Der Skilift Oberholz-Farner in Wald kämpft ums Überleben
Immer weniger Schnee, immer weniger Betriebstage: Auch für den Skilift Oberholz-Farner unterhalb des Guntlibergs ist das ein Problem. Eine Interessengemeinschaft hofft auf eine wegweisende Gemeindeversammlung.
1954 gründeten ein paar Gewerbetreibende gemeinsam die Skilift AG Oberholz-Farner, bauten einen Lift und nahmen ihn noch im selben Jahr in Betrieb. 40 Jahre später blieben optimale Schneeverhältnisse immer häufiger aus. Der Lift überlebte seit den 1990er Jahren nur noch dank einiger Idealisten.
Situationsbedingt müssten Skiliftbetreiber inzwischen statt «I’m Dreaming of a White Christmas» eher «I’m Dreaming of a White Winter» singen. Wie es im kommenden Winter um den Schnee stehen wird, ist noch nicht vorherzusehen. Es darf aber angenommen werden, dass die glorreichen Schneewinter mit Blick auf die schmelzenden Gletscher in Bergregionen auch im Oberland grösstenteils der Vergangenheit angehören.
Mit diesem Umstand haben die Skilifte in der Region bereits länger zu kämpfen. Darunter die Skilift AG Oberholz-Farner, deren künftige Existenz 71 Jahre nach der Inbetriebnahme des Skilifts in den Sternen steht. Um das kleine Skigebiet nicht opfern zu müssen, träumt die Interessengemeinschaft Skilift Oberholz-Farner mit ihren 140 Mitgliedern von einer alternativen Ganzjahresnutzung.
Gemeinde wiegelt ab
Dass sich die kleine AG nicht erst seit gestern um ihre Zukunft sorgt, liegt auf der Hand. Abgesehen von der Saison 2020/2021 waren die vergangenen Winter schneearm. In den letzten Jahren konnte der Lift jeweils über den gesamten Winter nur an einzelnen Tagen betrieben werden. Und auch im ersten, doch relativ schneereichen Corona-Winter war er nur gerade 21 Tage geöffnet.

Also fragte die Aktiengesellschaft die Gemeinde Wald im letzten Jahr kurzerhand an, ob sie Mehrheitsaktionärin werden wolle und somit zur Besitzerin des Skilifts werden würde, wie sie es schon bei anderen Sportanlagen sei.
Der Gemeinderat lehnte aber ab und meinte, die Interessengemeinschaft (IG) solle doch ein Unterstützungsgesuch für eine jährlich wiederkehrende Finanzspritze über 10’000 Franken an die Gemeinde stellen. Vor Kurzem lehnte der Gemeinderat ebendieses von ihm selbst vorgeschlagene Gesuch ab.
Kaum Perspektive?
Begründet wurde der negative Bescheid vom Gemeindepräsidenten Ernst Kocher (SVP) höchstselbst. Er betonte in der letzten Ausgabe der «Walder Zeitschrift» (WAZ), dass nach der Rechnungsprüfung klar gewesen sei, dass jährlich zu hohe Verluste anfallen würden. Das Skigebiet sei schlicht nicht überlebensfähig.
Obschon Kocher selbst im Oberholz das Skifahren lernte und dem Gebiet emotional verbunden ist, erklärte er, man dürfe sich keinen Illusionen hingeben. Nur wenn ein mögliches Projekt für eine Ganzjahresnutzung zustande komme, könne die Gemeinde die Lage neu beurteilen.
Bei der AG und der IG war und ist die Enttäuschung über die nicht gewährte finanzielle Unterstützung gross, zumal die Gemeinde diese Idee anstelle einer Aktienmehrheit selbst in Aussicht gestellt hatte. «Es hiess, das grössere Gebiet Atzmännig sei für die Region wichtiger, man solle und wolle nicht konkurrenzieren», sagt der ehemalige Gemeinderat Beat Diggelmann in seiner jetzigen Funktion als Verwaltungsratsmitglied der AG. Er meint, dass die Gemeinde den Verantwortlichen des Skigebiets diese klare Erkenntnis viel früher hätte mitteilen können.
«Wenn der Poststempel der Gemeinde Wald, der übergross in der Eingangshalle der Post Wald steht, sich mit Ski- und Wandergebiet schmückt, sollte sich der Gemeinderat einen Atzmännigstempel anschaffen.»
Nun hofft die IG, die das kleine Wintersportgebiet schon seit 1997 führt, dass ihr die Stimmberechtigten an einer Gemeindeversammlung im nächsten Jahr in ihrem Anliegen zur Seite stehen und sich für eine Übernahme der Aktienmehrheit aussprechen.
Auf diese Weise würde die Gemeinde vielleicht in einem zweiten Anlauf doch noch zur Mehrheitsaktionärin der Skilift AG. Es sieht ganz danach aus, als wollten einige Skibegeisterte die Gemeinde Wald zu ihrem Glück zwingen. «Die Zuversicht der AG ist gross, da das Skigebiet in der Bevölkerung einen grossen Stellenwert geniesst und das Potenzial einer Ganzjahresnutzung vorhanden ist», betont Diggelmann.
Zudem ist die Interessengemeinschaft offen für Ideen von ausserhalb und prüft trotz der unklaren Betriebslage, ob vielleicht ein Sessellift eine Option wäre, die schlechten Schneeverhältnisse im niedriger gelegenen Tal (850 Meter) bis zum Ende des jetzigen Lifts (1150 Meter) zu umgehen.
Neuer Businessplan
Was eine mögliche Gesamtjahresnutzung betrifft, hat die Skilift AG Oberholz-Farner mit einem Berater einen Businessplan erstellt. Ziel ist ein «sanfter», ökologischer Tourismus. Besucher sollen von Zürich aus mit der Bahn nach Wald gelangen und das Oberholz von da aus mit dem Bus oder sogar einer Kutsche erreichen. «Natürlich kann man auch durch das malerische Sagenraintobel ins Oberholz gelangen», sagt Diggelmann.
Mit einem «künftigen» Gesamtjahres-Sessellift soll man zum Skifahren, Wandern, Biken oder Gleitschirmfliegen auf den Farner kommen. «Es wären auch auf der Farneralp oder in nahe gelegenen Restaurants möglich, Seminare oder Retreats durchzuführen.» Wenn das Wetter unten grau und oben blau ist, seien alle Oberländer Hügel und Berge mit Autos überfüllt. Diesem Zustand gelte es, mit neuen Ideen entgegenzuwirken. Ob es sich bei diesem Projekt um eines handelt, das nur auf dem Papier stehen bleibt oder tatsächlich verwirklicht wird, steht derzeit noch auf einem anderen Blatt.
Das Skigebiet Oberholz-Farner verfügt über den Farnerlift, den Trainerlift und den Ponylift. Dazu werden bei guten Schneeverhältnissen mittwochs von 18.30 bis 21 Uhr Nachtskiabende durchgeführt. Neben den Skiliften liegt das urchige Chalet-Beizli zum Alptraum direkt neben der Skipiste. Die Interessengemeinschaft Skilift Oberholz-Farner sucht stets nach neuen Mitgliedern. Der Jahresbeitrag kostet 100 Franken. Weitere Informationen sind unter www.skilift-oberholz.ch zu finden.
