Für Oberländer Skilifte gilt: Früher war auch nicht alles besser
Leise schwindet der Schnee
Wo gibt es im Oberland Skilifte? Und waren die Schneeverhältnisse früher wirklich so viel besser als heute? Eine kleine Spurensuche.
Die Aussage «Es gibt kontinuierlich weniger Schnee» würde dem Klimawandel auch nicht völlig gerecht werden. Die Schneemengen variieren nämlich von Winter zu Winter. Mal schneit es mehr, mal eben weniger.
Und doch wird es für Wintersportbegeisterte in tieferen Lagen wie im hügeligen Oberland immer schwieriger, in der eigenen oder der Nachbargemeinde einen Skilift zu finden, wo dauerhaft noch genügend Schnee liegt. Dabei verfügt die Region über zehn Skigebiete – zählt man Ponylifte hinzu, gibt es im Oberland 25 einzelne Skilifte.
Seit 1970 nimmt die Zahl der Skitage der Schweizerinnen und Schweizer kontinuierlich ab. Insbesondere Skigebiete mit wenig modernen Anlagen, geringen Höhendifferenzen und ohne Beschneiungsanlagen haben zu kämpfen. Dies hat zur Folge, dass Kinder nicht mehr in ihren Heimatdörfern Ski fahren können und es deswegen viele unter ihnen gibt, die das Skifahren überhaupt nie erlernen. Was über kurz oder lang wohl auch nicht im Interesse der grossen Skigebiete liegt. (lda)
Die Zeiten des Skibooms zwischen 1960 und 1970, als die beliebteste Wintersportart ihre Blütezeit erlebte und alle auf die Ski stiegen, sind definitiv vorbei. Dies liegt sowohl am Wetter als auch an den exorbitanten Preisen für grössere Bergbahnen und deren Skigebiete. Gleiches gilt für Skischulen, die für immer mehr Eltern immer weniger erschwinglich sind.




Alternativen dazu würden Skilifte wie diejenigen im Oberland schaffen. Deren Preise gelten nämlich als erschwinglich, nur fehlen auf vielen Pisten, die grösstenteils alle unter 1100 Metern liegen, beständige Schneemengen.
Dies ist auch ein Grund dafür, weshalb der Skilift Schwändi in Wernetshausen nur von 1975 bis 1980 betrieben wurde. Dieser überwand 50 Höhenmeter und führte von 880 bis 930 Meter hinauf. Doch noch bis ins Jahr 2010 wurde immerhin in Wald der Skilift Büel betrieben, dessen Start auf gerade einmal 800 Metern über Meer lag.
Wo es noch geht
Noch ist jedoch nicht aller Schnee verloren. Beim Skigebiet Ghöch zwischen Fischenthal – der höchstgelegenen Gemeinde des Kantons – und Bäretswil geht es mit dem Skifahren in einigermassen schneereichen Wintern auf einer Pistenstrecke von rund einem Kilometer noch gut.

Das Gebiet liegt auf 1060 Metern und verfügt über einen 300 Meter langen Skilift, mit dem 60 Höhenmeter absolviert werden. Also nicht gerade hochalpin und für absolute Skicracks weniger geeignet. Doch Kinder freuen sich über schöne Abfahrten und profitieren von einem nicht allzu starken Gefälle. Ein weiterer Pluspunkt: die kurze Anreise.
Die Plattform skiurlaubschweiz.ch klassifiziert das Ghöch im Übrigen als bestes Skigebiet im Kanton. Und es war in dieser Wintersaison immerhin vom 7. Dezember bis zum 2. März dauerhaft geöffnet.
Schneemangel gabs schon früher
Auch wenn besonders bei Skigebieten – und dies wohl schweizweit – gerne die Aussage «Früher war es besser» getätigt wird, so muss man sich vergewissern, dass es beispielsweise in den 1960er Jahren nicht immer nur rosig zu und her ging.
So stand der Winter 1960/1961 für die Skischule Zürcher Oberland unter keinem guten Stern. Zwischen 500 und 1000 Metern lag bis Neujahr überhaupt kein Schnee, mit Beginn des Jahrs 1961 gab es dann ein wenig.



