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Ausbauprojekt zwischen Fehraltorf und Wetzikon

Bis zur Perronverlängerung an allen Oberländer Bahnhöfen dauert es noch länger

In den Zügen von Wetzikon nach Effretikon wird es heute öfters eng. Die geplante Kapazitätserweiterung wird nun aber nicht auf 2027, sondern wohl erst sieben Jahre später realisiert werden.

Die Kapazität der S3-Züge ist gegenüber anderen Linien begrenzt. Die Perrons in vier Bahnhöfen, wie hier in Kempten, sind zu kurz.

Archivbild: Tina Schöni

Bis zur Perronverlängerung an allen Oberländer Bahnhöfen dauert es noch länger

Ausbauprojekt zwischen Fehraltorf und Wetzikon

In den Zügen von Wetzikon nach Effretikon wird es heute öfters eng. Die geplante Kapazitätserweiterung wird nun aber nicht auf 2027, sondern wohl erst sieben Jahre später realisiert werden.

Auf der S3 von Wetzikon nach Effretikon und weiter bis Zürich Hardbrücke wird es zu den Hauptverkehrszeiten heute schon mal eng. Die insgesamt 690 Sitzplätze pro Zug sind oft alle belegt.

Aufgrund der hohen Nachfrage wird der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) deshalb ab dem Fahrplanwechsel 2026 im Dezember nicht nur eine zusätzliche Verbindung ab Wetzikon frühmorgens einführen, sondern vor allem anderes Rollmaterial einsetzen. Wie ZVV-Mediensprecherin Jasmin Vogel auf Anfrage erklärt, wird der in den Stosszeiten eingesetzte Typ über 720 Sitzplätze, mehr Türen und auch mehr Niederflurzugänge verfügen.

Noch immer nur 200 Meter lang

Doch das allein wird nicht ausreichen, um dem Gedränge ein Ende zu bereiten. Deshalb plante der ZVV noch vor sieben Jahren, bis 2027 die Kapazität auf der Linie S3 deutlich auszubauen. Das ist aber nur machbar, wenn es an den Bahnhöfen entlang der Strecke längere Perrons gäbe.

Im Gegensatz zu den Stationen entlang der Oberländer Hauptstrecke von Wetzikon über Uster und weiter nach Zürich – und überhaupt im Kernnetz des ZVV – gibt es auf der S3-Strecke nur 200 Meter lange Perrons.

Dass die Strecke zwischen Effretikon und Wetzikon als eine der letzten ausgebaut werden soll, liegt daran, dass mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2015 die S19 eingeführt wurde, um die S3 zu entlasten. Während der Stosszeiten wird diese normalerweise in Effretikon endende Verbindung jeweils bis Pfäffikon verlängert. Doch eben, dies reicht auch nicht aus, um in der S3 genügend Platz zu schaffen.

Baustart Anfang der 2030er Jahre

Für einen Ausbau auf 2027 hin ist der Zug jedoch schon längst abgefahren. Wie SBB-Mediensprecher Reto Schärli auf Nachfrage erklärt, wird nämlich erst jetzt das Vorprojekt erarbeitet. «Nach aktuellem Stand ist ein Baustart Anfang der 2030er Jahre möglich. Die Bauzeit beträgt voraussichtlich drei bis vier Jahre.»

Das tönt danach, dass es nochmals später wird, als vor zwei Jahren bei der Projektausschreibung angekündigt worden war. Damals wurde als Zeithorizont eine Realisierung bis 2032 angegeben. Mittlerweile steht zwar die sogenannte Projektallianz. An dieser beteiligen sich die SBB sowie das Ingenieurbüro WBI AG, die Baufirma Jak. Scheifele AG und die Müller Gleisbau AG.

Nur Bahnhof Illnau ist schon fit

Doch damit wird das Vorhaben nicht einfacher. Konkret müssen in den Bahnhöfen Fehraltorf, Pfäffikon, Kempten und Wetzikon die Perrons für 300 Meter lange Züge ausgebaut werden. Der Bahnhof Illnau ist der einzige auf der Strecke, der bereits den Anforderungen entspricht. Dort waren zwischen 2009 und 2012 im Rahmen der vierten Teilergänzung der Zürcher S-Bahn die Perrons verlängert worden.

Die Arbeiten beinhalten auch Anpassungen an den Gleisen, an den Bahnübergängen, an der Fahrleitung, an den Signalen und an den Kabelanlagen. Zudem müssen bestehende Stellwerkanlagen teilweise durch Neubauten ersetzt werden. Die Stromversorgung muss ebenfalls ersetzt werden. Weiter wird eine bestehende Bahnbrücke durch einen breiteren und längeren Neubau ersetzt.

Auch die Bahnzugänge müssen gemäss dem Behindertengleichstellungsgesetz umgebaut werden. Das bedeutet neue Rampen inklusive Überdachung.

Auch Güterverkehr soll profitieren

Und vom Ausbau soll nicht nur der Personen-, sondern auch der Güterverkehr profitieren. Laut SBB-Sprecher Reto Schärli wird im Bahnhof Kempten das bestehende Gleis 2 zum Kreuzungsgleis für 400 Meter lange Güterzüge ausgebaut.

Die Umsetzung des gesamten Vorhabens wird dadurch erschwert, dass die doch umfangreichen Bauarbeiten unter laufendem Bahnbetrieb bewerkstelligt werden müssen. Hinzu kommt die Abstimmung mit mehreren Drittprojekten, die gleichzeitig ausgeführt werden sollen.

50 Prozent mehr Kapazität für 100 Millionen

Das Vorhaben hat denn auch seinen Preis: Die Projektkosten betragen gemäss Schärli nach heutiger Schätzung mit dem aktuellen Projektumfang rund 100 Millionen Franken. Finanziert wird das Projekt durch Mittel aus dem nationalen Bahninfrastrukturfonds. 

Immerhin wird sich das alles für die Passagiere lohnen. So wird nach der Verlängerung der Perrons eine im Vergleich zu heute um 50 Prozent höhere Transportkapazität möglich sein. Das heisst laut der ZVV-Sprecherin Jasmin Vogel, dass pro S3-Zug statt der 690 Sitzplätze dereinst rund 1070 zur Verfügung stehen werden.

Da die S19 noch keine Kapazitätsengpässe aufweist, wird diese laut Vogel bis auf Weiteres mit maximal 200 Meter langen Zügen verkehren.

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