Er will wieder nach ganz oben
Profifussballer aus Laupen
Dominik Schwizer ist in seiner Karriere schon zweimal in die Super League aufgestiegen – und konnte sich dort trotzdem bis anhin nicht etablieren. Das will der Oberländer mit dem FC Vaduz nachholen.
Für das Gespräch schlägt er ein Café in Laupen vor. «Da hat es immer genügend Platz», sagt Dominik Schwizer. Auch für das Fotoshooting beim nahe gelegenen Fussballplatz nimmt er sich viel Zeit. Dieser liegt ganz in der Nähe seines Wohnorts. Der jüngste Umzug hat mit seinem neuen Klub FC Vaduz zu tun, für den er seit dieser Saison aufläuft.
Es ist quasi eine Heimkehr – nach Jahren in Bern, Oberrieden und Lausanne. «Laupen ist für unsere familiäre Situation ideal», sagt der Profifussballer.
Der in Egg und Dürnten aufgewachsene 28-Jährige ist im vergangenen Herbst erstmals Vater geworden. Seine Frau Laura und er leben damit wieder in der Nähe ihrer Eltern. Seinen Trainings- und Spielort Vaduz erreicht Schwizer in 45 Minuten.
Beim Challenge-League-Verein aus Liechtenstein hat er einen Vertrag bis 2027 unterschrieben. Die Länge des Kontrakts ist nicht selbstverständlich. Auch für ihn als arrivierten Offensivspieler mit guten Skorerwerten und rund 200 Einsätzen in den beiden höchsten Ligen. «Das ist eine schöne Wertschätzung», findet Schwizer. «Die meisten Vereine holen junge Spieler mit der Hoffnung, dass diese dann explodieren.»
Ein Spieler seines Alters kommt da für einen Klub aus der Super League in den seltensten Fällen infrage. «Da bin ich Realist genug», sagt Schwizer. Zurück in die höchste Liga will er trotzdem. «Mein Weg dahin führt über Vaduz», ist für ihn klar. Dies, nachdem ihm in Thun und Lausanne der grosse Durchbruch verwehrt blieb.
Ein zu gutes Angebot
Weshalb auch nicht in Vaduz? Der Verein gehört zu den soliden Adressen in der Challenge League – und spielte zuletzt für ein Jahr in der Saison 2020/2021 auf höchster Stufe.
Schwizer hatte damals sogar erheblichen Anteil am Aufstieg. Der entscheidende Schritt gelang in den Barrage-Partien gegen den damaligen Super-Ligisten Thun. Schwizer steuerte im Rückspiel ein Assist bei.
Es war insofern eine spezielle Situation, weil er da beim Gegner unter Vertrag stand – aber für eine Spielzeit an die tieferklassigen Liechtensteiner ausgeliehen war.
Nur: Schwizer musste trotz Vaduzer Interesse hinterher ins Berner Oberland zurück. Der Sprung in die höchste Liga blieb ihm dort aber bis zum Vertragsende im Jahr 2022 vergönnt.
Verbessern konnte er sich hinterher trotzdem. Schwizer wurde vom Super-League-Aufsteiger Winterthur und Lausanne umworben. Er entschied sich für letzteren Klub, obwohl die Romands da ebenso nur in der Challenge League spielten. «Das Angebot war finanziell einfach zu gut, um es abzulehnen», sagt Schwizer.

