Zwischen Aatal und Aufstiegsprämien: So finden Vereine ihre Trainer
Zweitliga-Fussball in der Region
Trainerlöhne, Netzwerke, Vereinsleben: Die Suche nach einem neuen Coach ist im Oberländer Regionalfussball längst mehr als eine sportliche Entscheidung.
Der Abstieg scheint kaum mehr abzuwenden. Unabhängig davon stellt der interregionale Zweitligist Dübendorf die Weichen für die Zukunft: Alis Murati übernimmt auf die kommende Saison hin die erste Mannschaft. Der frühere Erstliga-Spieler mit FCD-Vergangenheit und heutige Trainer der Zweitliga-Frauen von Südost Zürich folgt auf Shaip Krasniqi, der den Verein nach drei Jahren verlässt.
Während Dübendorf seine Trainerfrage bereits gelöst hat, stehen andere Vereine im Oberländer Regionalfussball noch vor Entscheidungen. So müssen die Zweitligisten Greifensee und Wald ihre Posten neu besetzen. Beim FCG tritt Felix Bollmann ab, beim FC Wald legt Aufstiegstrainer Boris Juric im Sommer eine Pause ein. Die Nachfolgelösungen dürften in beiden Fällen in Kürze bekannt werden.
Die Ausgangslagen unterscheiden sich – die Fragen dahinter ähneln sich jedoch. Was erwarten Vereine eigentlich von einem Trainer? Resultate allein reichen nicht. Die Klubverantwortlichen achten bei Trainersuchen auf weit mehr als nur die sportliche Bilanz.
Der Trainer muss zum Verein passen
Für Dübendorf-Präsident Markus Herzog gibt es kein allgemeingültiges Erfolgsprofil. Entscheidend ist vielmehr die Situation eines Vereins. Ein ambitionierter Interregio-Klub hat andere Anforderungen als ein Ausbildungsverein oder ein Team im Umbruch. Wichtig ist etwa die Frage, ob ein neuer Trainer auch bei einem möglichen Abstieg an Bord kommt oder wie stark er bereit ist, eigene Nachwuchsspieler einzubauen.
Noch deutlicher formuliert es Nino Fikic, Leiter Aktive beim FC Greifensee. Der Zweitligist sei «ein Spezialfall», weil der Verein bewusst keine Entschädigungen bezahle. Dafür wird erwartet, dass sich Spieler und Trainer aktiv ins Vereinsleben einbringen – etwa beim traditionellen Zeitungssammeln. Selbst die Akteure der ersten Mannschaft bezahlen in Greifensee ihren Mitgliederbeitrag. Der Vorteil solcher Modelle: Die Identifikation mit dem Verein bleibt grösser.
Auch beim FC Wald steht weniger die sportliche Theorie als vielmehr die Identifikation mit dem Verein im Zentrum. Sportchef Ivan Juric spricht von einem klaren «Walder Weg»: Rund 90 Prozent des Kaders bestehen aus Eigengewächsen.
«Wir sind schliesslich ein Dorfverein», sagt Juric. Deshalb muss ein Trainer nicht nur sportlich, sondern vor allem menschlich passen. Der neue Coach soll idealerweise ebenso aus dem Oberland oder dem nahen Zürichseegebiet stammen. «Wir wollen eigentlich niemanden, der über Wetzikon hinaus wohnt und dann durchs Aatal fahren muss.»
Ein Trainer braucht ein Netzwerk
Gemäss Herzog muss der neue Coach nicht nur trainieren, sondern auch Spieler überzeugen oder sogar mitbringen können. Für Dübendorf gilt daher als ideale Formel: eigene Junge fördern und gezielt externe Spieler holen.
Greifensee setzt bei der Trainersuche ebenso stark auf persönliche Kontakte und das eigene Netzwerk. Zwar seien zahlreiche Bewerbungen eingegangen, sagt Fikic. «Die meisten haben aber nicht gepasst.» Parallel dazu hat sich der Verein mit einzelnen Kandidaten aus dem eigenen Umfeld auseinandergesetzt.
Dabei geht es dem langjährigen Greifenseer Zweitliga-Spieler nicht nur um fachliche Qualität. Ein Trainer müsse auch verstehen, unter welchen Bedingungen der Klub funktioniere — und akzeptieren, dass er das Team je nach Saison auch in der 2. oder 3. Liga übernehmen könnte.
Sozialkompetenz statt Laptop-Fussball
Dübendorfs Präsident Herzog sagt offen, dass ein Trainer idealerweise auf höherem Niveau gespielt oder gearbeitet haben sollte. Das schaffe Akzeptanz bei den Spielern. Gefragt seien zudem kommunikative Persönlichkeiten – nicht Trainer, die nur an der Techniktafel oder am Laptop arbeiteten. Entscheidend ist für ihn der Umgang mit Menschen.
Ähnlich sieht es Ivan Juric in Wald. Bei der Trainersuche sei der Verein bewusst «mehrspurig» gefahren – allerdings nicht taktisch oder operativ, sondern menschlich. Gerade im Breitensport sei das wichtiger als «künstliche Autorität».
Gemeinsam mit Präsident Slavomir Stühlinger habe man eine Shortlist erstellt, sagt Juric. Inputs kamen dabei nicht nur vom bisherigen Trainer Boris Juric, sondern auch aus dem Umfeld der Mannschaft – etwa von Spielervätern.
Das Dauerthema Trainerlöhne
Ein Dauerbrenner im Amateurfussball sind die Trainerlöhne. Öffentlich wird selten darüber gesprochen – allgegenwärtig ist das Thema trotzdem.
Dübendorfs Markus Herzog schätzt, dass ein Trainer in der 2. Liga in der Regel mehr als 20'000 Franken pro Saison verdient. In der 2. Liga interregional kämen oft nochmals einige tausend Franken dazu. Pluspunkte beim FCD-Präsidenten sammeln können Coaches, die erfolgsabhängige Modelle akzeptieren.
Auch in Greifensee werden die finanziellen Rahmenbedingungen früh angesprochen. «So spart man Zeit», sagt Fikic. Wenn sich ein Trainer «in anderen Sphären bewegt», passe es oft ohnehin nicht.
Über konkrete Zahlen wollen sich die Verantwortlichen in Greifensee und Wald allerdings nicht äussern. Klar ist aber: Geld soll nicht die Hauptmotivation sein. Aufstiegsprämien für Trainer kennt der FCG beispielsweise nicht. «Wir möchten nicht lange über Prämien feilschen, sondern über Inhalte sprechen», sagt Fikic.
Die Trainersuche im Oberländer Regionalfussball ist damit längst mehr als eine sportliche Entscheidung.