aushilfspersonal in der Gastronomie zu finden.
Stefano Marini, der in der Küche von zwei Männern unterstützt wird, hat von Beginn an einige italienische Speisen in die Karte aufgenommen. Und worauf er besonders stolz ist: «Wir verwenden nur frische Ware – und alles wird selbst gemacht.»
Baldige Rückkehr
Nun aber fokussiert sich das Wirtepaar auf den 24. Februar. An jenem Samstag findet von 11 bis 17 Uhr die «Uustrinkete» statt. Während rund eineinhalb Jahren wird das in die Jahre gekommene Gasthaus Bachtel-Kulm komplett umgebaut. Im Spätherbst 2025 soll es wiedereröffnet werden.
Für das Ehepaar Marini wird der Abschied vom Bachtel aber nur von kurzer Dauer sein. Zwar werden sie nicht mehr auf dem Hausberg wohnen können – sie zügeln nach Auslikon –, doch schon bald wieder dort arbeiten. Denn sie werden die Besenbeiz übernehmen, die in einem Stall 100 Meter unterhalb des Restaurantgebäudes eingerichtet wird.
Strasse wird saniert
Dieses Lokal soll voraussichtlich am 26. März, kurz vor Ostern, in Betrieb gehen. Es gibt noch einen Unsicherheitsfaktor, da die Gemeinde Hinwil ab dem 4. März im steilsten Abschnitt der Bachtel-Zufahrt ab Orn eine Strassensanierung mit aufwendigen Sicherungsmassnahmen realisieren will.
In der rund einmonatigen Bewirtungspause werden ein Teil des Küchenmaterials, Geschirr sowie Tische und Stühle in den Stall hinuntergebracht. Und die Marinis erlauben sich nach rund eineinhalb Jahren ohne Ferien – sie waren vor dem Bachtel-Einsatz auf der Scheidegg und in Zürich tätig – eine zwei- bis dreiwöchige Reise nach Italien. Erholung brauchen auch sie einmal, die «mit Lust und Herz gearbeitet haben», wie es Aila Marini ausdrückt.
Wirte müssen flexibel sein
Zur Lust und zum Herz hinzu kommt nun Flexibilität. Denn diese brauchen sie mit Blick auf die Besenbeiz, die sie bald führen werden. So gibt es noch Ungewissheiten, wie genau der Betrieb im Stall aussehen wird. «Wir müssen flexibel sein. Wir wollen dort viel machen, müssen aber schauen, was letztlich möglich sein wird», sagt Aila Marini.
Klar ist, dass dort, wo bisher Kühe in zwei Reihen standen, künftig rund 50 Personen werden sitzen können. Der Raum erhält einen Holzboden, die Futtertröge werden zu Sitzbänken umfunktioniert und die Wände mit Schwarten verkleidet. «Wir bringen in unser Provisorium Alpenchic», beschreibt es Martin Vögeli. Der Wetziker Architekt ist im Vorstand der Genossenschaft Bachtel-Kulm für den Bereich Liegenschaften zuständig. Der Genossenschaft gehört die gesamte Bachtelkuppe.
Besenbeiz mit Selbstbedienung
Im Eingangsbereich werden eine einfache Küche und eine Theke eingerichtet. Dort können die Gäste ihre Getränke und ihr Essen abholen. Vorgesehen sind einfache Speisen. Ob der im Baugesuch vorgesehene Küchencontainer aufgestellt wird, ist sehr unsicher. Denn dessen Miete ist sehr teuer. So ist für Stefano Marini klar: «Die Küche wird im Provisorium das grösste Problem sein.» Vorerst plant das Paar, die Besenbeiz nur zu zweit zu betreiben.
Die Einrichtung abrunden wird ein WC-Wagen. Und im Sommer erhält die Beiz gegen die Schwingarena hin – der Stall dient jeweils auch als Garderobe fürs Bachtel-Schwinget – zudem einen Aussenbereich mit nochmals rund 30 Plätzen. Von dort bietet sich ein prächtiger Ausblick in die Berge.
Hubi Rüegg, im Genossenschaftsvorstand für die Aussenbeziehungen zuständig, erklärt, dass in der Besenbeiz voraussichtlich die gleichen Öffnungszeiten wie jetzt im Restaurant gelten. Doch auch hier gehe es zuerst darum, Erfahrungen zu sammeln. Das Wirtepaar kann sich beispielsweise vorstellen, auf Reservation hin auch noch am Abend geöffnet zu haben.
Kein Platz mehr für Autos
Was sich aber sicher ändert: Für Autos wird es oben auf dem Bachtel kaum mehr Platz geben. Denn die jetzt vorhandenen Abstellflächen werden für die Bauinstallationen und Lastwagen benötigt.
Mit dem zu erwartenden Werkverkehr – es werden wohl sogar Fünfachser unterwegs sein – sei das Kreuzen auf der Strecke ab Orn praktisch unmöglich. Die Sicherheit gehe vor. Deshalb appellieren die beiden Vorstandsmitglieder der Genossenschaft an alle Besucher, ihre Autos während der Umbauzeit doch auf dem grossen Orn-Parkplatz abzustellen.
Marinis zeigen Interesse
Ob ab Herbst 2025 die Familie Marini mit ihrer Tochter Petra wieder auf dem Bachtel wohnen wird, ist offen. «Wir haben jedenfalls Interesse daran, auch im umgebauten ‹Bachtel-Kulm› zu wirten», betonen Aila und Stefano Marini.



Ob das der Fall sein wird, entscheidet der Genossenschaftsvorstand erst später. Vorgesehen ist, dass die Pacht neu ausgeschrieben wird. Und Hubi Rüegg würde sich freuen, wenn unter den Bewerbern dann auch die Familie Marini wäre.