Das späte Glück des Aufstiegsspezialisten
Erfolg mit dem FC Vaduz
Dominik Schwizer und die Super League – das war trotz mehrerer Anläufe bislang nicht die grosse Liebesgeschichte. Nun bekommt der Oberländer Profifussballer mit fast 30 Jahren nochmals eine Chance.
Mit dem FC Vaduz hat Dominik Schwizer bereits den dritten Aufstieg seiner Karriere in die Super League geschafft. Und trotzdem fühlt sich dieser anders an als die vorherigen.
Denn der Oberländer steht kurz vor seinem 30. Geburtstag – und vor der vielleicht letzten grossen Chance, sich in der höchsten Schweizer Liga nachhaltig durchzusetzen. Zwei Anläufe hat er bereits genommen: als Spieler von Thun (Saison 2018/19) und Lausanne-Sport (2023/24), zwischenzeitlich auch mit schwierigen Phasen und wechselnden Rollen. Sein Durchbruch auf höchster Stufe blieb jedoch jeweils aus.
Seine Überzeugung verloren hat Schwizer allerdings nie. Im März vor einem Jahr sagte er mit Blick auf eine neue mögliche Chance in der Super League reflektiert: «Mein Weg dahin führt über Vaduz.» 14 Monate später ist es tatsächlich so weit. Und vieles spricht dafür, dass die Geschichte diesmal länger dauern könnte: Sein Vertrag beim FC Vaduz läuft noch bis 2027.

Zusammen mit dem Wetziker Stefan Seiler gehörte Schwizer zu den Gesichtern einer Vaduzer Mannschaft, die sich in einem dramatischen Aufstiegsrennen durchsetzte – und ihm nun nochmals die Tür zur Super League öffnet.
So verlief Schwizers Aufstiegssaison
Die Saison begann für Schwizer mit einem europäischen Highlight: Vaduz spielte als liechtensteinischer Europacup-Vertreter in der Conference-League-Qualifikation unter anderem gegen den niederländischen Traditionsklub AZ Alkmaar. Doch schon früh musste der in Egg und Dürnten aufgewachsene Profifussballer wegen einer Adduktorenverletzung pausieren und sich nach der Genesung erst wieder ins Team zurückkämpfen.
Ab Ende November erlebte Schwizer dann seine stärkste Phase: Als linker Aussenverteidiger erzielte er in sechs aufeinanderfolgenden Spielen jeweils ein Tor. «Das hat mir gutgetan», sagt Schwizer. Auch danach war er bis zum Saisonende kaum mehr wegzudenken – nur einmal musste er wegen einer Gelbsperre passen.
Dramatisch verlief dann das Saisonfinale. Vaduz führte die Tabelle ab der 14. Runde ununterbrochen an, ehe eine Last-Minute-Niederlage gegen Direktkonkurrent Aarau die Liechtensteiner tatsächlich noch die Leaderposition kostete. «Die drei Tage danach waren mental nicht einfach. Umso schöner war es, als es am Ende doch klappte», sagt Schwizer. Während Aarau gegen Yverdon prompt stolperte, erfüllte Vaduz seine Pflicht in Wil – der Direktaufstieg war perfekt.
Warum er eine andere Rolle spielt
Während des Grossteils seiner Karriere war Schwizer auf dem linken Flügel zu Hause – als schneller Offensivspieler, der regelmässig Tore vorbereitete und selbst traf. In Vaduz hat sich seine Rolle in der vergangenen Saison allerdings verändert: Wegen einer Systemanpassung rückte er eine Position nach hinten und spielt inzwischen als linker Aussenverteidiger.
An seiner Wirkung nach vorne änderte das allerdings wenig. Im Gegenteil: Durch die offensive Spielweise der Liechtensteiner schaltet sich Schwizer regelmässig im Spiel nach vorne ein. «Ich bin bei nahezu jedem Angriff mit dabei», sagt er. Die Zahlen unterstreichen das eindrücklich: Mit je neun Toren und Assists gehörte er zu den produktivsten Spielern der gesamten Challenge League und war ligaweit der zweitbeste Skorer.
So feierte Vaduz den Aufstieg
Nach dem entscheidenden Sieg wurde in Vaduz zunächst mit den Fans gefeiert, einen Tag später empfing der Bürgermeister Mannschaft und Staff. «Es waren mehr Leute auf dem Rathausplatz der Stadt als erwartet. Das zeigt, dass wir etwas geschafft haben – auch wenn Fussball in Liechtenstein nicht das Thema Nummer 1 ist», sagt Schwizer.
Anschliessend reiste ein grosser Teil der Mannschaft für einige Tage nach Ibiza. Für Schwizer ist auch das ein Zeichen dafür, weshalb Vaduz den Aufstieg geschafft hat. «Unsere 81 Punkte sind kein Zufall. Alle haben in dieser Saison mitgezogen – auch jene, die weniger gespielt haben.»
Für den Oberländer selbst ging es nach den Feierlichkeiten rasch zurück in den Alltag: Gemeinsam mit seiner Familie zieht er von Laupen nach Schmerikon um. Vor dem Trainingsstart Mitte Juni stehen noch einige Ferientage in Italien an.
Was seine Aufstiege unterscheidet
Schwizer blickt auf eine Serie ganz unterschiedlicher Aufstiege zurück – jeder für sich ist besonders. 2017 schaffte er mit seinem Jugendverein Rapperswil-Jona den Sprung in die Challenge League – sein erster Schritt in eine Profiliga und damit ein unvergesslicher Moment.
Drei Jahre später folgte der erste Aufstieg in die Super League mit Vaduz, mitten in der Corona-Zeit. Schwizer war damals vom oberklassigen FC Thun ausgeliehen worden, um mehr Spielpraxis zu erhalten – und traf mit den Liechtensteinern in der Barrage ausgerechnet auf seinen eigentlichen Arbeitgeber. Im Rückspiel steuerte er einen Assist bei und hatte damit direkten Einfluss auf Thuns Abstieg. Nach dem Triumph kehrte Schwizer ins Berner Oberland zurück – und spielte trotz Aufstieg weiterhin «nur» in der Challenge League.
2022 unterschrieb Schwizer beim gerade abgestiegenen Lausanne-Sport und schaffte mit den Waadtländern sofort den Wiederaufstieg in die Super League.
Nun, fast 30-jährig, feiert er seinen dritten persönlichen Aufstieg in die höchste Spielklasse, diesmal wieder mit Vaduz. «Gerade die Art und Weise war emotional intensiv – eine echte Achterbahnfahrt der Gefühle», sagt Schwizer.
