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Ihr gemeinsamer Traum treibt sie an

Früh aufstehen, viel trainieren, und auf einiges verzichten. Doch motivieren muss die Ustermer Schwimm-Hoffnungen Antonio und Vanna Djakovic niemand.

In ihrem Element: Vanna und Antonio Djakovic im Hallenbad Uster.

Foto: Christian Merz

Ihr gemeinsamer Traum treibt sie an

Ustermer Geschwister

Er zählt zur Weltspitze, sie gilt als Rohdiamant. Die Ustermer Antonio und Vanna Djakovic verfolgen ihre Karriere mit Akribie – und blicken schon ins Jahr 2028.

Oliver Meile und David Schweizer

Es ist kurz nach 9 Uhr. Die Sonne drückt bereits kräftig durch die grossen Fensterfronten ins hell wirkende Buchholz-Hallenbad.

Antonio Djakovic hat auf Bahn 9 eben sein Training beendet, seine Schwester hingegen ist noch im Wasser. «Vanna stösst etwas später dazu – sie muss noch ein paar Längen absolvieren», sagt der Vorzeigeschwimmer des SC Uster bei der Begrüssung schon fast entschuldigend. Die beiden haben zu diesem Zeitpunkt auch bereits eine Pilates-Lektion hinter sich.

Fünf Stunden verbringen die Geschwister täglich im Hallenbad. Einzig am Sonntag machen sie eine Pause. Es sind beeindruckende Zahlen, wenn Antonio Djakovic erzählt, wie viele Kilometer er bewältigt. «50 bis 60 in der Woche, aufs ganze Jahr gerechnet sind es wohl gegen die 2500 Kilometer.»

Zur besseren Einordnung: Das ist per Luftlinie von Uster bis zur norwegischen Stadt Tromsö hoch, die als Tor zur Arktis bezeichnet wird.

Lobeshymnen spornen sie an

Früh aufstehen, viel trainieren, auf einiges verzichten: Motivieren muss die Djakovics dennoch niemand. Das mag für Aussenstehende nicht wirklich nachzuvollziehen sein. In ihrem jungen Alter, wo doch so viele Verlockungen warten.

Für Antonio aber es das Selbstverständlichste der Welt, dass er sich vollumfänglich aufs Schwimmen konzentriert. «Wir haben beide hohe Ziele», sagt er, «haben beide Talent fürs Schwimmen. Das müssen wir ausnützen.»

Ich will immer gewinnen, egal, wo. Ob beim Schwimmen, Tennis oder Basketball.

Antonio Djakovic

Antonio Djakovics ausgesprochener Ehrgeiz – es ist eines seiner herausragenden Merkmale. «Ich will immer gewinnen, egal, wo. Ob beim Schwimmen, Tennis oder Basketball.»

Wenig erstaunlich: Es ist eine Charaktereigenschaft, die nicht nur ihn auszeichnet. «Ich bin von klein auf auch sehr ehrgeizig gewesen», sagt Vanna, nachdem sie das Training ebenfalls beendet und sich dazu gesetzt hat. 17 ist sie erst. Und steckt in der KV-Ausbildung in einer Berufsfachschule für Sporttalente. Vanna ist nicht nur drei Jahre jünger als ihr Bruder, der an der Weltspitze angelangt ist, sondern auch an einem anderen Punkt in ihrer Karriere.

In den vergangenen Monaten hat sie aber ebenfalls mehrfach auf sich aufmerksam gemacht. An den letzten zwei Schweizer Meisterschaften sammelte Vanna Medaillen im Multipack. Und an ihrer Junioren-EM-Premiere erzielte sie mit den Rängen 14 und 15 erste Achtungserfolge auf internationaler Ebene.

Sie sei ein Rohdiamant, kann man über die Lagen-Spezialistin lesen. Kenner trauen ihr den Weg an die europäische Spitze zu. Verrückt machen lässt sich Vanna von all den Vorschusslorbeeren nicht. Im Gegenteil. «Das ist für mich kein Druck. Diese Dinge pushen mich vielmehr», bekräftigt sie.

Olympia-Sieg? Warum nicht!

Die Worte könnten grad so gut von Antonio stammen, der über sich selber sagt: «Ich bin mental stark. Aber diese Stärke braucht man auch.» Durch seine Erfolge ist er längst einem breiteren Publikum bekannt. Auch wenn er lachend zugibt: Nicht einmal alle Angestellten im Hallenbad Uster erkennen ihn.

