Darum setzen drei Oberländer Klubs auf neue Trainer
Pfäffikon, Volketswil und Rüti setzen bauen in der Saison auf neue Führungskräfte – die Erwartungen sind entsprechend hoch.
Die Rückrunde in der Oberländer Gruppe 6 hat es in sich. Vorne bringen sich Wetzikon und Pfäffikon im Aufstiegsrennen in Stellung.
Auffällig ist ohnehin: Gleich bei einem Drittel der Teams kam es in der Winterpause zu einem Trainerwechsel. Darunter sind mit Pfäffikon, Volketswil und Rüti auch drei Klubs aus der Region, bei denen es zu einem Wechsel an der Seitenlinie kam. Die Gründe dafür sind unterschiedlich.
FC Pfäffikon: Urs Wolfensberger
Manchmal sagt das Geburtsdatum im Fussball erstaunlich wenig aus. Beim FC Pfäffikon folgte auf den bald 60-jährigen Kurt Kobel mit Urs Wolfensberger (63) ein noch erfahrenerer Trainer – und doch einer, der bei der Mannschaft offenbar schneller wieder den richtigen Draht gefunden hat.
Die Trennung von Kobel nach der Vorrunde begründete der Verein in erster Linie mit internen Themen und einer veränderten Dynamik innerhalb des Teams. Entscheidend sei gewesen, dass die Kommunikation nicht mehr gleich funktioniert habe wie zuvor.
Mit Wolfensberger übernahm ein ausgewiesener Fachmann. Der Wermatswiler bildet als Instruktor im Schweizerischen Fussballverband Trainer aus. Und er war über viele Jahre im Nachwuchs-Spitzenfussball engagiert, unter anderem bei den Grasshoppers, den Young Boys und Rapperswil-Jona. Qualitäten, die nun auch in Pfäffikon gefragt sind – insbesondere im Umgang mit einer jungen Mannschaft.
Dass der Wechsel zumindest kurzfristig Wirkung zeigt, deutete sich bereits in der Vorbereitung an: Die Resultate fielen durchwegs vielversprechend aus. So besiegten die Pfäffiker die oberklassigen Greifensee (2:1) und YF Juventus 2 (4:2).
Wolfensbergers Team muss in der Meisterschaft allerdings auch liefern. Gleich zum Auftakt kommt es zum Verfolgerduell und Derby gegen den FC Wetzikon. Bei einer Niederlage würde der Tabellendritte weiteren entscheidenden Boden verlieren.
FC Volketswil: Francisco «Paco» Sanchez
Volketswils Präsident Nicola Di Muccio spricht davon, dass ihn die Nachricht «wie ein Blitz» erwischt habe: Trainer Antonio Limata gab Anfang Jahr aus persönlichen Gründen seinen Rücktritt bekannt.
Ein Einschnitt – auch sportlich. Seit Oktober 2022 hatte Limata das Team geprägt und mit ihm Spitzenklassierungen in der 3. Liga erreicht. Der Höhepunkt dieser Phase war die Finalqualifikation im FVRZ-Cup. Ausgerechnet auf dem heimischen Griespark verpasste der FCV den Titel dann allerdings Ende Juni auf dramatische Weise im Penaltyschiessen.
Ein halbes Jahr später waren die Verantwortlichen nach dem Rücktritt von Limata zum Handeln gezwungen – und fanden mit Francisco «Paco» Sanchez einen in der Region bestens bekannten Trainer. Der 61-Jährige betreute in der Vergangenheit unter anderem Teams von Weisslingen, Wald, Gossau und Greifensee. Mit letzterem Klub feierte er 2014 den Titelgewinn im FVRZ-Cup.
Zuletzt verlief ein Engagement als Cheftrainer beim FC Linth 04 im Frühjahr 2024 allerdings wenig erfolgreich. Nebst seiner neuen Tätigkeit im FCV ist Sanchez weiterhin als Scout für die Grasshoppers tätig.
In Volketswil übernimmt er vorerst für eine halbe Saison. Präsident Di Muccio spricht von der «besten Notlösung» – und hofft gleichzeitig, dass die «Hochzeit für beide Parteien stimmt».
Sportlich ist die Ausgangslage anspruchsvoll: Nach einer durchwachsenen Hinrunde liegt der FCV nur auf Rang fünf, der Rückstand auf die Spitze beträgt bereits neun Punkte. Die Zielsetzung bleibt dennoch ambitioniert. Man wolle «es allen schwer machen», so Di Muccio – und im Idealfall doch noch einmal vorne angreifen.
Ob Volketswil dies mit Sanchez tatsächlich gelingt, dürfte eine der spannendsten Fragen der Rückrunde werden.
FC Rüti: Andrea Clementi
Beim FC Rüti ist es weniger ein Trainerwechsel als vielmehr ein Neustart. Nach dem sportlichen Absturz mit zwei Abstiegen in kurzer Folge und einer enttäuschenden ersten Saison in der 3. Liga blieb auch im laufenden Jahr die erhoffte Entwicklung aus. Nach der Vorrunde liegen die Oberländer lediglich auf Rang 8 – und damit näher an der Abstiegszone als an der Spitze.
Die Konsequenz: Die Verantwortlichen trennten sich von Cheftrainer Denis Ciardo. Für frischen Schwung soll nun Andrea Clementi sorgen – und der steht sinnbildlich für einen Neuanfang. Der 43-Jährige ist im Aktivbereich als Trainer zwar ein unbeschriebenes Blatt, bringt als ehemaliger Spieler jedoch reichlich Erfahrung mit. Jahrelang stand der Ur-Rütner in der 1. Liga auf dem Platz.
Gerade darin liegt jedoch die Idee. Clementi kennt den Verein – und soll nun eine Mannschaft formen, die sich längerfristig entwickelt. Sportchef Aykut Ugras spricht bereits von einem veränderten Auftreten und ersten Fortschritten, auch wenn die Resultate in der Vorbereitung durchzogen ausfielen.
Ob der eingeschlagene Weg trägt, wird sich allerdings rasch zeigen. Zum Rückrundenstart wartet mit Leader Zollikon gleich eine echte Standortbestimmung auf der Schützenwiese.