Geht das Ringen um das GZO Spital in die nächste Verlängerung?
Neuer Investor
Hat da jemand das Wort Investor gesagt? Falls ja: Wie seriös ist die Aevis Victoria SA? Und wie geht es jetzt weiter?
Die Uhr tickt. Am 19. Juni endet die definitive Nachlassstundung, dank der sich die GZO AG vor ihren Gläubigern wegducken kann. Dann ist die ausstehende Obligationenanleihe fällig – oder vielmehr sie wäre fällig. Dass die Gläubiger ihre 170 Millionen Franken, die sie dem Regionalspital im Jahr 2014 geliehen hatten, vollumfänglich zurückbezahlt erhalten, daran glaubt niemand mehr.
> > Lesen Sie hier, was bisher in der Wetziker Spitalkrise passiert ist.
Doch auf wie viel werden sie bereit sein zu verzichten? Welche Rolle spielt der potenzielle Investor, der kurz vor dem Osterwochenende publik wurde? Und was passiert, wenn bis zum 19. Juni keine Lösung vorliegt?
Wer will ins GZO Spital investieren?
Bei den Investoren handelt es sich gemäss dem Finanzportal finews.ch unter anderem um die Aevis Victoria SA respektive ihre Tochtergesellschaft Swiss Medical Network Holding SA. Diese Information kann mittlerweile als gesichert betrachtet werden. Eine zweite, ausländische Gesellschaft soll ebenfalls involviert sein.
Die Offerte scheint seriös. Darauf deutet allein schon die Tatsache hin, dass die GZO AG und die Sachwalter das Angebot eingehend prüfen. Die Aevis Victoria, eine Beteiligungsgesellschaft mit Sitz in Freiburg, investiert in drei Bereiche: Gesundheit, Hospitality & Lifestyle sowie Infrastruktur. Dem Unternehmen gehören 70 Prozent der Schweizer Privatklinikgruppe Swiss Medical Network, und es hält eine Minderheitsbeteiligung an der Infracore SA, die auf Spital- und Gesundheitsinfrastruktur spezialisiert ist.
Ende März hat die Infracore die Liegenschaft und das Grundstück des See-Spitals Horgen übernommen. Das Horgener Spital war – wie das GZO Spital – wegen einer Anleihe in eine finanzielle Schräglage geraten: Es hatte 2018 eine Anleihe über 100 Millionen Franken ausgegeben, die am 3. Juli 2026 zur Rückzahlung fällig wird. Und wie in Wetzikon war das Fremdkapital zur Finanzierung eines Neubaus aufgenommen worden.
Spannend ist ein Blick in die Kennzahlen der Aevis Victoria SA, die am Donnerstag vor Ostern ihr Jahresergebnis 2025 veröffentlicht hat. Der Umsatz stieg um 14,3 Prozent auf 1,208 Milliarden Franken. Gleichzeitig wies die Gruppe einen Verlust von 25,6 Millionen Franken aus (2024: –8,3 Millionen).
Was sagt die GZO AG?
Fast nichts. Kommunikationschefin Nadine Wozny bestätigt lediglich den Eingang eines schriftlichen Angebots: «Dieses wird derzeit sorgfältig geprüft, während gleichzeitig die Arbeiten am bestehenden Sanierungsplan der GZO AG weitergeführt werden.»
Was sind die ersten Reaktionen zum Angebot?
Man sei über den Eingang eines Angebots im Bild, sagt Pascal Bassu (SP), Wetziker Stadtpräsident und Sprecher der Aktionärsgemeinden. Über den Absender schweigt sich Bassu aus, ebenso über den Inhalt. «Die Verantwortlichen der GZO AG und vor allem die beiden Sachwalter prüfen das Angebot. Salopp ausgedrückt, sind wir derzeit nur Mitfahrer.»
