Bank Avera steigert ihren Gewinn trotz schwierigem Umfeld
Grenzen des Wachstums
Es sind keine einfachen Zeiten für Banken, die vor allem vom Geschäft mit den Zinsen leben. Trotzdem blickt die Bank Avera auf ein sehr erfolgreiches Jahr 2025 zurück.
Die Bank Avera konnte im Geschäftsjahr 2025 den Geschäftsertrag steigern und gleichzeitig den Aufwand leicht reduzieren. Unter dem Strich weist die grösste Zürcher Regionalbank mit Hauptsitz in Wetzikon einen Reingewinn von 10,25 Millionen Franken aus (+28,7 Prozent).
Damit hat sie ihren Rekordgewinn aus dem Jahr 2023 leicht übertroffen. Das ist keine Selbstverständlichkeit in einem Jahr, das von einer verhaltenen Konjunktur und rückläufigen Zinsen geprägt war.
Zinsertrag sinkt, Kommissionserträge steigen
Der Leitzins der Schweizerischen Nationalbank (SNB) liegt seit Juni 2025 wieder bei 0 Prozent. Für Hypothekarinstitute wie die Bank Avera ist das ein Problem: Sie verdienen ihr Geld hauptsächlich mit der Differenz zwischen dem Zins, den sie für Kredite verlangen, und dem Zins, den sie den Sparern zahlen. Bei einem Leitzins von 0 Prozent wird die Marge für die Banken sehr dünn.
Gleichzeitig fällt die SNB als Anlagemöglichkeit der Geschäftsbanken weg: Wenn sie ihre überschüssige Liquidität bei der Nationalbank «parkieren», erhalten sie vielleicht noch einen warmen Händedruck und eine Zahlungseingangsbestätigung, aber sicher keinen Zins mehr.
Um von diesem kurzen theoretischen Exkurs zurück zur Bank Avera zu kommen: Wie erwartet sank ihr Erfolg aus dem Zinsengeschäft im vergangenen Jahr. Mit einem Rückgang von nur rund 800’000 Franken auf 48,3 Millionen fiel er jedoch weniger stark aus als erwartet.
Gleichzeitig stiegen die verwalteten Depotvermögen um 228,3 Millionen Franken oder 17,7 Prozent auf 1,52 Milliarden. Getragen wurde diese Entwicklung von Neugeldzuflüssen, also von Anlegern, die ihr Geld zur Anlage der Bank Avera anvertrauten, und den boomenden Börsen.
Diversifikationsstrategie zeigt Wirkung
Als Folge davon stieg der Kommissionsertrag aus dem Wertschriften- und Anlagegeschäft um 18,9 Prozent auf 9,61 Millionen Franken. In Wetzikon hatte man in den letzten Jahren grosse Anstrengungen unternommen, das Geschäftsmodell zu diversifizieren und die Abhängigkeit vom Zinsdifferenzgeschäft zu verringern. Diese Strategie zeigt offensichtlich Wirkung.
«Das starke Wachstum der verwalteten Vermögen zeigt, dass uns unsere Kundinnen und Kunden auch 2025 ihr Vertrauen geschenkt haben. Gleichzeitig haben wir unsere Kostenbasis nachhaltig verbessert und unsere Kapitalstärke weiter erhöht», wird André Wegmann, Vorsitzender der Geschäftsleitung, in der Medienmitteilung zitiert.
Der Aufwand konnte leicht reduziert werden. Hier spielte vor allem die Migration der Banken-Software zur Swisscom als neuem Provider eine Rolle. Zugenommen hat der Personalaufwand. Einerseits hat die Bank Avera in die Weiterentwicklung der Mitarbeitenden investiert. Andererseits durften sich diese über einen Teuerungsausgleich freuen.
Grenzen des Wachstums
Die Bilanzsumme sank leicht um 144,71 Millionen (–2,7 Prozent) auf 5,21 Milliarden Franken, nachdem sie sich in den letzten 15 Jahren verdoppelt hatte. Als Genossenschaftsbank kann die Avera nur aus eigener Kraft wachsen, indem sie Gewinne erwirtschaftet und damit das Eigenkapital stärkt. Dass das gelingt, zeigt die Erhöhung des Kernkapitals um 18,35 auf 394,02 Millionen Franken und der Eigenkapitalquote von 7,0 auf 7,6 Prozent.
Dennoch zwingt das beschränkte Wachstum des Eigenkapitals die Bank, ihre Hypothekarkredite selektiver zu vergeben. Nach Jahren des konstanten Wachstums scheint das Wetziker Finanzinstitut an seine Grenzen zu stossen.