Blaulicht

Crime-Serie

Raubmord von Dübendorf: Die Rache des Knechts

Im Jahr 1947 wurde in Gfenn ein Milchhändler von einem Mann ermordet und ausgeraubt. Zur Strecke gebracht wurde der Täter von drei Einheimischen.

Raubmord von Dübendorf: Die Rache des Knechts

Crime-Serie

Im Jahr 1947 wurde in Gfenn ein Milchhändler von einem Mann ermordet und ausgeraubt. Zur Strecke gebracht wurde der Täter von drei Einheimischen.

Es war an einem verschneiten Januartag im Jahr 1947. Milchhändler Otto Egloff fuhr mit seinem Lieferwagen zur Milchsammelstelle in Gfenn, um eine Ladung Milch zu kaufen. Beobachtet wurde er dabei von seinem ehemaligen Knecht, einem grossen, schlanken Burschen mit gewelltem Haar und weichen Gesichtszügen. Dieser hatte am Nachmittag den Zug von Zürich nach Dübendorf genommen. Gegenüber der Polizei gab der 23-Jährige später zu Protokoll, er habe an Egloff Rache nehmen und ihm einige Hiebe versetzen wollen. Über den Fall berichtete die NZZ in ihrer damaligen Ausgabe.

Von Ende 1939 bis im Frühjahr 1941 hatte der Mann bei Egloff gearbeitet. Deswegen war er mit den Gepflogenheiten des Geschäftsbetriebs vertraut. So wusste er, dass Egloff jeweils am Morgen und am Abend die an der Sammelstelle Gfenn abgelieferte Milch mit dem Lieferungswagen abholte und dass am Abend die Auszahlung der Lieferanten fällig war.

So wartete der frühere Angestellte in Gfenn, bis sich ihm die Gelegenheit bot, sein Unterfangen durchzuziehen. Zeugen konnte er keine gebrauchen, deshalb wartete er ab, bis eine Schar spielender Kinder vor der Abgabestelle verschwand. Gleichzeitig musste er sich vergewissern, dass die Lieferanten noch nicht erschienen waren. Als er sich sicher war, näherte er sich dem Gebäude und trat mit einem schwarzen Halstuch maskiert ins Lokal, damit ihn sein früherer Meister nicht erkannte.

Als dieser den maskierten Mann bemerkte, kam es zum Kampf. Egloff ging mit dem Deckel einer Milchkanne auf den Eindringling los. Während des Kampfs griff Egloff nach einem spitzen Instrument und versuchte seinen Gegner damit anzugreifen. Dieser ergriff die Hände seines ehemaligen Meisters, nahm ihm die umfunktionierte Waffe ab und traktierte ihn damit, bis Egloff blutüberströmt vor ihm zusammenbrach.  

30 Stich- und Schnittwunden

So zumindest erzählte es der Mann gegenüber der Polizei und später vor Gericht. Tatsache war, dass er selber einige Schürfungen im Gesicht von dem Kampf mit sich trug. Wesentlich schwerere Verletzungen wurden bei Egloff festgestellt: Am Kopf und Hals wies er rund 30 zum Teil tiefe Stich- und Schnittwunden auf. An beiden Händen waren Abwehrverletzungen festzustellen.

Die Sektion der Leiche ergab später, dass verschiedene gegen den Kopf geführte Stiche sogar das Schädeldach durchbohrt hatten. Drei Verletzungen führten zum Tod durch äussere und innere Verblutung. Ein Einstich zwischen Nasenwurzel und rechtem Augapfel führte fast bis zur Schädelbasis; ein zehn Zentimeter tiefer Einstich auf der linken Halsseite hatte eine Hauptvene getroffen; ein tiefer Stich in den Brustkorb hatte Lunge, Zwerchfell und Milz verletzt.

Zeugen sagten später aus, dass sich Egloff trotz diesen schweren Verletzungen noch bis zum Eingang ins Freie geschleppt hatte, bevor er endgültig zusammenbrach.

Der Täter floh derweil mit der Mappe des Überfallenen. Darin das Geld, das für die Lieferanten gedacht war. Mit den 6130 Franken rannte er über die Felder in Richtung Dübendorf.

Einheimische jagen Täter

Allerdings war einigen Gfennern die Auseinandersetzung nicht entgangen. Aufgeschreckt vom Lärm, gingen drei Männer der Sache nach. Sie entdeckten den fliehenden Täter und kurz darauf den toten Milchhändler. Unverzüglich nahmen sie die Verfolgung auf, die jedoch durch den Schneefall erschwert wurde. An einer Strasse konnten sie einen Autofahrer dazu bewegen, sie mitzunehmen. Im Auto holten sie den Täter beim «Schörle» ein. Bei dem nun entstehenden Handgemenge vermochten die drei den Mann zu überwältigen, worauf sie ihn auf dem Posten Dübendorf der Polizei übergaben.

Verschwunden blieb jedoch die Tatwaffe. Nach dem scharfen Instrument, mit dem Egloff die tödlichen Stichwunden beigebracht wurden, suchten die Beamten mit Polizeihunden. Doch wegen des herrschenden Schneesturms an dem Tag konnte die Waffe nicht gefunden werden. Lediglich einen Handschuh des Täters fanden die Polizisten.

Der Mann bestritt beim Verhör die Tat. Er blieb bei seiner Geschichte, dass der Besuch des Meisters einzig dessen Züchtigung gegolten habe. Die Polizei verdächtigte den Täter von Dübendorf zudem, für den Raubmord an einem Milchhändler Wochen zuvor in Höngg verantwortlich zu sein. Monate später kam es zum Prozess am Schwurgericht Pfäffikon, der rund eine Woche dauern sollte.

(Die Fortsetzung mit dem Gerichtsverfahren und einer überraschenden Wendung folgt demnächst.)

Crime-Serie Teil 4 (Folge 1/2)

In einer losen Folge rollen wir vergangene Kriminalfälle in der Region noch einmal auf. Wir berichten über Morde, die landesweit Schlagzeilen gemacht haben. Aber auch skurrile Verbrechen werden Teil dieser Serie sein.

Bereits erschienen:

Die Bankräuberbande in Fällanden

Schiesswütige Polizisten

Professioneller Bankraub in Schwerzenbach

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