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Fernziel Olympia 2028

Raus aus der Pechsträhne: Djakovic ist auf dem Weg zurück zu sich selbst

Die letzten anderthalb Jahre waren für Antonio Djakovic keine Erfolgsgeschichte. Jetzt nimmt der Ustermer den nächsten Anlauf, um wieder eine solche zu schreiben.

Antonio Djakovic (Mitte) kehrte nach der jüngsten Verletzung erst kürzlich zurück ins Bassin. (Archiv)

Foto: Christian Merz

Raus aus der Pechsträhne: Djakovic ist auf dem Weg zurück zu sich selbst

Fernziel Olympia 2028

Die letzten anderthalb Jahre waren für Antonio Djakovic keine Erfolgsgeschichte. Jetzt nimmt der Ustermer den nächsten Anlauf, um wieder eine solche zu schreiben.

Ausnahmetalent, Überflieger, Modellathlet und Schwimmstar: Antonio Djakovic wurde schon als vieles bezeichnet. Mit 23 weist der Ustermer ein beeindruckendes Palmarès auf. Zweimal startete er an Olympischen Spielen, er gewann vier EM- und eine WM-Medaille, sammelte unzählige SM-Titel und hält drei nationale Rekorde.

Seit längerer Zeit verläuft Djakovics Karriere aber nicht mehr wie auf dem Reissbrett entworfen. Positive Schlagzeilen schrieben zuletzt andere – wie Klubkollege Noè Ponti.

Was also ist mit Djakovic los? Wie lassen sich die inklusive Olympia 2024 für ihn vier enttäuschenden Grossanlässe hintereinander erklären? An der Kurzbahn-EM im Dezember 2025 etwa war Djakovics bestes Resultat Platz 16 – in seiner Paradedisziplin über 400 m Crawl.

Die letzten rund anderthalb Jahre lassen sich auf einen Punkt runterbrechen: Djakovic wurde immer wieder von unterschiedlichen gesundheitlichen Problemen gebremst. Sein Trainer Pablo Kutscher warf vor ein paar Monaten gar die Frage auf: «Wie kann man nur so viel Pech haben?»

Jüngstes Beispiel dafür: Djakovic zog sich im Januar eine Muskelzerrung im Bauchbereich zu. «Ich musste schon fast darüber lachen», drückt der Freistil-Spezialist seine Ungläubigkeit über den nächsten Rückschlag aus. Dieser hatte für ihn, der schon einen Trainingsrückstand aufweist, die nächste Schwimmpause zur Folge.

Nur nichts überstürzen

Vor drei Wochen erst kehrte Djakovic dahin zurück, wo es ihm am wohlsten ist: ins Wasser. Mit der am Sonntag zu Ende gehenden Langbahn-SM daheim in Uster erhielt er eine zusätzliche Motivationsspritze. Den nationalen Höhepunkt der Saison absolvierte Djakovic indes direkt aus einer regulären Trainingswoche heraus, in der er aktuell fünf bis sechs Kilometer täglich zurücklegt.

Sein SM-Programm reduzierte er. So schwamm er über 100 m Crawl nur im Vorlauf und verzichtete ganz auf die 200 m Crawl, wo er Titelverteidiger war. «Ich bin noch nicht bei 100 Prozent und will kein Risiko eingehen», begründete er die Massnahmen.

Nur nichts überstürzen auf dem Weg zurück, lautet seine Losung. Das Vertrauen in den eigenen Körper hat etwas gelitten. Maximal ist dafür die Motivation und der Anspruch, in die Erfolgsspur zurückzukehren. Oder wie er sagt: «Ich will allen möglichst bald zeigen, dass ich der Antonio Djakovic von früher bin.» Das Fernziel ist klar: die Olympischen Spiele 2028. Und da mit den Besten mithalten.

«Natürlich gab es Tage, an denen ich zweifelte», blickt der Schwimmer des SC Uster auf seine schwierige Zeit zurück. Nur um dann zu sagen: «Wie im Leben ist es auch im Sport so, dass es nicht immer aufwärtsgehen kann.»

Es ist keine neue Erkenntnis. Eine solche Phase dann am eigenen Leib zu erfahren, ist dennoch eine andere Hausnummer. Djakovic sagt dazu: «Ich bin immer diszipliniert geblieben und habe versucht, das Bestmögliche daraus zu machen.»

Er duckt sich nicht weg

Es tönt sehr abgeklärt, wie Djakovic sich zur bisher herausforderndsten Phase der Karriere äussert. Wie nahe ihm die Rückschläge tatsächlich gingen? Schwierig einzuschätzen. «Was passiert ist, ist passiert», sagt er mehr als einmal. Und findet: «Ich war nie einer, der einfach aufgab.»

Fakt ist zudem: Djakovic hat sich nicht weggeduckt. Er startete 2025 an Grossanlässen wie der Kurzbahn-EM und Langbahn-WM im Wissen, kaum in der Lage für Exploits zu sein. Dass seine Leistungen Kritik nach sich ziehen könnten, war er sich im Klaren. So läuft das Geschäft: «Man sieht nur die Resultate. Es ist das, was zählt.»

Rund vier Monate Zeit hat Djakovic nun, sich auf die Langbahn-EM in Paris vom 10. bis 16. August vorzubereiten. Bis vor Kurzem war unklar, ob er in der Lage ist, den internationalen Höhepunkt anzupeilen. «So gut es geht», will er an der EM abschneiden. Primär geht es Djakovic an dieser um eine Bestandesaufnahme. Wo steht er? Welche jungen Schwimmer stossen nach?

Die Olympia-Qualifikation beginnt erst 2027. Das nimmt ihm Druck. Und gibt ihm die Freiheit, aus dem Alltag auszubrechen. Im Mai absolviert er mit dem schwedischen Team einen Trainingsblock in Livigno – wie letztes Jahr.

«Die Abwechslung tat mir gut, auch die Höhe.» Beim Gedanken daran lehnt er sich zurück. Djakovic wirkt aufgeräumt. Und hat im Prinzip nur einen Wunsch: «Ich hoffe, bis Olympia gibts keine Verletzungen mehr.» Es wäre ihm zu gönnen. Djakovic wäre dann auch den Ruf des Pechvogels wieder los, der ihm aktuell anhaftet.

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