Gleiches galt für den Winter 1970/1971, als die Skischule nach Elm, Flums oder Braunwald ausweichen musste, was gemäss der Bäretswiler Dorfchronik (Rubrik Naturfreunde) zu grossen Mehrkosten führte. Deshalb sei seitens der auch in Bäretswil verwurzelten Ortsgruppe der Naturfreunde Pfäffikon der Wunsch nach einem eigenen Skilift im Ghöch entstanden, das mit dem Auto inzwischen gut zu erreichen gewesen sei und durch die 1957 erbaute Hütte Waldeggli über eine geeignete Verpflegungsstätte zum Aufwärmen verfügt habe. Schon im Winter 1974/1975 lief der Lift zum ersten Mal.
Was der Touristenverein Naturfreunde Pfäffikon einst protokollierte
1950 steht da geschrieben: «Die Beherrschung einer sauberen, einwandfreien Fahrtechnik allein bietet Ihnen Gewähr, all die Schönheiten des Skilaufs voll auskosten zu können. Wer glaubt, auf eigene Faust zum Ziele zu kommen (ohne Skikurs und ohne Berücksichtigung der Schweizer Einheitstechnik), geht ohne Zweifel den falschen Weg. Die Skischule der ‹Naturfreunde› Pfäffikon steht Ihnen in skitechnischen Fragen jederzeit gerne zur Verfügung, und es wird uns freuen, Sie zu den Kursteilnehmern zählen zu können.»
Wegen Schneemangel in tieferen Lagen fand am 15. Januar 1950 ein Skikurs am Farner und am 24. Januar ein Skikurs in Wappenswil mit 19 Teilnehmern statt.
Anfang Februar 1952 wurde in Wappenswil erstmals das Ortsgruppen-Skirennen mit 30 Teilnehmern durchgeführt. Die Abfahrt führte von Fehrenwaldsberg nach Bettswil; der Slalom fand in der Gsteig statt. In späteren Schriften, wie dem 1962 erschienenen «Pfäffiker Heimatbuch», wird der Winter 1951/1952 als Gründungszeit der Skischule Zürcher Oberland genannt.
Über 70 Jahre Beständigkeit
Noch viel länger gibt es den Skilift Oberholz, der oberhalb der Gemeinde Wald liegt. Seit 1954 lernen hier Scharen von Kindern das Skifahren. Dies haben sie Rosa Oberholzer und einigen Helfern zu verdanken.
Die ersten vier Jahre geschah das mithilfe der Farner-Lifte, danach wurde der Trainerlift aufgebaut. Der grosse Lift führt hier von rund 850 auf 1150 Meter über Meer. Erst viele Jahre später, wohl im Jahr 2004, kam der kleine Ponylift hinzu.


Auch heute ist es bei guten Schneeverhältnissen noch möglich, bis ins Dorf hinunterzufahren. Evelyne Hengartner, Marketingchefin der IG Skilift Oberholz-Farner, meinte erst noch im letzten Jahr, dass dies gar nicht so selten der Fall sei. 30 gut besuchte Betriebstage seien für dieses Gebiet schon ein Erfolg.
Dennoch komme für sie eine Kunstschneeanlage in schneearmen Wintern sowohl aus finanzieller wie auch aus energietechnischer Sicht nicht infrage. Vielleicht schwingt hier auch noch eine Spur Skiromantik mit.
Klein, aber fein
Dann ist da noch der kleine Skilift Dicki in Weisslingen. Dieser liegt am Dorfrand in Richtung Kyburg und ist im Besitz von drei Familien, die den Lift mittlerweile schon 30 Jahre in eigener Regie führen. Ein- oder zweimal im Winter findet sogar ein Nachtskifahren statt.

Läuft der Lift nur drei bis vier Wochen, sprechen die Betreiber schon von einer guten Saison. Zum ersten Mal lief er im Jahr 1969. Ob damals wirklich mehr Schnee lag, ist ungewiss.
Stolze 3,5 Kilometer
Doch deutlich weniger bescheiden gestaltet sich das Skigebiet Steg in Fischenthal. Mit einer Länge von 3,5 Kilometern werden die Pisten der Bezeichnung Skigebiet tatsächlich gerecht. Obwohl sich die Pisten «nur» zwischen 700 und 1023 Metern bewegen, ist der Skilift hier 1100 Meter lang und absolviert eine Höhendifferenz von 309 Metern – es ist der längste im Kanton.


Hinzu kommt der Trainerlift mit 160 Metern Länge und gerade einmal einer Höhendifferenz von 30 Metern. Hier ist sowohl für Könner als auch für Anfänger etwas dabei. Dafür ist der in Teilen eigene Snowpark mitverantwortlich. Auch die Verköstigungsmöglichkeiten sind mit der eigenen Skihütte und ihren 72 Plätzen neben der Talstation mehr als nur bedarfsgerecht. Am Ende des grossen Lifts wartet die Heidibar.
