Wetziker Café steht vor dem Konkurs - jetzt bäumt es sich nochmals auf
Sie hatten so viel Hoffnung und Herzblut in dieses Café gesteckt, viel Leidenschaft, Zeit und Arbeit. Nun steht das Projekt von vier Menschen aus der Region kurz vor dem Aus. «Uns läuft die Zeit davon», sagt Nadja Schloss, eine der Geschäftsführerinnen. «Wir müssen bis am Freitag entscheiden, ob wir Mitarbeiter entlassen oder weiter beschäftigen.»
Die vier hatten das SoSo-Café am 9. März an der Guyer Zeller Strasse 6 in Wetzikon eröffnet – dort, wo zuvor das Café Retro einquartiert gewesen war. Schon seit zwölf Jahren engagiert sich Schloss mit ihrem Verein «SoSo-Kafi» für die Kaffeebauern in Kenia.
Praktikum in Kenia
«Im Rahmen meines Ethnologiestudiums machte ich damals ein Praktikum in einem kenianischen Dorf», erzählt die 35-Jährige. «Das Projekt, für das ich arbeiten sollte, fand aber nicht statt. Also gründete ich kurzerhand ein eigenes.»
«Wir hatten eine Woche offen, dann kam der Lockdown.»
Nadja Schloss, SoSo-Café
Der Verein sammelt in erster Linie Spendengelder, um die Kaffeebauern in Kenia zu unterstützen. Das war ihr und ihren Mitstreitern jedoch nicht genug, zumal die Kaffeepreise in sich zusammenfielen. «Wir überlegten uns, den Kaffee in die Schweiz zu importieren», erzählt sie. «Wir fanden den Gedanke schön, ihn hier in einem Café anbieten zu können.»
Eröffnung im März
Die Idee entstand im Sommer 2019, im Januar 2020 gründeten die vier eine GmbH und machten sich auf die Suche nach einem geeigneten Standort. Kurz darauf fanden sie ihn in Wetzikon. «Wir hätten nie gedacht, dass wir unsere Idee so schnell umsetzen könnten», sagt Schloss, die zu diesem Zeitpunkt in der Erwachsenenbildung tätig war. «Wir hatten mega Freude.»
Schloss gab ihren Job auf und machte im Februar zusammen mit ihren Kollegen verschiedene Barista-Ausbildungen. Am 9. März 2020 eröffneten sie das Soso-Café. «Wir hatten eine Woche offen, dann kam der Lockdown», erzählt sie. Damit hatten sie nicht gerechnet.
«Wir setzen darauf, dass wir im April wieder teilweise öffnen können.»
Nadja Schloss, SoSo-Café
Ende April eröffnete das Café erneut, als Take Away, Anfang Mai machte man normal wieder auf. «Ab Juni bis Mitte Oktober lief es richtig gut.» Man habe kostendeckend arbeiten und sich sogar einen Lohn auszahlen können. «Das hätten wir nicht erwartet im ersten Jahr.»
Keine Hilfe vom Staat
Doch ab Mitte Oktober sei es bergab gegangen. Dies sei vor allem den Corona-Massnahmen geschuldet gewesen. «Es war einfach nicht mehr lässig mit all diesen Auflagen, auch für die Gäste nicht.»
Mittlerweile steckt das Café wieder im Lockdown. Vom Staat gab es bis jetzt keinen Rappen. «Wir hatten auf die Härtefall-Klausel gehofft», sagt Nadja Schloss. «Doch es heisst, weil wir erst im März eröffneten, also im Januar und Februar noch keinen Umsatz vorweisen konnten, gebe es kein Geld.»
Sie könne das nicht nachvollziehen. «Wir haben genau die gleichen Kosten wie alle anderen Gastronomiebetriebe auch.» Auch Kurzarbeitsentschädigung habe sie für die sechs Mitarbeiter, die in kleinen Pensen und im Stundenlohn arbeiten, noch nicht erhalten. «Alle unsere Anträge werden aus immer wieder anderen Gründen abgelehnt. Das ist so frustrierend. Für kleine Unternehmen wie für uns hängt da so viel dran.»
Geldsammeln via Crowdfunding
Weil sie nicht mehr auf die Hilfe vom Staat warten will, versuchen die Café-Betreiber nun, via Crowdfunding der Raiffeisenbank Geld aufzutreiben. Je nach Spende erhält man Gegenleistungen wie einen Kaffee, Besuch vom Osterhasen oder sogar ein Abendessen für acht Personen.
Ziel sind 20’000 Franken. «Das sollte die Kosten für drei Monate abdecken – Miete, Mehrwersteuerrechnung, Sozialversicherungen und Löhne», sagt Schloss. «Wir setzen darauf, dass wir im April wieder teilweise öffnen können. Ist das nicht der Fall, wird es sehr schwierig für uns.»
