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Nach harter Geduldsprobe

Oberländer Langlauf-Hoffnung sieht Morgenröte

Für die Gibswilerin Siri Wigger ist der Start ins 2026 mit aufbauenden Gefühlen verbunden.

Siri Wigger mit ihrem Bruder Nicola im heimischen Skikeller in Gibswil. (Archiv)

Foto: Christian Merz

Oberländer Langlauf-Hoffnung sieht Morgenröte

Für die Gibswilerin Siri Wigger ist der Start ins Jahr 2026 mit aufbauenden Gefühlen verbunden.

Mit einem vergleichbaren Körpergefühl ist Siri Wigger schon lange nicht mehr in ein neues Jahr gestartet. «Alles tipptopp, ich habe nichts zu beklagen», sagt sie deshalb. Die Gibswilerin fühlt sich bereit und will sich als Sportlerin wieder vermehrt beweisen. Sie hat Ziele definiert, hat Ambitionen.

Was normal und naheliegend tönt für eine hochtalentierte Sportlerin, ist es nicht für die 22-Jährige. Der Jahresstart der letzten drei Jahre hatte solches nicht zugelassen. Long Covid hiess die Diagnose.

Ein Startverbot für einen ganzen Winter sprach Nationaltrainerin Caroline Guidon 2023 aus. Und auch die beiden nachfolgenden Saisons forderten Geduld. Erst Ende Februar, Anfang März 2025 konnte sie sich wieder mit der Konkurrenz messen – auf tieferem Level und im Wissen, dass ein «An-die-Grenze-Gehen nicht möglich ist».

Umgang mit Symptomen

Zurückblicken auf die schwere Zeit will Siri Wigger nicht. Vielmehr sagt sie: «Ich befasse mich mit dem Jetzt und der Zukunft.» Die letzten Wochen und Monate verleihen ihr Zuversicht.

Im vergangenen Sommer näherte sie sich bezüglich Umfängen und Intensitäten einer Leistungssportlerin ihres Levels und ihrer Ansprüche. «Ich konnte etwas mehr tun und trainieren als in den Vorjahren», sagt sie. Allerdings: Hochintensive Einheiten lässt ihr Körper nach wie vor nicht zu.

Um «eine stete Gratwanderung» handelt es sich. Es geht ums Finden einer Balance und darum, diese jeweils schnell und adäquat anzupassen. Von Trainer Toni Livers – dem Ex-Topläufer und heutigen Nachwuchschef bei Swiss-Ski – sowie Mutter und Förderin Silvia Wigger-Honegger erhält sie kompetente Unterstützung.

Selber achtet sie feinfühlig auf Symptome. Schaut in sich hinein. Konstatiert, wie der Körper auf Belastungen reagiert. Etwa, ob sich die Pulswerte bei Belastungen wie auch im Ruhezustand im Normalbereich bewegen. Und ob zum alltäglichen Halsweh zusätzliche Erkältungsanzeichen hinzukommen. Ist dies der Fall, ist sofortiges Zurücknehmen angesagt. Das Setting scheint zu funktionieren. «Wir haben einen Weg gefunden, und wir bewegen uns auf diesem mit einer erfreulichen Konstanz», sagt sie.

Wieder hohe Ziele

In diesem Winter ist Siri Wigger planmässig unterwegs. Zwar reiste sie Ende November weder mit dem Nationalteam zum Weltcup-Auftakt nach Skandinavien, noch bestritt sie Rennen am Heim-Weltcup in Davos Mitte Dezember. Aber über die untergeordneten Wettkampfserien, den Continental Cup (COC) und den Swiss Cup, positionierte sie sich. «Ich habe ganz okay begonnen», sagt sie. Und mit schwingt die Hoffnung auf mehr. «Die Formkurve soll weiter ansteigen», sagt Siri Wigger.

Die Kämpferin baut darauf, dass es ihr mit Livers gelingt, das Training auch in der Wettkampfsaison so zu steuern, dass sie keine Rückschläge hinzunehmen hat. Und gleichzeitig sagt sie: «Ich muss mit meinem Jetztzustand leben und das Beste daraus machen.»

So anspruchsvoll die Gegebenheiten für Siri Wigger nach wie vor sind, ein riesiger Pluspunkt begleitet sie weiterhin: die Freude an ihrer Sportart und an ihrem Sportlerinnenleben. Das trägt. Zunehmend kombinieren kann sie das Limitierende mit ihrem Leistungswillen und ihrer Ungeduld, ihrem Ehrgeiz.

Zuversichtlich sagt sie: «Ich bin überzeugt, dass mir in diesem Winter noch bessere Leistungen und somit auch Resultate glücken.»

Aufsteller am Wochenende

Und gerade der vergangene Sonntag mit dem COC in Seefeld (AUT) sorgte für einen Aufsteller: Platz 9 im Massenstartrennen über 20 km. Drittbeste Schweizerin war sie da hinter Marina Kälin (2.) und Giuliana Werro (4.).

Mit dem Traum eines Starts beim Heim-Weltcup im Goms von Ende nächster Woche wird es dennoch nichts. «Ich habe noch zu wenige Fis-Punkte», sagt sie. Am Hauptziel des Winters ändert sich indes nichts: die U23-Weltmeisterschaften von Anfang März in Lillehammer (NOR). Der späte Termin dürfte ihr entgegenkommen.

Sowieso kein Thema sind die Olympischen Spiele im Februar. Dauerpräsent sind diese dennoch: Ihr zwei Jahre älterer Bruder Nicola ist im Kampf um die raren Schweizer Startplätze. Siri Wigger fiebert mit. Er ist nicht nur ihr Bruder, sondern Bezugsperson und Mitglied derselben Trainingsgruppe. Sie sagt dazu: «Es baut mich auf, wenn ich jemand Nahestehenden habe, der dasselbe tut.»

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