Atzmännig schreibt Millionengewinn – aber es gibt einen Haken
Neun Tage Winter
Die Sportbahnen Atzmännig AG hat 2025 einen Gewinn von gut einer Million Franken erwirtschaftet. Bergbahn-Chef Roger Meier ist trotzdem hässig.
Wintersport war im Atzmännig im Geschäftsjahr 2025 kaum möglich. Auf gerade mal neun (9!) Schneesporttage kommt man in den Wintermonaten Januar (5), Februar (2), März (0), November (2) und Dezember (0) im vergangenen Jahr. Man habe sich «über die Ziellinie gerettet», schreibt Geschäftsführer Roger Meier im Editorial zum Jahresbericht der kleinen Destination im Goldingertal.
«Zu 100 Prozent eigenfinanziert»
Und er wird dann sehr deutlich: «Noch immer sind wir ein Sorglospaket für die Gemeinde, den Kanton und deren Bevölkerung. Seit Bestehen sind wir zu 100 Prozent eigenfinanziert.» Noch nie habe man von der öffentlichen Hand Unterstützung bei der Finanzierung von Projekten oder Infrastruktur erhalten.
«Im Gegenteil, wir sorgen für eine hohe Wertschöpfung und leisten damit, neben Anschluss-, Konzessions-, Gastronomie-, Beherbergungs-, Veranstaltungs-, GVA-, SAK-, amtlichen Vermessungs-, Strassenkooperations-, ÖV- und weiteren kommunalen und kantonalen Abgaben und Gebühren sowie den Steuern, einen hohen Beitrag an den Fiskus und die Region.»
> > Lesen Sie hier das Interview mit Roger Meier, Geschäftsführer der Sportbahnen Atzmännig AG.
Der Frust über die letzten Jahre, die nicht nur witterungsbedingt anstrengend waren, trieft aus jeder Zeile des Bergbahn-Bosses. Als wäre die Klimaerwärmung für die Destination nicht schon herausfordernd genug, kommt auch das ambitionierte Generationenprojekt nicht vom Fleck und ist die unrechtmässige Räumung des Campingplatzes noch längst nicht verdaut.


2023 hatte Meier das Bauvorhaben im Atzmännig vorgestellt: Ein neues Betriebsgebäude im Tal, eine kombinierte Sessel- und Gondelbahn und eine neue Sommerrodelbahn sind geplant. Für 18 bis 20 Millionen Franken soll das Unternehmen langfristig als Ganzjahresdestination überlebensfähig gemacht werden.
Im idealen Fall würden die neuen Anlagen im Jahr 2026 stehen, meinte Meier vor drei Jahren. Fakt ist, dass bislang keine Schaufel Erde bewegt wurde. Produziert wurde nur Papier: ein Sondernutzungsplan, Verkehrs- und Mobilitätskonzepte, ein Umweltverträglichkeitsbericht – alles für ein Projekt, das eigentlich nichts weiter als eine Ersatzinvestition darstellt.
Dazu kam der Räumungsbefehl der Gemeinde Eschenbach SG für den Campingplatz am Goldingerbach. Er liege in einer Hochwassergefahrenzone, begründete der Gemeinderat seinen Entscheid. Bis Mai 2025 musste der grösste Teil der Stellplätze geräumt werden. Im Oktober 2025 kam das Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen zwar zum Schluss, dass die Räumung rechtswidrig war – aber zu diesem Zeitpunkt waren die rund 70 Dauermieter weg und mit ihnen die Mieteinnahmen.
Wie trotzdem ein Jahresgewinn zustande kam
Zu den Zahlen: 2025 war das fünfte Jahr in Folge, in dem im Atzmännig praktisch kein Winterbetrieb möglich war. Der Frühling und der Sommer brachten viele Ausflügler ins Goldingertal, doch der nasskalte Herbst – insbesondere während der Ferienzeit im Oktober – und deutlich gestiegene Personalkosten drückten aufs Ergebnis. Die Erträge sind leicht auf 4,67 Millionen Franken (+3 Prozent) gestiegen, liegen aber deutlich unter den Ergebnissen der Vorjahre. Das Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) liegt mit 28’000 Franken nur ganz knapp im Plus.
Während die Sportbahnen Atzmännig AG im Vorjahr einen Verlust von 233’000 Franken ausgewiesen hatte, steht in der Erfolgsrechnung für 2025 unter dem Strich ein Jahresgewinn von 1,012 Millionen. Doch die auf den ersten Blick erfreuliche Zahl schmückt ein zutiefst unerfreuliches Jahr. Der Gewinn kam nur durch den Verkauf eines Mehrfamilienhauses in Wald zustande. Dieser spülte 1,85 Millionen Franken in die Kasse.