Jungunternehmer aus Dürnten biegen auf Wachstumspfad ab
Ein Start-up wird erwachsen
Mit künstlicher Intelligenz erleichtert die Next Business AG vielen kleinen Unternehmern das Leben. Jetzt will das Dürntner Start-up wachsen und sucht Geldgeber.
Vorbei sind die Zeiten, als das Team von Next Business seine Sitzungen im Bistro Stellwerk beim Bahnhof Bubikon abhalten musste, weil das angemietete Büro in Dürnten zu klein war. Heute residieren die Jungunternehmer um die beiden Gründer Stefan Wittwer (25) und Raksmey Oum (26) in einem für ein erfolgreiches Start-up in der IT-Branche sehr passenden Ambiente gleich beim Flughafen Zürich.
Die junge Firma ist in «The Circle» eingemietet und teilt sich mit anderen Unternehmen einen Co-Working-Space. Im repräsentativen Neubau gibt es nicht nur eine chice Cafeteria im Erdgeschoss, sondern auch offene Bürolandschaften, Besprechungszimmer in jeder Grösse, kuschelige Sitzecken, sogar einen Meditationsraum und Schlafkojen als Rückzugsmöglichkeiten.
Der im Handelsregister eingetragene Firmensitz der Next Business AG ist immer noch Dürnten, wo die früheren Schüler der Kanti Wetzikon vor einigen Jahren begonnen hatten, eine Buchhaltungssoftware für Kleinunternehmer zu programmieren. «Infinity» nannten sie ihr Produkt. Als «Buchhaltung für Menschen, die Buchhaltung hassen» bezeichnet CEO Wittwer die Software.
Das Büro in Kloten und der Briefkasten im Oberland sind eine Herausforderung für die Oberländer. «Glücklicherweise ist mein Fitnesscenter in Dürnten im selben Haus», sagt Oum mit einem Lachen. Der 26-Jährige ist nicht nur für Geschäftsentwicklung und Wachstum verantwortlich, sondern auch für die regelmässige Leerung des Briefkastens. Ein Umzug der AG nach Zürich ist angedacht.
Aktienkapital soll um 15 Prozent erhöht werden
Vorerst allerdings steht keine geografische, sondern eine finanzielle Veränderung im Zentrum des Bestrebens: Das Start-up will wachsen und braucht dafür Geld. Erstmals in der noch jungen Firmengeschichte sucht die Next Business AG deshalb im grösseren Stil externe Geldgeber. Um 15 Prozent soll das nominelle Aktienkapital erhöht werden.
Die künstliche Intelligenz verändert ganze Berufszweige in rasendem Tempo. Das gilt insbesondere für repetitive oder standardisierte Arbeiten wie Buchhaltung. 2022 hatten Wittwer und Oum ihre KI-basierte Software «infinity.swiss» als Finanzbuchhaltung lanciert. Anfang des nächsten Jahrs kommt eine wichtige Erweiterung dazu: eine in der Software integrierte Lohnbuchhaltung.
Eine neue Zielgruppe
Diese Erweiterung ist der Hauptgrund, wieso Next Business jetzt frisches Geld braucht. Die Integration der Lohnbuchhaltung hat das Interesse einer neuen Kundengruppe geweckt: kleine und mittlere Unternehmen. «Bislang bestanden unsere Kunden zu 40 Prozent aus Einzelunternehmern und zu weiteren 40 Prozent aus Mikrounternehmen mit ein paar wenigen Mitarbeitenden», erklärt Oum.
99 Prozent der Schweizer Unternehmen zählen zur Kategorie der KMU, 98 Prozent oder 614’500 Unternehmen beschäftigen 50 oder weniger Mitarbeitende. Bereits in den letzten Monaten wuchs die Zahl der Kunden von «infinity.swiss» stark an.
«Wir haben fünfmal mehr Kunden als Anfang Jahr und machen viermal mehr Umsatz», rechnet Wittwer vor. Exakte Zahlen nennt er nicht, aber er geht davon aus, dass der Einbau der Lohnbuchhaltung das Wachstum weiter beschleunigen wird.

Bislang wurden die Betriebsgewinne umgehend wieder in das Unternehmen investiert. «Bootstrapping» nennt sich diese Praxis, ein Unternehmen mit eigenen Ressourcen zu gründen und auszubauen, statt auf externe Finanzierung wie Risikokapital oder Kredite zurückzugreifen.
Doch mit dem starken Wachstum stösst diese Strategie an Grenzen. Die grösste Herausforderung ist der Support der Kunden. «Uns ist es wichtig, dass wir nahe an den Kunden sind», sagt Oum. «Sie werden bei Fragen oder Problemen direkt von uns betreut, nicht von irgendeinem Callcenter.» Um diese Kundennähe nicht aufs Spiel zu setzen, habe man das Wachstum in diesem Jahr bewusst gebremst.
Das soll sich 2026 ändern, sagt Wittwer: «Das Produkt steht. Jetzt skalieren wir.» Und das bedingt einen Ausbau des Personals: Aktuell beschäftigt das Start-up elf Festangestellte, die meisten in Teilpensen. Diese sollen in Vollzeitstellen umgewandelt werden.
Wachsen will Next Business auch geografisch. Die Software wird französische, italienische und englische Sprachadaptionen erhalten.
Und als dritter Fokus soll «Infinity» ein Marktplatz für Dienstleistungen im Bereich Treuhand, Revision und Steuerberatung werden. «Die Branche ist intransparent, was die Qualität, aber auch den Preis betrifft», erklärt Wittwer. «Bei uns findet man mit wenigen Klicks einen geeigneten, vertrauenswürdigen Treuhänder.» 14 Treuhänder aus der ganzen Deutschschweiz sind derzeit auf der Plattform zu finden. Sie alle würden die Vision von «Infinity» teilen und dank ihrer Expertise den Aufwand auf Kundenseite auf ein Minimum reduzieren, verspricht die Website.
«Das Timing stimmt»
Ein einstelliger Millionenbetrag soll in dieser Finanzierungsrunde in die junge Firma fliessen. Für Wittwer und Oum steht ausser Frage, dass dies gelingen wird. Die Kombination von Software und künstlicher Intelligenz mache die Firma und ihr Produkt attraktiv für potenzielle Geldgeber, bekräftigen die beiden ehemaligen Schulkameraden und heutigen Geschäftspartner.
Institutionelle Anleger, private Investoren, aber auch Unternehmen, die gezielt in erfolgversprechende Start-ups investieren, hätten Interesse signalisiert. «Die Gespräche mit potenziellen Geldgebern laufen. Das Timing stimmt», sagt Wittwer. Das bestehende Aktienkapital soll um 15 Prozent erhöht werden. Damit wird das Gründerteam um Wittwer und Oum auch nach der Kapitalerhöhung das Sagen in ihrer Firma haben.
Und bevor Sie jetzt den Taschenrechner zücken: Wenn diese 15 Prozent nur schon einen tiefen einstelligen Millionenbetrag ausmachen, bedeutet das, dass das Dürntner Start-up mindestens 20 Millionen Franken wert ist.
