Alte Bahnbrücke in Hinwil wird ersetzt
Spektakuläre Bauarbeiten
Die historischen Züge zwischen Hinwil und Bauma fahren künftig über eine neue Brücke. Für die Bauarbeiten wird die Strecke mehrere Wochen gesperrt.
Wer mit dem Auto vom Hinwiler Dorfzentrum die kurvige Strasse nach Ringwil hochfährt, kommt nicht um sie herum: die alte Bahnbrücke kurz vor dem Bezirksgericht. Oben auf den Gleisen schnaufen hier vor allem in den Sommermonaten die Dampfzüge des Dampfbahn-Vereins Zürcher Oberland (DVZO) zur steilen Bergstrecke nach Bäretswil hoch.
Doch nun sind die Tage der im Jahr 1899 erstellten Brücke gezählt. In einem aktuellen Zustandsbericht erhielt sie das Prädikat «schlecht», wie aus den Planunterlagen hervorgeht. Diese hat die Sursee-Triengen-Bahn AG beim Bundesamt für Verkehr eingereicht. Dem Innerschweizer Unternehmen gehört die Konzession für den Betrieb der Bahnstrecke zwischen Hinwil und Bauma.
Die letzte Sanierung der Brücke habe in den 1950er oder 1960er Jahren stattgefunden, sagt Geschäftsführer Matthias Emmenegger. So genau wisse er das gar nicht. Die Brücke habe sich zwar gut gehalten, da die Strecke kaum befahren werde. «Aber jetzt müssen wir sie aus Altersgründen ersetzen.»
Höher, schwerer und leiser
Über 125 Jahre hat die Brücke auf dem Buckel. Gebaut wurde sie für die Uerikon-Bauma-Bahn (UeBB). Allerdings ist die letzte UeBB-Fahrt schon eine Weile her: 1969 wurde der Personenverkehr auf dieser Strecke eingestellt. Heute befahren neben den Nostalgiezügen des DVZO in unregelmässigen Abständen noch Güterzüge zum Kieswerk in Bäretswil die Strecke.
Für Emmenegger hat das 2,3 Millionen Franken teure Projekt gleich mehrere Vorteile. Denn die neue Brücke ist einerseits schwerer als ihre Vorgängerin und hat andererseits eine leicht vergrösserte Durchfahrtshöhe von 4,10 Metern. Damit sollten auch Lastwagen ihr nichts mehr anhaben können.

In der Vergangenheit hoben unachtsame Lastwagenfahrer mit ihren Fahrzeugen die Brücke mehrfach an. Solche Zwischenfälle hätten jeweils Reparaturkosten im sechsstelligen Bereich verursacht, erklärt Emmenegger.
Und nicht nur mit Kollisionsschäden soll Schluss sein, sondern auch mit dem Lärm für die Anwohner. Denn neu erhalten die Gleise ein Schotterbett. Bisher waren die Bahnschwellen direkt aufs Metall heruntergeschraubt.
DVZO-Fahrten nicht betroffen
Bis zur Realisierung dauert es aber noch eine Weile. Der Baustart ist aktuell für Herbst 2027 vorgesehen. Die Sursee-Triengen-Bahn AG rechnet mit einer Bauzeit von 13 Wochen. «Es können im Idealfall auch weniger sein», sagt Matthias Emmenegger.
Sicher ist: Die Arbeiten beginnen erst nach Saisonende der DVZO-Fahrten. «Das ist uns sehr wichtig», betont Emmenegger. Denn die Bahnstrecke ist während der Bauzeit gesperrt. Die traditionellen Samichlaus-Fahrten im Dezember verkehren jeweils sowieso nur zwischen Bauma und Bäretswil und wären von der Sperrung nicht betroffen.
Die Ringwilerstrasse soll während der Bauarbeiten immer einspurig befahrbar sein. Eine Ausnahme dürfte der spektakuläre Einsatz der neuen Brücke mit einem Kran bilden. Ab Frühling 2028 sollen dann die Züge über die neue Brücke rollen.