SoSo-Café in Wetzikon: Nach der Rettung folgt der Umzug
Update nach sechs Jahren
2021 ging das Wetziker SoSo-Café beinahe in Konkurs, nun steht der Betrieb wieder auf sicheren Beinen. Doch eine grosse Veränderung zeichnet sich am Horizont ab.
Während von draussen ohrenbetäubender Baustellenlärm von der Verlegung der Fernwärmeleitungen hereinschallt, versprüht das Wetziker SoSo-Café eine entspannte Atmosphäre. Noch ist es nicht Mittag, noch sind die Stühle grösstenteils unbesetzt.
Standort Wetzikon ist bald Geschichte
Seit 2020 befindet sich das gemütliche Kafi in den Räumlichkeiten einer ehemaligen Fabrik. Doch nun zeichnet sich ein grosser Umbruch ab: Da der Gebäudeteil des Cafés an der Guyer-Zeller-Strasse 6 umgebaut wird, muss dieses weichen.
Die Liegenschaft beim Bahnhof hat eine bewegte Geschichte hinter sich: Erbaut in den Jahren 1906/1907 durch den Gründer der Maschinenmesserfabrik Beglinger, war sie später Standort der Seidenweberei Bosshard-Bühler und bis 2002 Hauptsitz der Belimo AG.
«Ich verstehe den Entscheid aus unternehmerischer Sicht, aber für die Personen dahinter ist es eine riesige Veränderung», sagt Nadja Schloss, die Inhaberin des Lokals.
Im Volketswiler Dorfzentrum ist das Team von Schloss schliesslich auf eine neue Bleibe gestossen. Das SoSo-Café wird die Räumlichkeiten des jetzigen Cafés N’AU im Gemeinschaftszentrum beziehen. Die Eröffnung ist nach den Sommerferien 2026 geplant.
Der Umzug schmerzt Schloss durchaus. «Wir haben in Wetzikon viele Gäste, die uns ans Herz gewachsen sind.» Dennoch möchte sie ihre Mission weiterverfolgen – wenn auch nicht mehr in Wetzikon. «Mit dem Kafi wollten wir einen Ort schaffen, wo miteinander gesprochen werden kann, wo sich jeder eine kleine Auszeit gönnt. Meiner Meinung nach braucht es mehr solcher Orte, und diesen Fokus wollen wir auch in Volketswil beibehalten.»
Ein holpriger Start
Der Brunch, diese Mischung aus «Zmörgele» und Mittagessen, soll auch in Volketswil das Standbein des SoSo-Cafés bleiben. «Wir haben verstanden, dass wir ein Produkt haben müssen, mit dem wir einzigartig sind.» Schloss bezieht sich damit auch auf die Kaffeebohnen, von denen ein zusätzlicher Betrag den Bauern in Kenia zugutekommt. So unterstützen sie die Bauern, damit diese Schulgelder bezahlen und Perspektiven schaffen können.
Dass es das Café selbst überhaupt noch gibt, ist keine Selbstverständlichkeit. 2021 wäre es beinahe in Konkurs gegangen. Gerade einmal eine Woche hatte das Geschäft nach seiner Premiere am 9. März 2020 geöffnet, als die Pandemie über die Schweiz hereinbrach und der Lockdown verhängt wurde.
Plötzlich stand das Herzensprojekt auf der Kippe. Und als der zweite Shutdown folgte, bangte Schloss endgültig um die Existenz des Cafés.
Finanzielle Unterstützung vom Bund gab es keine. Deshalb wurde die Inhaberin selbst tätig. Sie richtete ein Crowdfunding bei der Raiffeisenbank ein, mit dem sie 20’000 Franken sammeln wollte.
Das Crowdfunding – eine Erfolgsgeschichte
Das Geld hatte Schloss nach nur einem Tag zusammen. Damit konnte der reduzierte Betrieb für drei Monate gewährleistet werden. Damals wie heute ist sie überwältigt: «Uns wurde eine riesige Solidarität entgegengebracht. Es gab so viele grosszügige Menschen, die an uns geglaubt haben.» Noch heute kämen ab und an Gäste vorbei, die das Café damals mit einer Spende unterstützt hätten.
Der Ansatz für das Crowdfunding war dabei eher unkonventionell: Für eine Spende erhielt man zum Beispiel einen Brunch im Café oder eine gesponserte Stadtführung in Zürich.
Nadja Schloss erläutert die damalige Strategie. «Wir haben uns lange überlegt, ein Crowdfunding zu machen. Ich fand es einfach schön, den Leuten etwas zurückzugeben. Viele haben dadurch das Kafi erst kennengelernt.» Dass sie die Summe von 20’000 Franken so schnell zusammengehabt hätten, hätten sie auch einem Bericht im «Zürcher Oberländer» zu verdanken, erklärt Schloss.
Nach mehreren Monaten lief das Geschäft nach der Lockerung der Corona-Massnahmen wieder an. Seither hat sich das Café erholt und wirft sogar Gewinn ab. «Wir mussten viel hingeben, aber es ist auch viel zurückgekommen», sagt Schloss dankbar.
Die schwierigen Jahre geben ihr Zuversicht für den Neustart. «Es wird anspruchsvoll, dessen sind wir uns bewusst. Mit dem Tagesgeschäft fangen wir zum Beispiel wieder praktisch bei null an. Aber das ganze Wissen, das wir in den vergangenen sechs Jahren angesammelt haben, nehmen wir mit.»
Trotz allen Höhen und Tiefen blickt sie deshalb optimistisch in die Zukunft: «Wir sind dankbar, dass wir unser Projekt in Wetzikon starten durften.»