Wirtschaft

Zu wenig rentabel

Dübendorfer Veloturmfirma gibt Geschäft auf

Die Dübendorfer V-Locker AG ist pleite. Das Unternehmen mit den automatisierten Velotürmen scheiterte mit seiner offensiven Wachstumsstrategie.

Dübendorfer Veloturmfirma gibt Geschäft auf

Die Dübendorfer V-Locker AG ist pleite. Das Unternehmen mit den automatisierten Velotürmen scheiterte mit seiner offensiven Wachstumsstrategie.

Der sieben Meter hohe Veloparkturm in Stettbach ist ab sofort nicht mehr in Betrieb. Er war einer von mehreren Abstellanlagen für Zweiräder und gehörte der Dübendorfer V-Locker AG. Das Unternehmen, das seit 2019 mit automatisierten Velotürmen für Fahrradparkplätze bekannt geworden ist, hat nur wenige Wochen nach der Eröffnung seines jüngsten Standorts in Deutschland seine Überschuldung beim zuständigen Gericht angezeigt und steht damit vor dem Aus. Dies berichtet der «Tages-Anzeiger».

Die V-Locker AG hat ihren Sitz in Dübendorf und ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Das Unternehmen errichtete Velotürme an Bahnhöfen in der Schweiz und Deutschland und arbeitete unter anderem mit den SBB und der Deutschen Bahn zusammen.

Funktioniert hat das so: In den Türmen werden Velos in einzelnen Boxen sicher verwahrt. Kunden können einen Stellplatz per App buchen, das Velo einstellen und später wieder abrufen.

Trotz der Expansion mehrten sich rückblickend die Hinweise darauf, dass das Geschäftsmodell wirtschaftlich unter Druck stand. Ein Beispiel ist der Veloturm in Meilen. Laut «Tages-Anzeiger» wurde dieser in den ersten eineinhalb Jahren nach der Eröffnung im Durchschnitt lediglich rund 15-mal pro Monat genutzt. Im April 2023, dem stärksten Monat, waren es 53 Nutzer, im Januar 2024 hingegen nur zwei.

Auch die von der V-Locker AG selbst veröffentlichten Geschäftszahlen werfen Fragen auf. Für 2025 meldete das Unternehmen zwar rund 150 Prozent mehr Buchungen. Insgesamt wurden jedoch nur gut 44'000 Parkstunden registriert. Selbst bei einem angenommenen Höchstpreis von einem Franken pro Stunde hätten die Einnahmen aus dem eigentlichen Veloparkieren damit weniger als 50'000 Franken betragen, wie der «Tagi» vorrechnet. Tatsächlich lagen die Tarife an vielen Standorten tiefer, zudem bot die Firma Monatsabonnements an.

Fragliche Rendite

Besonders deutlich wird das wirtschaftliche Problem beim Blick nach Deutschland: Vier Velotürme in Bonn kosteten laut Berechnungen des Nachrichtenportals WDR rund drei Millionen Euro. Bei 280 Boxen entspricht dies Investitionskosten von mehr als 10'000 Euro pro Stellplatz. Selbst bei einer theoretischen Vollauslastung hätte es demnach rund 75 Jahre gedauert, bis die Investition über die Parkgebühren amortisiert gewesen wäre. Tatsächlich lag die Auslastung deutlich tiefer.

Die Entwicklung ist bemerkenswert, weil die V-Locker AG noch bis zuletzt Expansion signalisierte. Erst im Juni 2026 eröffnete das Dübendorfer Unternehmen im deutschen Frankenthal seinen 15. und bislang neuesten Veloturm. Nur einen Monat später folgte die Überschuldungsanzeige.

Wie hoch die Schulden der V-Locker AG sind, welche weiteren Einnahmequellen das Unternehmen hatte und ob es jemals nachhaltig profitabel war, ist derzeit unklar. Unter dem angegebenen Firmenkontakt ist niemand mehr erreichbar. (dam)

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