Junioren-Europameister, WM-Dritter, zweimal EM-Zweiter und die Olympia-Premiere 2021 – das sind nur die wichtigsten Eckpunkte seines Werdegangs. Schon fast selbsterklärend ist, dass er auf seinen Parade-Distanzen über 200-m- und 400-m-Freistil den nationalen Rekord hält.

Gut für ihn: Das Ticket für die Olympischen Sommerspiele im nächsten Jahr hat er schon im Sack. So kann er einen gezielten Aufbau machen.

Antonio hat nach dem ersten «Schnuppern» an Olympia bei seiner zweiten Teilnahme nun hohe Ambitionen. In Paris will er in seinen Spezialdisziplinen in den Final. Mindestens. «Dort ist dann alles möglich», sagt er und wirft das Wort «Olympia-Sieger» mit einem Selbstverständnis in die Runde, das man anderen allenfalls als Überheblichkeit auslegen würde. Bei ihm ist es vor allem eines – authentisch. Dabei muss man sich vor Augen halten: Der Schwimmer wird in wenigen Tagen gerade einmal 21.

Der kleine Goldhamsterer

Hat sich Antonio Djakovic etwas in den Kopf gesetzt, verfolgt der ursprünglich aus Münchwilen TG stammende Schwimmer das Ziel unerbittlich, ja schon fast stur. Nicht erst jetzt, sondern bereits in der Kindheit. Vater Goran ist im damaligen Jugoslawien ein erfolgreicher Schwimmer.

Ihm eifert Antonio zunächst im SC Frauenfeld nach – daneben spielt er im örtlichen Klub Fussball. Doch er merkt schon bald: «Ich will für mich selber verantwortlich sein – und nicht fürs ganze Team.» Schon als kleiner Bub hamstert er im Bassin Goldmedaillen, die Fokussierung fällt ihm leicht. Mit zwölf wechselt er zum SC Uster Wallisellen, einem Schweizer Vorzeigeklub.

2016 fällt die Familie einen wegweisenden Entscheid. Sie zieht aus dem Thurgau nach Uster. Ein Jahr pendelt da Antonio schon zwischen seinem Heimatort und der Schule und dem Hallenbad in Uster – bis die insgesamt vier Stunden Hin- und Rückfahrt zu viel werden. Der Neubeginn fällt nicht allen gleich leicht. Vanna vermisst im neuen Umfeld zunächst ihre Freundinnen. Und beim Vater dauert es etwas, bis er Arbeit findet.

«Heute sind wir hier sehr glücklich», sagt Antonio. Auch wenn sich die Eltern zu Hause gerne erkundigen, wie denn das Training gewesen sei, wird der Schwimmsport am Küchentisch – so gut es geht – aussen vor gelassen. Antonio sagt: «Um abzuschalten und sich auf andere Dinge zu konzentrieren – und die gemeinsame Zeit zu geniessen.»

Vanna und Antonio Djakovic im Hallenbad Uster.
Konkurrenzdenken oder Neid untereinander kennen Vanna und Antonio Djakovic nicht.

Das tun sie übrigens auch jeden Tag im Bassin. «Ich bin glücklich, dass wir noch immer zusammen schwimmen und keiner aufgegeben hat. Das macht uns aus», sagt Antonio. Und da ist noch dieser gemeinsame Traum, der sie antreibt und auch an diesem Morgen im Hallenbad Uster mehrfach zum Thema wird. Die Djakovics wollen die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles zusammen bestreiten.

«Wenn wir das als Geschwister erreichen, wäre das ein grosses Erlebnis», ist er überzeugt. Dafür unterstützen sich die Geschwister, die ein sehr enges Verhältnis pflegen, wobei Antonio sagt: «Als älterer Bruder versuche ich ihr natürlich Tipps zu geben.»

Mit Antonio fühle ich mich stark. Nicht wie die kleine Schwester.

Vanna Djakovic

Von einem Konkurrenzdenken oder Neid ist derweil nichts zu spüren. «Mit Antonio fühle ich mich stark», sagt Vanna, «nicht wie die kleine Schwester.»

Die 17-Jährige ist im Gespräch zwar zurückhaltender als ihr Bruder, aber auch sie weiss ganz genau, was sie als Nächstes anpeilt. Sich möglichst bald für eine Kurzbahn-EM qualifizieren, um sich mit den «Grossen» zu konkurrenzieren. Antonio ist sicher, dass Vannas Pläne aufgehen: «Sie ist auf einem guten Weg.»

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