Sie geniesst den olympischen Spirit – und will Bronze
Für die Gossauerin Sinja Leemann und das Eishockey-Frauen-Nationalteam geht es im Viertelfinal um alles oder nichts. Wieder steht Finnland im Weg.
Eine intensive Gruppenphase mit vier Spielen in fünf Tagen ist für das Schweizer Frauen-Nationalteam vorbei – Zeit, um kurz durchzuatmen.
Am Samstag zählt jede Kraftreserve: Im olympischen Viertelfinal trifft die Schweiz erneut auf Finnland – jenes Team, das ihr vor vier Jahren im Spiel um Bronze den Sieg wegschnappte und dem sie zuletzt in der Gruppenphase 1:3 unterlegen war. Für die Gossauerin Sinja Leemann ist klar, worauf es ankommt: «Es braucht energiereiche Beine.»
Ihre Arbeit beginnt weit vor dem eigenen Tor. «Finnland ist ein schnelles Team, das man früh stoppen muss», sagt die Stürmerin. «Wir müssen die Verteidigerinnen unter Druck setzen, damit sie nicht gut auslösen können.»
Mehr Durchschlagskraft nötig
Geht es wie vor vier Jahren wieder um Edelmetall, braucht es mehr Durchschlagskraft in der Offensive – auch von Spielerinnen wie Sinja Leemann. Gegen die führenden Nationen Kanada und USA präsentierte sich die Schweiz konkurrenzfähiger als früher, doch die bisherige Ausbeute bleibt überschaubar: sechs Tore in vier Spielen.
«Wir müssen ebenso schnell kontern und selber etwas kreieren», sagt die 23-Jährige, die seit dieser Saison beim SC Bern unter Vertrag steht. «Da können wir uns noch steigern.»
Für Sinja Leemann, die schon weit über 100 Länderspiele bestritten hat, sind es bereits die zweiten Winterspiele. Ihre Olympia-Premiere feierte sie 2022 in Peking – pandemiebedingt unter abgeschotteten Bedingungen.
Umso mehr geniesst sie nun den olympischen Spirit. «Es ist cool, sich im olympischen Dorf zu bewegen. Da läuft man plötzlich mal einem NHL-Spieler über den Weg – das ist nicht alltäglich», sagt sie. Auch habe das Team die Stadt erkundet und unter anderem den Dom besucht.
An Eröffnungsfeier gefehlt
Einziger Wermutstropfen bislang: Die Schweizer Eishockeyspielerinnen durften an der Eröffnungsfeier nicht teilnehmen, nachdem im Team ein Norovirus-Fall aufgetreten war. «Da wären wir sehr gerne dabei gewesen», sagt Leemann. «Doch am Entscheid gab es nichts zu rütteln.»
Sportlich war die Schweiz solide ins Turnier gestartet. Zum Auftakt gelang ein Sieg gegen Tschechien.
Doch nun gilt es, in der K.-o.-Phase nachzulegen. Gefordert ist nicht nur Tempo, sondern auch Robustheit. In der Schweizer Liga sind Checks seit dieser Meisterschaft erlaubt. «International ist alles noch einmal physischer. Man muss immer parat sein», sagt Leemann. Genau diese Intensität dürfte im Viertelfinal den Unterschied machen.