Zoff um abgesperrte Spitalparkplätze sorgt in Uster für rote Köpfe
Unverständnis versus Bürokratie
Beim Spital in Uster sind mehrere Parkplätz wegen einer Absperrung unbenutzbar. Eine Petition macht nun auf den Missstand aufmerksam. Doch für eine Lösung bräuchte es eine Gesetzesänderung.
Wer derzeit auf dem oberirdischen Parkfeld beim Spital Uster parkieren möchte, trifft auf eine Absperrung. Dass die Stadt funktionstüchtige Parkplätze unzugänglich macht, stösst in der Bevölkerung auf wenig Verständnis. Eine entsprechende Petition mit dem Namen «Schluss mit dem Parkplatz-Schildbürgerstreich am Spital Uster!» haben bereits über 700 Leute unterzeichnet.
Darin wird der Stadtrat aufgefordert, die Parkfläche zu öffnen. Die aktuell geltende Parkplatzverordnung von 1992 sei veraltet, weil seither die Einwohnerzahl von Uster um über 42 Prozent zugenommen habe. «Eine Infrastrukturpolitik aus dem letzten Jahrtausend wird der heutigen Realität nicht gerecht», schreibt Petent Stefan Dutler aus Sulzbach. Er fordert: «Patientenwohl vor Bürokratie.»
Parkplatznot in der Tiefgarage
Anstoss für seine Petition war dabei ein eigener Besuch im Spital. «Auf der Tafel vor dem Parkhaus stand zwar, es habe noch freie Plätze, doch drinnen warteten bereits drei weitere auf einen Parkplatz. Und alle hatten Termine.»
Noch im Parkhaus rief er den Spitalempfang an. Dort hatte man auch keine Lösung gehabt und riet ihm, stattdessen einen Stellplatz in der blauen Zone des angrenzenden Quartiers zu benutzen. Dutler kann über diese Lösung nur den Kopf schütteln: «Das ist ökologischer Schwachsinn. Der Suchverkehr in den Quartieren hilft niemandem, sondern führt nur zu Belastungen für die Anwohnenden und die Umwelt.»
So, wie es jetzt ist, nimmt es eine Dimension an, die einschneidend für die Gesundheitsversorgung ist.
Stefan Dutler
Petent
Der Sulzbacher nennt es einen Schildbürgerstreich, dass die oberirdischen Parkplätze nicht freigegeben werden und die Parkplatzverfügbarkeit damit künstlich verknappt wird. Gleichzeitig sei das Parkhaus überlastet. «Ein Spitalbesuch ist keine Freizeitaktivität. Viele sind wegen gesundheitlicher Probleme auf das Auto angewiesen. Besonders in Notfällen braucht es deshalb dringend kurze Wege», argumentiert er.
David gegen Goliath?
Dutler wollte sich Gehör verschaffen und nahm deshalb mit dem Spital und der Stadt Kontakt auf. Dort habe man ihn eher vertröstet, als dass man sich lösungsorientiert gezeigt hätte. Der Petent ärgert sich: «So, wie es jetzt ist, nimmt es eine Dimension an, die einschneidend für die Gesundheitsversorgung ist. Es kann doch nicht sein, dass sich da niemand drum kümmert.» Deshalb habe er die Petition gestartet.
Diese stösst auf grosses Interesse. Ein User schreibt auf der Plattform «Open Petition», auf der die Unterschriftensammlung stattfindet: «Lasst uns doch pragmatisch sein und Vorhandenes nutzen.»

Auch Dutler selbst platziert auf der Plattform mehrere Mitteilungen. In einer schreibt er: «Was vor wenigen Tagen als Beobachtung eines absurden Zustands begann, hat sich zu einer echten Bürgerbewegung für den gesunden Menschenverstand entwickelt. Goliath merkt, dass er David nicht mehr ignorieren kann.»
Doch Goliath schaut David vorerst nur zu. Das Spital Uster schreibt auf Anfrage, die Tiefgarage sei nicht überlastet. Zudem erfülle das Spital sämtliche Auflagen zu Parkplätzen für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Im Parkhaus würden Behindertenparkplätze in unmittelbarer Nähe zum Lift zur Verfügung stehen.
Stadt hält sich an geltendes Recht
Hans-Ueli Hohl, Abteilungsleiter Bau bei der Stadt Uster, verweist auf die Parkplatzverordnung von 1992. «Auch bei publikumsintensiven Institutionen ist die zulässige Parkplatzanzahl beschränkt.» Mit der Eröffnung des Parkhauses 2022 sei auf dem Gelände das gesetzlich zulässige Maximum an Parkplätzen erreicht worden. Deshalb wurde das alte oberirdische Parkfeld geschlossen.
Dies sei aus verkehrspolitischer Sicht sinnvoll, da der Platz für den Individualverkehr beschränkt sei und durch die öffentlichen Verkehrsmittel grundsätzlich effizienter genutzt werden könne. Denn das Spital ist mit diesen problemlos erreichbar.
«Nicht jeder Besuch muss daher zwingend mit dem Auto erfolgen.» Somit ergebe sich kein Zielkonflikt zwischen Zugänglichkeit und Verkehrsreduktion, argumentiert die Stadt «Das Spital verfügt zudem über Kurzzeitparkplätze vor dem Haupteingang.»
Die Parkplatzanzahl ist zeitgemäss. Weitere Parkplätze sind nach heutigem Stand nicht bewilligungsfähig.
Hans-Ueli Hohl
Abteilungsleiter Bau, Stadt Uster
Die Stadt vertritt einen klaren Standpunkt: «Die Parkplatzanzahl ist zeitgemäss.» Sie verweist darauf, dass 2019 eine überarbeitete Fassung der Parkplatzverordnung vom Stimmvolk an der Urne bachab geschickt worden ist.
«Weitere Parkplätze sind nach heutigem Stand nicht bewilligungsfähig.» Das Einwohnerwachstum von Uster sei zudem nicht entscheidend für die Kontingentierung der Parkplatzanzahl, denn «die Parkplatzberechnung richtet sich bei Spitälern nach der Bettenzahl».
Konkrete Massnahmen fehlen
Die Stadt schreibt weiter, dass der Anteil des Suchverkehrs am restlichen Verkehr nicht bekannt sei. «Reklamationen oder Hinweise auf Missstände liegen keine vor.» Man stehe jedoch im Austausch mit dem Spital hinsichtlich allfälliger Verbesserungen und zukünftiger Bauvorhaben. «Dabei sind auch die Parkplatzsituation und die Nutzung der heute abgesperrten oberirdischen Parkplätze zu überprüfen.»
Eine Aufstockung der Parkplatzkapazität hätte unter dem aktuellen Gesetz jedoch Konsequenzen für das Parkhaus: «Um zusätzlich zu den heute bestehenden Parkflächen weitere oberirdische zu schaffen, wäre die Anzahl Parkplätze in der Tiefgarage zu verringern.» Der Entscheid liege letztlich aber bei der Geschäftsleitung des Spitals.
Derweil sammelt Stefan Dutler fleissig weitere Unterschriften. Selbst wenn die politische Wirkung ausbleibe, habe er aus seiner Sicht etwas erreicht. «Mir war es vor allem wichtig, den Leuten, die auf diese Parkplätze angewiesen sind, Gehör zu verschaffen», sagt er.