Eine klare Absage kommt von Bassus Partei. «SP Wetzikon wehrt sich gegen die drohende Privatisierung des GZO Spitals», schrieb sie als Überschrift über eine Medienmitteilung, die sie am Dienstag verschickt hat. «Mit der Privatisierung des GZO Spitals droht das Ende der regionalen Gesundheitsversorgung, und die Türen werden für die Bevölkerung grossteils geschlossen sein», warnt Saamel Lohrer, Co-Präsident der Wetziker SP.
Ein möglicher Verkauf der Immobilien kommt für die Genossen nicht infrage: «Ein Immobilienkonzern würde dann die maximal mögliche Rendite herauspressen.»
Was würde der Einstieg eines Investors bedeuten?
Das ist nach heutigem Kenntnisstand schwierig zu sagen. Selbstverständlich sucht man nach Analogien zum See-Spital in Horgen. Dort hat die Infracore SA die Immobilien erworben und vermietet sie langfristig ans See-Spital zurück, ein sogenanntes Sale-and-Lease-Back-Geschäft. Die Stiftung See-Spital ist weiterhin für den Betrieb zuständig. Ein Modell, bei dem das Anlagevermögen der GZO AG als Sicherheiten dient, ist auch in Wetzikon denkbar.
Die GZO Creditors Group, die vor knapp zwei Jahren 6,56 Prozent der Obligationen erstanden hat und sich temporär zum Wortführer der Anleihegläubiger aufschwang, hat im Sommer 2024 die Immobilien der GZO AG bewerten lassen: Sie kam damals auf einen Wert von Immobilien und Grundstück von rund 250 Millionen Franken.
Was ist ein Sale-and-Lease-Back-Geschäft?
Ein Unternehmen verkauft Anlagevermögen, beispielsweise eine Immobilie oder eine Maschine, an eine Leasinggesellschaft und mietet es gleichzeitig für eine festgelegte Dauer zurück. Das Unternehmen ist also gleichzeitig Verkäufer des Objekts und Mieter oder Leasingnehmer.
An einer solchen Transaktion, zu Deutsch Rückmietverkauf, ist nichts Anrüchiges. Durch die Transaktion verschafft sich der Verkäufer sofort liquide Mittel, die er für neue Investitionen, Wachstum oder zur Schuldentilgung nutzen kann.
Es gibt verschiedene Beispiele derartiger Geschäfte in der Schweiz. Das bekannteste ist der Üetlihof in Zürich. Die Credit Suisse (CS) beschäftigte in dem Bürokomplex einst 8500 Mitarbeitende. 2012 verkaufte die CS das Gebäude an einen norwegischen Staatsfonds und mietete es zurück.
Wie geht es jetzt weiter?
Auch das ist offen. Eigentlich war die Gläubigerversammlung für Mitte Mai vorgesehen. Dann sollten die Anleihegläubiger über den Sanierungsplan und den damit verbundenen Verzicht von 65 bis 70 Prozent ihres Gelds befinden. Mit dem Angebot von Aevis Victoria ist die Hoffnung verbunden, dass sie eine höhere Nachlassdividende erhalten werden.
Es ist gut möglich, dass die Versammlung jetzt verschoben wird, um der GZO AG und den Sachwaltern mehr Zeit zu verschaffen, das Angebot sorgfältig zu prüfen. «Wir werden die Gläubiger über diesen Prozess und die geplante Gläubigerversammlung zeitnah informieren», heisst es seitens der Sachwalter.
Gemäss dem Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs (SchKG) muss die Einladung zur Gläubigerversammlung mindestens einen Monat vor der Versammlung erfolgen. Für Mitte Mai wird das schon mal sehr knapp.
Noch bleibt etwas Spielraum. Eine definitive Nachlassstundung darf maximal 24 Monate dauern. Sie könnte also ein letztes Mal um sechs Monate bis zum 19. Dezember verlängert werden. Ein solches Szenario sei durchaus realistisch, heisst es aus verschiedenen Quellen. Dann aber müssen die Karten auf den Tisch. Definitiv.