Warum auch die Tochter an Hülkenbergs Pokal Freude hat
Nach dem ersten Podestplatz seiner Karriere brandete Sauber-Pilot Nico Hülkenberg eine Welle der Sympathie entgegen. Fünf spezielle Geschichten rund um seinen Erfolg.
Lego statt Gold und Silber
In der offiziellen Pressekonferenz nach dem Rennen – ein Pflichttermin für die Podestfahrer – stellen normalerweise die Journalisten den Piloten ihre Fragen. Am Sonntag aber hatte auch der zweitplatzierte Oscar Piastri eine Frage für den Podest-Debütanten Nico Hülkenberg: «Wie fühlt es sich eigentlich an, nach 15 Jahren in der Formel 1 aufs Podest zu fahren und dann einen Pokal aus Lego zu erhalten, den du auseinanderbauen kannst und man womöglich nächste Woche im Laden kaufen kann?»
Ein Witz war das nicht: Tatsächlich besteht Hülkenbergs Pokal aus 2298 Legosteinen, ist 43 cm hoch und wiegt 1,5 Kilogramm. Eine recht exklusive Sache, die der Spielwarenhersteller zum 75. Geburtstag der Formel 1 anfertigte. Und Hülkenberg spielte das PR-Spiel mit: «Das ist toll, ich liebe Lego», antwortete er lachend auf die Frage von Piastri. «Ein bisschen Silber oder Gold wäre auch hübsch gewesen, aber ich will mich nicht beklagen. Man soll doch immer das Positive sehen: Auch meine Tochter kann damit spielen.»
So jubelt Hülkenbergs Familie
A propos Tochter: Die heisst Noemi Sky, wird im September vier Jahre alt – und feierte vor dem TV zu Hause in Monaco zünftig mit, wie in einem Video zu sehen ist. Im Hintergrund bellt Hülkenbergs Hund Zeus ebenfalls vor Freude.
Die Tochter hatte kürzlich notabene bereits einmal einen prominenten Auftritt. Ihre Mutter Egle Ruskyte, die litauische Modedesignerin ist seit 2021 mit Hülkenberg verheiratet, postete ein Video auf Instagram, in dem sich die Tochter die Wartezeit vor einem Rennen damit verkürzt, die Namen aller Formel-1-Piloten aufzusagen.
Zehnders Tisch muss dran glauben
Nicht nur Hülkenbergs Familie feierte vor dem TV, auch viele Schweizer Fans taten das. Einer der prominentesten war kein Geringerer als Beat Zehnder. Ausgerechnet er, der langjährige Sauber-Teammanager, der über 600 Rennen immer vor Ort mit dabei war. Jetzt hat er teamintern eine neue Rolle übernommen und bleibt öfter zu Hause – wie auch beim GP von Silverstone, dem 605. Rennen der Sauber-Geschichte. Wie Zehnder Hülkenbergs letzte Kurven miterlebte zeigte er auf Instagram – ob der Tisch Schaden nahm, entzieht sich unserer Kenntnis.
Keiner, der ihm das nicht gönnt
Wie beliebt Hülkenberg im Fahrerfeld ist, zeigen die Reaktionen auf seinen Erfolg. Kaum einer, der sich nicht öffentlich für den Deutschen Sauber-Piloten freute. Viele Teams und Fahrer gratulierten ihm per Social Media, manche sogar bereits auf der Auslaufrunde nach dem Rennen. WM-Leader Oscar Piastri etwa, der wegen einer für ihn unverständlichen Strafe um den Sieg gebracht wurde, sagte: «Hülkenberg ist auf dem Podest – es ist also doch nicht alles schlecht heute.» Pierre Gasly antwortete ungläubig: «Dritter? Auf keinen Fall! Das ist schön, gratuliere!» Und Alexander Albon fragte: «Ist er wirklich Dritter? Legende!»
Anerkennende Worte fand auch Lewis Hamilton – und das obwohl seine Serie zu Ende ging. Zwölf Mal in Folge fuhr er in Silverstone aufs Podest, nun musste er sich ausgerechnet Hülkenberg geschlagen geben. «Er fuhr ein starkes Rennen», sagte Hamilton. Und für Altmeister Fernando Alonso ist Hülkenberg gar «einer der besten Fahrer im Feld, der nie die Chance hatte, ein richtig gutes Auto zu fahren».
Und für Carlos Sainz, der einst bei Renault Teamkollege von Hülkenberg war, war die Tatsache, dass der Deutsche noch nie aufs Podest fuhr «komplett irrelevant», wie der Spanier sagt. «Für mich war er immer einer der Top-5-Piloten. Ich bin froh, dass er nun alle zum Schweigen gebracht hat, die an ihm gezweifelt haben. Ich habe nie an ihm gezweifelt.»
Der Weltmeister ist der erste Gratulant
Die ersten Glückwünsche kamen von Max Verstappen – nicht in Form von Worten allerdings. Als der Weltmeister auf der Auslaufrunde an Hülkenberg vorbeifuhr, reckte er die Faust zum Cockpit hinaus in Richtung des Deutschen und jubelte mit.
Später sagte Verstappen, er freue sich sehr für Hülkenberg – und glaube nicht, dass er den Podestplatz als Bestätigung gebraucht hatte: «Ich denke, er ist in dieser Hinsicht recht entspannt. Er weiss, was er kann und hat das in der Vergangenheit gezeigt, vor der Formel 1 und in der Formel 1. Aus welchem Grund auch immer hat es bisher nicht geklappt, er wird sicher sehr glücklich sein. Doch er weiss, wie gut er ist. Ein Podestplatz sagt nicht aus, dass man plötzlich besser ist.»

Verstappen und Hülkenberg verstehen sich gut – auch sprachlich, zumal der Deutsche fliessend niederländisch spricht. Hülkenberg stammt aus Emmerich an der niederländischen Grenze und machte seine ersten Schritte im Rennsport auf niederländischen Kartbahnen. Hülkenberg sagt über Verstappen: «Max war der erste, der mir gratulierte, als ich aus dem Auto stieg. Wir kennen uns schon lange aus dem Kartsport. Ich habe grossen Respekt vor ihm, vor dem was er tut und wofür er steht. Ein grossartiger Mensch.»
Und einer, der ihm auch schon mal einen Platz in seinem Privatjet anbietet. Wie am Sonntag für den Rückweg von Silverstone nach Monaco, wo viele Formel-1-Piloten leben. Das Flugzeug hob über drei Stunden nach dem Rennende und deutlich später als geplant ab.