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Wirtschaft

Raiffeisen Zürcher Oberland wächst, aber verdient weniger

Die Regionalbanken spüren die sinkenden Zinsen. In einem anspruchsvollen Umfeld erzielt die Raiffeisenbank Zürcher Oberland ein grundsolides Ergebnis.

Lars Studer leitet die Raiffeisenbank Zürcher Oberland mit Hauptsitz in Uster seit 2018. (Archiv)

Foto: Simon Grässle

Raiffeisen Zürcher Oberland wächst, aber verdient weniger

Zweitbestes Ergebnis der Geschichte

Die Raiffeisenbank Zürcher Oberland weist erstmals in einem Jahresabschluss eine Bilanzsumme von mehr als 2 Milliarden aus. Aber sie verdient weniger im Zinsgeschäft.

3,25 Millionen Franken hat die Raiffeisenbank Zürcher Oberland als Jahresgewinn 2024 erwirtschaftet. Das ist ein Minus von 14,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Doch der kleinere Gewinn ist weder eine Überraschung, noch steht die Genossenschaftsbank mit Sitz in Uster damit allein da.

Seit März 2024 hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Leitzinsen insgesamt viermal von 1,75 auf aktuell 0,5 Prozent gesenkt. Für die Banken bedeutet dies, dass der Spielraum, mit dem sie im Zinsdifferenzgeschäft Geld verdienen können, immer enger wird.

80 Prozent der Bilanzsumme sind Hypotheken

Für ein Finanzinstitut wie die Raiffeisenbank Zürcher Oberland hat das zur Folge, dass ihr Geschäftserfolg im Kerngeschäft schmilzt. Hypothekarforderungen machen 80 Prozent der Bilanzsumme der Bank aus. Sie lebt zu grossen Teilen in und von der Lücke zwischen den Schuldzinsen, die sie von ihren Hypothekarschuldnern kassiert, und den Guthabenzinsen, die sie ihren Sparern auszahlt. Damit endet dieser kurze theoretische Exkurs, vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Der Jahresgewinn, den die Raiffeisenbank in einem anspruchsvollen Umfeld erzielt hat, ist trotz dem Minus im Vergleich zum Rekordjahr 2023 immer noch der zweithöchste Gewinn, den die Bank mit ihren 75 Mitarbeitenden an fünf Standorten jemals erreicht hat.

Zum guten Ergebnis beigetragen haben hauptsächlich das Zins- und Hypothekargeschäft sowie das Anlagegeschäft. Das Hypothekarvolumen ist um 4,9 Prozent auf 1,668 Milliarden Franken gestiegen. Die Kundeneinlagen stiegen in etwas geringerem Umfang (+2,8 Prozent) auf 1,807 Milliarden. Die Summe dieser für eine Hypothekarbank sehr gesunden Bilanz liegt erstmals über der 2-Milliarden-Grenze: Sie wuchs um 3,1 Prozent auf 2,060 Milliarden Franken.

Um 15 Millionen oder 20 Prozent auf gut 91 Millionen Franken angewachsen ist das Eigenkapital der Bank: Die Genossenschafter haben 2024 neue Genossenschaftsscheine im Umfang von fast 10 Millionen Franken gezeichnet, der Rest sind neu gebildete Reserven.

Um 12,7 Prozent gestiegen ist das Depotvolumen. Einerseits scheinen die Kundinnen und Kunden der Beratungskompetenz ihre Bankberater zu vertrauen, andererseits erreichten die Aktienkurse im Jahr 2024 weltweit neue Höchststände und liessen die Depotvermögen anschwellen.

Mehr Gewinn mit den Gebühren

Diese Entwicklung führte bei der Raiffeisenbank Zürcher Oberland zu einem deutlich höheren Bruttogewinn im Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft. Was der Kunde schlicht als «Gebühren» bezeichnet, wuchs 2024 um 18,5 Prozent auf 4,37 Millionen Franken. Und da auch der Erfolg aus dem Handelsgeschäft um 8,6 Prozent auf 1,36 Millionen anstieg, konnte die Bank die Einbussen aus dem Zinsgeschäft (20,62 Millionen/–12,1 Prozent) zu grossen Teilen kompensieren.

Insgesamt erzielte die Raiffeisenbank Zürcher Oberland im Jahr 2024 aus ihrer Geschäftstätigkeit einen Ertrag von 27,28 Millionen Franken (Vorjahr: 28,91 Millionen).

Deutlich gestiegen sind die Kosten. Die Entwicklung liege «im Rahmen der Erwartungen», schreibt die Bank. Sie hat im vergangenen Jahr vier weitere Mitarbeitende eingestellt. Zudem habe es «Anpassungen bei der gruppeninternen Leistungsverrechnung» gegeben. Das heisst, dass die einzelnen Raiffeisenbanken mehr an Raiffeisen Schweiz abliefern müssen.

Mit Blick auf das laufende Jahr schreibt Raiffeisen aufgrund der aktuellen Konjunkturlage und der geopolitischen Unsicherheiten von einem «herausfordernden Marktumfeld». Man rechne dennoch mit einer soliden Geschäftsentwicklung.

Lars Studer: «Unsere Zinserträge werden weiter sinken»

Herr Studer, die Zinsmargen der Banken werden enger, was sich auf die Resultate niederschlägt. Wie zufrieden sind Sie mit 2024?

Lars Studer, Vorsitzender der Bankleitung Raiffeisenbank Zürcher Oberland: Wir sind sehr zufrieden. Wir sind weitergewachsen, sowohl bei den Hypotheken als auch bei den Kundengeldern, und haben dank einem höheren Volumen einen Teil des Ertragsrückgangs kompensieren können. Das Wachstum zeigt uns, dass wir mit unseren Konditionen bei den Hypotheken und bei den Konti gut positioniert sind.

Die Nationalbank dürfte die Zinsen in diesem Jahr erneut senken. Rechnen Sie mit weiter schwindenden Zinserträgen Ihrer Bank?

Gerade aktuell ist bei den Festhypotheken eher wieder eine Gegentendenz zum Sinkflug der letzten Monate erkennbar. Ich rechne dennoch für diesen März nochmals mit einer Senkung des Leitzinssatzes um 0,25 Prozent. Und ja, das wird unsere Zinserträge nochmals reduzieren.

Auffällig an der Erfolgsrechnung Ihrer Bank ist eine markante Steigerung von 19 Prozent beim Sachaufwand. Wie lässt sich das erklären?

Raiffeisen Schweiz hat erneut massgeblich in die Digitalisierung und die Beratung investiert, unter anderem in den Ausbau des digitalen Kundenzugangs durch eine neue App. Daneben fungiert Raiffeisen Schweiz als Kompetenzzentrum für die gesamte Gruppe. Sie übernimmt für die 218 Raiffeisenbanken in der Schweiz die Funktion einer Zentralbank, sie unterstützt uns in den Bereichen Führung, Marketing, Informatik, Ausbildung, Personal und Recht. Diese Dienstleistungen werden den Raiffeisenbanken intern in Rechnung gestellt. Aufgrund unseres Wachstums in den letzten Jahren und unserer deutlich höheren Bilanzsumme bezahlen wir hier einen höheren Betrag. Zudem beziehen wir auch vermehrt individuelle Leistungen von Raiffeisen Schweiz, die uns ergänzend dazu direkt verrechnet werden.


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