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Eishockey

Sie weiss sich auf dem Eis zu behaupten

Mit 19 Jahren ist Sinja Leemann die jüngste Oberländerin an den Olympischen Spielen. Und doch zählt die Gossauerin bereits zu den bestandenen Grössen im Frauen-Nationalteam.

Sinja Leemann bewährte sich bereits bei der letzten WM gegen Gastgeber Kanada, Sinja Leemann (rechts) und Alina Müller bei der verspäteten Ankunft in Peking., Sinja Leemann im heimischen Gossau.

Foto: Marko Filipovic

Sie weiss sich auf dem Eis zu behaupten

Die letzten Tage vor der Abreise waren nicht einfach. Zuerst wurde Sinja Leemann als einzige Spielerin des Schweizer Eishockey-Nationalteams der Frauen Mitte Januar positiv getestet. Und als die Gossauerin die Reise an die Olympischen Spiele mit den Mitspielerinnen antreten wollte, ergaben die Covid-Tests bei ihr verschiedene CT-Werte, die sich im Grenzbereich für eine Einreise in China bewegten.

Zwei Tage später sassen Leemann und die ebenso betroffene Teamleaderin Alina Müller aber doch noch im Flugzeug nach Peking.

Dem ersten Einsatz vom Donnerstag gegen den viermaligen Olympiasieger und aktuellen Weltmeister Kanada sollte also nichts mehr im Wege stehen. An der letzten WM vom August hatten sich die Schweizerinnen in den beiden Vergleichen achtbar geschlagen (0:5, 0:4).

Für Leemann war es die zweite WM. Und jetzt zählt die 19-Jährige zu den elf Olympia-Debütantinnen im Schweizer Aufgebot – und dürfte dennoch eine tragende Rolle einnehmen. Trotz ihres jugendlichen Alters hat sie 48 Länderspiele bestritten. Bereits mit 16 trug die Oberländerin erstmals das Nationaltrikot – und etablierte sich schnell. An ihrer ersten WM in Finnland 2019 schaffte sie es gleich unter die Top-6-Verteidigerinnen im Team.

Und bei der aufgrund der Pandemie in den Sommer verschobenen Weltmeisterschaft von 2021 hatte Leemann entscheidenden Anteil an der ersten Halbfinal-Qualifikation seit 2012. Sie spielte beim 3:2 gegen Russland in der Verlängerung den entscheidenden Pass zum Siegtor. 

In verschiedenen Rollen

Auch in China wollen die Schweizerinnen eine ernsthafte Rolle im Kampf um eine Medaille spielen. «Es ist eine hohe Messlatte», weiss Leemann. Sie will aber alles dafür tun, um das Kunststück von 2012 zu wiederholen. Damals gelang es den Schweizerinnen im Bronze-Spiel Schweden 4:3 nieder zu ringen.

Leemann dürfte auch bei ihrer Olympia-Premiere vornehmlich in der Verteidigung vorgesehen sein. Das ist insofern bemerkenswert weil sie bei ihrem Verein, den ZSC Lions, im Sturm eingesetzt wird – und die zweitbeste Skorerin (13 Tore, 17 Assists) bei den Zürcherinnen ist.

«Gerade gegen starke Teams ist es interessant Tore zu verhindern und einen guten ersten Pass zu spielen, um aus der Zone zu kommen.»
Sinja Leemann

Sie selbst findet an beiden Rollen gefallen. «Gerade gegen starke Teams ist es interessant Tore zu verhindern und einen guten ersten Pass zu spielen, um aus der Zone zu kommen», sagt sie.

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Mit welcher Musik motiviert man sich für die Olympischen Spiele? Beitrag in Merkliste speichern Überhaupt: Die 1,66 Meter grosse Oberländerin weiss sich auf dem Eis zu behaupten. Über viele Jahre trainierte und spielte  sie bei den Junioren des SC Rapperswil-Jona Lakers (SCRJ). Dazu kam Leemann, wenn es der Spielplan zuliess, bei Weinfelden in der Swiss Women’s League (SWHL) zum Einsatz. Zum Abschluss ihrer Zeit bei den Lakers holte sie mit der U17-Elit noch die Bronzemedaille. 

«Es können nur ganz wenige Frauen auf U17-Elit-Niveau spielen.»
Andrin Christen, Trainer ZSC Lions

«Es können nur ganz wenige Frauen auf U17-Elit-Niveau spielen», sagt Andrin Christen, der sie seit dieser Saison beim ZSC trainiert. Dass Leemann bei den Zürcherinnen sogleich eine Schlüsselrolle einnimmt, kommt deshalb wenig überraschend.

«In der SWHL wird sie hockeytechnisch weniger gefordert.» Dafür sei es wichtig, dass Leemann mehr Verantwortung im Team übernimmt, sagt der Coach.

Laut Christen hat die junge Gossauerin durch ihre läuferischen Qualitäten, Stocktechnik und gutem Passspiel interessante Skills. Diese kommen nicht von ungefähr, trat Leemann doch schon im Alter von vier Jahren nach einem kurzen Versuch im Eiskunstlaufen («Es war nicht meine Welt») den EZO Huskys in Wetzikon bei.

Nach deren Auflösung wechselte sie mit zunächst gemischten Gefühlen in den Nachwuchs des SCRJ, die allerdings schnell wieder verflogen. «Ich fühlte mich wohl und akzeptiert», erinnert sie sich. 

Ausland noch weit weg

Auf der Geschäftsstelle des St. Galler Swiss-League-Klubs machte Leemann zudem auch ihre kaufmännische Ausbildung. Beim SCRJ arbeitet Leemann heute noch einen Tag in der Woche – neben ihrem Studium an der Berufsfachschule Uster. Ein möglicher Wechsel ins Ausland ist deshalb auch für sie derzeit kein Thema. «Ich will zuerst die BMS fertig machen», sagt Leemann.

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Im Olympia-Fragebogen geben die Oberländer Teilnehmer erhellende bis erheiternde Details aus ihre href=”/flag/flag/np8_favorites/3281053?destination=batch&token=WpRcI2HA96TWTgCfZ3_fnKV2bXGXrvZwpAn-emxwIqs” title=”” class=”no-tts use-ajax flag flag-np8_favorites flag-np8_favorites-3281053 action-flag”>Beitrag in Merkliste speichern Für die Zukunft schliesst sie diesen Schritt aber nicht aus. «Wenn ein cooles Angebot kommt», wie sie anmerkt. Immerhin 13 der 23 Nationalspielerinnen des Olympia-Aufgebots spielen in Schweden oder Nordamerika. An Erfahrungswerten für Leemann fehlt es also auch innerhalb des Teams nicht. 

Die Olympischen Spiele dienen da als schönes Schaufenster, um sich wieder einmal einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren.

Nationaltrainer Colin Muller ist erleichtert, dass es mit dem Nachzug von Müller und Leemann alle Spielerinnen in die strenge Olympia-Blase geschafft haben. Und er traut seinem Team mit den Erfahrungen aus der letzten WM, wo das Spiel um Platz 3 gegen Finnland noch 1:3 verloren ging, den nächsten Schritt zu. «Wenn alles gut läuft, sind wir auf Augenhöhe», glaubt er.

Davon ist auch Sinja Leemann überzeugt. Sie sagt: «Alles ist möglich.»

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