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Raiffeisenbank Zürcher Oberland überrascht mit kräftigem Wachstum

7,4 Prozent mehr Hypothekarkredite und 6,9 Prozent mehr Kundengelder. Die Raiffeisenbank Zürcher Oberland ist 2025 gewachsen.

Raiffeisenbank Zürcher Oberland überrascht mit kräftigem Wachstum

Mehr Kundengelder, mehr Hypotheken

7,4 Prozent mehr Hypothekarkredite und 6,9 Prozent mehr Kundengelder. Die Raiffeisenbank Zürcher Oberland ist 2025 gewachsen.

2025 wurden in der Schweiz die sogenannten Basel-III-Regeln eingeführt. Diese verlangen von den Geschäftsbanken, vereinfacht gesagt, mehr Eigenkapital, mehr Liquidität und mehr Vorsicht bei der Vergabe von Krediten. Die Neuerungen sollen das Risiko von Bankenpleiten senken und das Vertrauen in das Finanzsystem stärken.

Für die Regionalbanken (nicht nur) im Oberland hat dies zur Folge, dass die Vergabe von Hypothekardarlehen schwieriger wird. Je nach Höhe der Belehnung einer Immobilie müssen sie mehr Eigenkapital hinterlegen. Dies führt zu strengeren Kreditvergaben und potenziell höheren Zinsen für Kreditnehmer.

Vor diesem Hintergrund sind die am Freitag publizierten 2025er-Zahlen der Raiffeisenbank Zürcher Oberland zumindest erstaunlich: Die Hypothekarforderungen erhöhten sich um 123 Millionen Franken (+7,4 %) auf insgesamt 1,791 Milliarden Franken. Auf der Passivseite stiegen die Kundeneinlagen um 125 Millionen Franken (+6,9 %) auf 1,932 Milliarden.

Entsprechend erhöhte sich auch die Bilanzsumme um 6,6 Prozent auf 2,197 Milliarden Franken. Damit unterscheiden sich die Jahreszahlen deutlich von jenen der Konkurrentinnen Bank Avera und Bank BSU, die ihre Gewinne 2025 steigern konnten, aber jeweils einen leichten Rückgang bei den Hypothekarkrediten und folglich bei der Bilanzsumme auswiesen.

Obwohl die Raiffeisenbank Zürcher Oberland 2025 so viele Hypothekarkredite vergeben hat wie noch nie, sank ihr Erfolg im Zinsgeschäft von 20,62 auf 18,86 Millionen Franken (–8,6 %). Seit Juni 2025 liegen die Leitzinsen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) bei null Prozent. Für die Geschäftsbanken hat das zur Konsequenz, dass ihre Margen geschrumpft sind.

Tieferer Geschäftsertrag, aber höhere Kosten

Der Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft konnte mit 5,03 Millionen Franken (+15,1 %) deutlich gesteigert werden, allerdings machte dieses Wachstum nur einen Teil des Rückgangs im Zinsgeschäft wett. Insgesamt resultierte ein um 6,5 Prozent tieferer Geschäftsertrag von 25,5 Millionen Franken (Vorjahr: 27,3 Mio.).

Auf der Kostenseite sind im vergangenen Jahr sowohl die Personalkosten als auch der Sachaufwand gestiegen. Der Geschäftsaufwand erhöhte sich auf 17,2 Millionen Franken (+6,2 %). Der Erfolg aus der geschäftlichen Tätigkeit beträgt 7,3 Millionen Franken, fast ein Viertel weniger als im Vorjahr.

Unter dem Strich erwirtschaftete die Raiffeisenbank Zürcher Oberland einen Jahresgewinn in Höhe von 2,55 Millionen Franken. Das sind 21,4 Prozent weniger als 2024. «Der Jahresgewinn fällt zwar tiefer aus als im Vorjahr, bleibt aber weiterhin auf einem guten Niveau», erteilt sich die Bank dennoch gute Zensuren.

Trotz dem eher schwierigen Marktumfeld mit anhaltend tiefen Zinsen und geopolitischen Unsicherheiten blickt die Raiffeisenbank Zürcher Oberland vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Für das Jahr 2026 erwartet die Bank «ein erneut gutes Geschäftsergebnis, mit Potenzial für eine leichte Zunahme im Zinsengeschäft und weiteren Erfolgen im Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft».

«Das Wachstum hängt auch mit dem Wegfall der Credit Suisse zusammen»

Herr Studer, seit 2025 müssen Banken für Hypotheken mehr Eigenmittel hinterlegen. Trotzdem hat Raiffeisen Zürcher Oberland die Hypothekarausleihungen um satte 7,4 Prozent gesteigert. Wie ist das gelungen?

Lars Studer, Vorsitzender der Geschäftsleitung Raiffeisenbank Zürcher Oberland: Grundsätzlich möchten wir ungefähr auf Marktniveau wachsen. Das Zürcher Oberland ist als Wohnregion sehr attraktiv. Entsprechend hat sich das Wohnangebot und somit auch die Nachfrage nach Hypothekarfinanzierungen in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Das aktuelle Wachstum ist aber auch im Kontext mit dem Wegfall der Credit Suisse zu betrachten, insbesondere im Firmenkundengeschäft.

Auf der anderen Seite der Bilanz haben auch die Kundeneinlagen um 6,9 Prozent zugenommen. Ist das sinnvoll, dass Ihre Kunden ihr Geld auf Konti parkieren, die fast keinen Zins mehr abwerfen?

Das starke Wachstum der Kundeneinlagen ist für uns ein Zeichen, dass wir das Vertrauen unserer Kundinnen und Kunden geniessen. Das heisst aber nicht, dass alles Geld auf den Konti liegen bleibt. Unser Depotvolumen ist im gleichen Zeitraum um 16 Prozent angestiegen. Davon ist ein wesentlicher Teil auf Neugeldzuflüsse in unseren Anlagelösungen zurückzuführen. Insbesondere unsere Vermögensverwaltungsmandate erfreuen sich grosser Beliebtheit. Ob eine Kundin oder ein Kunde das Vermögen auf einem Konto belässt oder lieber anlegt, ist abhängig von verschiedenen Faktoren, wie beispielsweise dem Alter, der persönlichen Risikofähigkeit und Risikobereitschaft sowie den individuellen Sparzielen.

Auffällig ist der starke Anstieg der sogenannten Cost-Income-Ratio um fast 10 Prozentpunkte. Das heisst, Sie haben letztes Jahr weniger rentabel gearbeitet. Woran lag das?

Wir haben im vergangenen Jahr in den Personalausbau und die Beratung investiert. Höhere Kosten ergaben sich ausserdem durch die verschiedenen Aktivitäten im Rahmen des 125-Jahr-Jubiläums von Raiffeisen. Gleichzeitig lagen die Erträge im Zinsengeschäft aufgrund der Zinsentwicklung erwartungsgemäss klar unter dem Vorjahr. Diese Kombination hat zu einem temporär recht deutlichen Anstieg der Cost-Income-Ratio geführt, den wir aber zu einem grossen Teil bewusst in Kauf genommen haben.

Ist davon auszugehen, dass sich dieses Verhältnis zwischen Kosten und Ertrag 2026 wieder verbessert?

Für 2026 streben wir eine Verbesserung der Cost-Income-Ratio an. Dazu beitragen soll einerseits die Steigerung der Erträge, insbesondere durch die Stärkung des Vorsorge- und Anlagegeschäfts, und andererseits überprüfen wir auch die Kosten regelmässig.

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