«Ochsen» in Uster wieder offen – der Neue ist ein alter Bekannter
Rückkehr
Nach drei Monaten Umbau empfängt der «Ochsen» in Uster wieder Gäste. Für Pächter Fabio Botta ist es eine Rückkehr.
«Ich habe lange nach einem schönen Restaurant in Uster gesucht», sagt Fabio Botta und lehnt sich an die aufgefrischte Bar neben dem komplett neu möblierten Restaurant. Auch das Stübli erstrahlt mit einem neuen Anstrich. «Willkommen im neuen ‹Ochsen›» prangt als Schriftzug an der Wand.
Drei Monate lang war das Traditionsrestaurant an der Zentralstrasse in Uster geschlossen, nachdem die Vorbesitzer Urs und Jörg Badertscher ihren Familienbetrieb an die Bereuter-Gruppe mit Sitz in Volketswil verkauft hatten. Die Zeit wurde genutzt, um das in die Jahre gekommene Mobiliar und die Gerätschaften in der Küche zu erneuern.





Für Fabio Botta ist der neue «Ochsen» eine Rückkehr. Ins Oberland war der gebürtige Tessiner im Jahr 1998 gekommen, als er im Ustermer Ableger der «Molino»-Restaurantkette die Geschäftsführung übernahm. Nach einem Abstecher ins «Molino» am Stauffacher in Zürich (2000 bis 2003) wirkte er bis 2018 in der «Post da Fabio» und machte die Pizzeria zu einer beliebten Adresse im Zentrum von Uster.
Weil das Haus an der Poststrasse komplett saniert wurde, musste er nach 15 Jahren ausziehen – er tat dies schweren Herzens. Doch man hat ihn in Uster anscheinend nicht vergessen. «Die Gäste der ‹Post› kommen wieder», sagt Botta und strahlt. Ebenfalls wieder da ist sein langjähriger Kellner Filippo. Das Duo hatte sich 1998 im «Molino» kennen- und schätzen gelernt. «Wir sind ein eingespieltes Team», sagt Botta.

Mehrmals springt Botta während des Gesprächs auf, weil das Telefon klingelt, und blättert im Reservierungsbuch: «Drei Personen am 14. November? Um welche Zeit? (…) Ja, das passt. Ich freue mich! Bis bald.» Obwohl der «Ochsen» erst seit dem 3. November geöffnet hat, kennt Botta viele Namen der Anrufenden.
Nach dem unfreiwilligen Auszug aus der «Post» blieb der Vollblutgastronom in der Region und übernahm 2019 das «Bahnhöfli» in Grüningen. Dort bietet er klassische italienische Küche an, im Zentrum stehen Pizza und Pasta, ergänzt mit weiteren Evergreens aus unserem südlichen Nachbarland: «Eigentlich ist es eine Kopie der damaligen ‹Post› in Uster.»
«Gutbürgerlich, mit italienischem Touch»
Das wird der «Ochsen» nicht sein. Zwar stehen auch hier Klassiker wie Ossobuco alla milanese (Kalbshaxe) oder Fegato alla veneziana (Kalbsleber) auf der Karte, und Adriano Celentano wacht mit ernstem Blick über den Speisesaal; aber auch Zürcher Geschnetzeltes oder Rindsfiletwürfel Stroganoff mit hausgemachten Spätzli stehen zur Auswahl.
Pizza gibt es nicht, für einen Pizzaofen ist die Küche zu klein. Die Karte ist kompakt, die Speisen sind frisch und die Zutaten nach Möglichkeit regional. «Gutbürgerlich, mit einem italienischen Touch» nennt Botta die Küche.
«Gutbürgerlich» war sie schon unter seinen Vorgängern Urs und Jörg Badertscher. Mangels einer geeigneten familieninternen Nachfolge hatten die Brüder den Familienbetrieb Anfang Jahr an Marco Bereuter verkauft. Der Bauunternehmer ist seit 2016 auch Hotelier, er besitzt die Businesshotels Tilia in Uster und Rubus in Effretikon. Die in die Jahre gekommenen Zimmer im «Ochsen» will Bereuter ab kommendem Januar renovieren.
«Ein Pächter mit langfristiger Perspektive»
Bereuters Interesse gilt auch den alten Nebengebäuden hinter dem Hotel und dem Restaurant mit seiner denkmalgeschützten Fassade. An ihrer Stelle sollen in naher Zukunft Wohnungen entstehen: «Wir sind mit der Stadt und dem Kanton in Gesprächen über die Bebaubarkeit der Parzelle.»

Mit dem Kauf durch die Bereuter-Gruppe wurde die Hotellerie von der Gastronomie getrennt: Das Hotel mit 23 Zimmern ist organisatorisch den Hotels Tilia und Rubus angegliedert, für das Restaurant hatte Bereuter einen Pächter mit «langfristiger Perspektive» gesucht. Den scheint er mit Fabio Botta gefunden zu haben. «Mein Zeithorizont ist meine Pensionierung», sagt der 52-jährige Beizer, der den «Ochsen» parallel zum «Bahnhöfli» in Grüningen führen wird.
Wie weiter mit dem «Bahnhöfli»?
Ob er auch das «Bahnhöfli da Fabio» bis zu seiner Pensionierung behält, ist aber fraglich. Denn über dem Lokal schwebt ein Schatten: Die geplante Umfahrung inklusive Calatrava-Brücke, die das Stedtli dereinst vom Durchgangsverkehr entlasten soll, würde nur wenige Meter vom «Bahnhöfli» entfernt gebaut. «Ob ich mir zwei oder drei Jahre Bauarbeiten antun will, das weiss ich nicht …», sagt Botta.
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