Er taucht beim FC Lausanne-Sport in eine für ihn neue, kühlere Welt ein. «Wenn du nicht mitziehst, bist du schnell weg», sagt Schwizer. Die Atmosphäre war weniger familiär im Vergleich zu seinen früheren Stationen Thun, Vaduz und vor allem bei seinem Stammklub Rapperswil-Jona. Dort, wo er den Sprung in den Profifussball geschafft hatte.
Aufs Nebengleis geraten
Der Waadtländer Verein ist da, mit einem grossen britischen Chemieunternehmen im Rücken, eine ganz andere Hausnummer. Für Schwizer war es eine spannende Erfahrung. «Als ich nach Lausanne kam, sprach ich kein Wort Französisch. Ich konnte ganz viel mitnehmen – auf und neben dem Platz.»
Tatsächlich hat er im ersten Jahr auch eine tragende Rolle inne. Der angestrebte Wiederaufstieg gelang. Und mit ihm kamen ganz viele neue Spieler – vom Lausanner Partnerverein OGC Nizza, aber auch von anderswo.
«Ich wusste, dass es härter wird», sagt Schwizer. Dass er aber derart aufs Nebengleis geriet, enttäuschte ihn trotzdem. «Was muss ich tun, um mehr Einsatzzeit zu bekommen?», fragte er Trainer Ludovic Magnin, als sich seine Situation nicht änderte. Dieser konnte ihm keine schlüssige Erklärung geben. «Für mich war da schnell klar: Es muss was passieren», so Schwizer mit Blick auf den auslaufenden Vertrag.
Der Oberländer liess sich ein weiteres Mal in die Challenge League ausleihen – zu Neuchâtel Xamax.
Der Aufstieg muss warten
Der Entscheid zahlte sich für ihn aus. Schwizer fand schnell wieder den Rhythmus und konnte sich so letztlich für den FC Vaduz aufdrängen. Lange überlegen musste er da nicht. «Das war das Richtige. Sie kannten mich und genauso umgekehrt.» Marc Schneider war schon sein Trainer beim FC Thun. Und in den Führungsgremien des Liechtensteiner Vereins sassen ebenso noch dieselben Leute.

Mit dem erhofften Aufstieg dürfte es aber zumindest diese Saison wohl vorerst noch nichts werden. Am Sonntag gab es beim 2:3 bei Etoile Carouge den nächsten Dämpfer. Der Rückstand auf das Führungsduo ist trotz Platz 4 beträchtlich. «Wir wissen, dass nicht alles gut gelaufen ist. Und es liegt noch viel Arbeit vor uns», sagt Schwizer.
Was kommt danach?
Die Super League ist für ihn mittlerweile kein Traum mehr, sondern einfach ein Ziel. Er will sich dort nachhaltig etablieren. Zu spät ist es natürlich nicht. Der Pfäffiker Granit Lekaj steht dafür symbolisch. Der Innenverteidiger war sogar 32, als er für den FC Winterthur erstmals auf höchster Stufe auflief – und sich bewährte.
Schwizer ist 31 Jahre alt, wenn sein Kontrakt in Vaduz ausläuft. Wie es dann mit ihm weitergeht, dafür ist es noch viel zu früh im schnelllebigen Fussballgeschäft. Konkrete Pläne für die Zeit danach hat der gelernte Koch nicht. «Ich wäre aber nicht böse, wenn ich nicht mehr in der Küche arbeiten müsste», sagt er und lacht.

Trotzdem macht er sich bereits Gedanken über die Zeit nach dem Profisport. Schwizer hat beispielsweise auch schon erste Trainerausbildungen absolviert und kann sich vorstellen, dem Fussball so erhalten zu bleiben.
Ohnehin ist der Oberländer für einen Challenge-League-Spieler in einer etwas privilegierten Position. Durch die Verträge, die er in seiner Karriere hatte. Aber auch dank der abgeschlossenen Ausbildung. «Ich habe keinen Druck. Und werde mir die nötige Zeit geben, um herauszuspüren, was das Richtige ist», sagt er.
Dominik Schwizer weiss zu genau, dass die Challenge League auch zu einer Sackgasse werden kann. Er hat da klare Vorstellungen. «Wenn es finanziell nicht mehr stimmt, ziehe ich einen Schlussstrich. Der Fussball ist meine Leidenschaft. Aber er ist auch eine Blase. Und man sollte wissen, dass es ein Leben danach gibt.»
