Das Klumpenrisiko auf dem Sprungbrett
Der FC Uster spielt seine vierte Saison in Folge in der 2. Liga interregional. Unter Trainer Etienne Scholz setzt der Klub konsequent auf junge Spieler. Doch wie stabil ist dieser Weg – auch über seine Ära hinaus?
Für den FC Uster ist die 2. Liga interregional längst vertrautes Terrain: Mit mehreren Unterbrüchen bestreitet der Klub seine elfte Saison auf dieser Stufe, bereits die vierte in Folge. Kein anderer Verein aus der Region war seit der Einführung im Jahr 2000 so häufig in dieser Liga vertreten.
Zur Winterpause liegt der FC Uster auf Rang 9. Der Vorsprung auf die Abstiegsplätze in der Gruppe 3 beträgt lediglich vier Punkte. Trainer Etienne Scholz richtet den Blick vor dem Start in die zweite Meisterschaftshälfte gegen Lachen/Altendorf dennoch lieber nach oben als nach unten. «Wir sind gut drauf – und wollen angreifen.» Mit gutem Grund: Die Ustermer gewannen sämtliche sechs Testspiele.
Noch lieber als über Resultate redet Scholz jedoch über die Fortschritte seiner Spieler. Er sieht den besten FC Uster seit seinem Amtsantritt vor vier Jahren. Der Trainer spricht von Dominanz, vom Auftreten und davon, Chancen herauszuspielen. Der Aufwärtstrend gründet auf der Leistungssteigerung innerhalb des Teams, der Rückkehr von Langzeitverletzten und gezielten Winterverstärkungen. Ob diese Eindrücke auch im Meisterschaftsbetrieb Bestand haben, werden bereits die ersten Spiele zeigen.
Belohnt für den Mut
Seit vier Jahren steht der frühere Challenge-League-Fussballer an der Seitenlinie. Gerade einmal 28 war er, als er das Amt übernahm. Damals galt die Verpflichtung als mutig – rasch zeigte sich jedoch, dass Scholz den Schwerpunkt auf die Ausbildung junger Spieler legt.
Diese Ausrichtung prägt seine Arbeit beim FC Uster. Scholz betreibt zudem eine eigene Fussballschule, die auch von Spielern des FCU besucht wird. Das birgt zwar ein gewisses Konfliktpotenzial, unterstreicht aber den Fokus des Trainers auf die individuelle Förderung. Entsprechend vertraut er vor allem jungen Spielern, für die der Klub zunehmend zum Sprungbrett geworden ist. Mehrere Akteure nutzten Uster in den vergangenen Jahren als Zwischenstation in höhere Ligen.
Auch aktuell drängen sich mehrere Spieler auf – etwa Finn Knecht, Fabian Inglin oder Gionata Centoducato. Den umgekehrten Weg schlug im Winter hingegen Caner Türkmen ein. Der Stürmer wechselte vom Erstligisten SV Schaffhausen zum FCU und zählt mit 26 Jahren bereits zu den erfahreneren Spielern im Kader. Solche Transfers unterstreichen, dass sich der FC Uster unter Scholz zu einer attraktiven Adresse für Spieler etabliert hat, die bewusst den nächsten Schritt in ihrer Karriere machen wollen.
Ein enger Handlungsspielraum
Trotz dieser positiven Tendenz bleibt der Handlungsspielraum begrenzt. Gemessen an Grösse und Einzugsgebiet müsste der FC Uster eigentlich in einer höheren Liga spielen – so ist immer wieder zu hören. Doch die Infrastruktur setzt Grenzen. Trainings- und Spielbetrieb verteilen sich auf mehrere Anlagen, ein eigentliches Vereinszentrum fehlt. «Unsere Spieler kennen teilweise weder das Frauenteam noch die C-Junioren», sagt Scholz.
Damit wird wiederum deutlich, wie eng der eingeschlagene Weg derzeit mit seiner Person verbunden ist. Nach vier Jahren in Uster scheint ein nächster Karriereschritt für Scholz eher früher als später wahrscheinlich. Der 32-Jährige verhehlt das nicht. Denkbar wären für ihn ein Engagement bei einem Erstligisten oder höher, eine Aufgabe im Nachwuchs-Spitzenfussball oder sogar ein Abenteuer im Ausland.
Der nächste Schritt
Mitentscheidend für den nächsten Schritt dürfte auch die in Kürze anstehende Aufnahmeprüfung für das A-Diplom sein. Gleichzeitig betont Scholz immer wieder, wie wohl er sich beim FC Uster fühlt. Mehrere Angebote habe er in der Vergangenheit ausgeschlagen. «Ich hatte noch nie so viel Freude, Trainer zu sein», sagt er.
Für den Verein birgt diese Konstellation dennoch ein gewisses Klumpenrisiko. Spieler, die eng mit Scholz arbeiten, könnten bei einem Abgang folgen. Sorgen um die Zukunft des FCU macht sich der Trainer dennoch nicht – wegen des harten Ustermer Kerns im Kader und der Leitung durch Sportchef Philipp Bünter, der die erste Mannschaft eng begleitet.
Sollte Scholz den nächsten Karrierensprung machen, müsste der Klub die Struktur unabhängig von der Person des Trainers sichern. Entscheidend ist deshalb weniger der Ausgang dieser Saison als die Frage, wie nachhaltig der FC Uster langfristig funktioniert.