Blaulicht

Crime-Serie

Professioneller Bankraub in Schwerzenbach – mit verhängnisvollem Fehler

Zwei junge Männer überfielen Ende der 1990er-Jahre die UBS-Filiale in Schwerzenbach. Mit der Beute flüchtete einer der beiden bis nach Südamerika.

Die Bankräuber flohen mit Abfallsäcken voller Geld.

Foto: Archiv/Bearbeitung: Thomas Bacher

Professioneller Bankraub in Schwerzenbach – mit verhängnisvollem Fehler

Zwei junge Männer überfielen Ende der 1990er Jahre die UBS-Filiale in Schwerzenbach. Mit der Beute flüchtete einer der beiden bis nach Südamerika.

Es ist Sommer im Jahr 1998, als ein 24-jähriger Schweizer aus Volketswil und sein 23-jähriger Kollege mit bosnischem Pass vor der UBS stehen. Den Plan, die Bankfiliale an der Bahnstrasse in Schwerzenbach zu überfallen, haben die beiden schon seit einiger Zeit geschmiedet. Doch heute sollte es nicht sein, es halten sich sehr viele Kunden im Schalterraum auf. So beschliessen die beiden, ihr Vorhaben zu verschieben.

Ende November stehen sie kurz vor Mittag erneut vor der Bank, diesmal betreten sie das Gebäude maskiert. Mit Pistolen bedroht das Duo das schockierte Bankpersonal. Wie sich hinterher herausstellte, war das Magazin der Waffen zuoberst mit einer Platzpatrone besetzt und der Rest mit scharfen Mantelgeschossen.

Die beiden Bankräuber gehen sehr organisiert vor. Während der eine seinem Komplizen den Rücken frei hält, zielt der andere mit der Pistole durch den Schlitz in der Schalterscheibe und fordert von einem Bankangestellten, ihm das Geld zu übergeben.

Alarm ausgelöst

Der Angestellte öffnet daraufhin eine Schublade, duckt sich dann allerdings und löst den akustischen Alarm aus. Nun verlangt der Räuber von einem zweiten Bankmitarbeiter, das Geld in einen mitgebrachten Abfallsack zu füllen.

Der Mann tut, wie ihm befohlen wird, und packt Banknoten aus zwei Schubladen in den Plastiksack. Insgesamt 100'000 Franken befinden sich nun im Besitz der Bankräuber. Mit der Beute ergreifen sie zu Fuss die Flucht ins nahe Wohnquartier. Der ganze Überfall dauert nur fünf Minuten. Die sofort ausgelöste Fahndung verläuft erst mal ergebnislos.

Doch beim Coup machen die beiden Männer einen folgenreichen Fehler. Sie vergessen in der Bank einen leeren Plastiksack. Und weil der Volketswiler bereits vorbestraft ist, können ihn die Ermittler mithilfe der Fingerabdrücke ausfindig machen.

Nach Brasilien geflüchtet

Allerdings dauert es zwei Wochen, bis die Polizei den Bankräuber zu fassen kriegt und ihn verhaften kann. Noch länger dauert es, bis sie seinen Komplizen erwischt. Der in Kloten wohnhafte Bosnier setzt sich nämlich nach Rio de Janeiro ab und mietet sich dort eine Wohnung.

Obwohl er von dem festgenommenen Täter verraten wird und sein Name der Polizei bekannt ist, kann er unbehelligt bis zum Februar 1999 in Brasilien bleiben. Dort verprasst er 22'000 Franken der Beute.  

Doch dann fliegt er nach Zürich, wo er sich den Schweizer Behörden freiwillig stellt. Diese können bei den Räubern zusammengerechnet noch rund 70’000 Franken sicherstellen.

Gemeindebeamten geschubst

Im Oktober 2001 findet der Prozess vor dem Obergericht statt. Beide Häftlinge zeigen sich geständig und reumütig. Der Volketswiler Haupttäter hat bereits 25 Monate im Gefängnis verbracht und ist seit Dezember wieder auf freiem Fuss, als er vor Gericht erscheint.

Der zuständige Staatsanwalt fordert für ihn jedoch eine noch längere Zuchthausstrafe: Insgesamt dreieinhalb Jahre soll der Angeklagte hinter Gitter. Als Grund gibt der Staatsanwalt an, dass der gelernte Mechaniker in der Zeit zuvor eine Freundin massiv bedroht sowie einen Gemeindebeamten von Schwerzenbach wegen einer umstrittenen Parkbusse über einen Blumentrog gestossen und verletzt hatte. Für den zweiten Beschuldigten forderte der Staatsanwalt zwei Jahre Gefängnis.

Das Obergericht folgt allerdings den Anträgen der Verteidiger und belässt es bei Zuchthausstrafen von drei und zwei Jahren. Wobei der Bosnier anstelle des Strafvollzugs eine Therapie anzutreten hat. Beide Beschuldigten werden verpflichtet, einer geschädigten Bankangestellten ein Schmerzensgeld von 3000 Franken zu entrichten. Der Raubüberfall hatte die Frau schwer mitgenommen, noch viele Monate nach der Tat hatte sie mit Ängsten zu kämpfen.

Crime-Serie

In einer losen Folge rollen wir vergangene Kriminalfälle in der Region noch einmal auf. Wir berichten über Morde, die landesweit Schlagzeilen gemacht haben. Aber auch skurrile Verbrechen werden Teil dieser Serie sein.

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