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Stirnimann hört auf

Der EHC Dübendorf muss auf Trainersuche

Reto Stirnimann orientiert sich nach neun Jahren im EHCD beruflich neu – und der Klub muss einen Trainer finden, der viel mehr ist als nur Headcoach des Fanionteams.

Er verlässt den EHC Dübendorf: Die neunte Saison ist für Reto Stirnimann die letzte. (Archiv)

Foto: Christian Merz

Der EHC Dübendorf muss auf Trainersuche

Reto Stirnimann orientiert sich nach neun Jahren im EHCD beruflich neu – und der Klub muss einen Trainer finden, der viel mehr ist als nur Headcoach des Fanionteams.

Das gibt es nicht oft: Der EHC Dübendorf muss einen neuen Trainer für seine 1. Mannschaft suchen. Reto Stirnimann hört nach neun Jahren auf. In den letzten 25 Jahren hatte der EHCD nur drei verschiedene Cheftrainer: Christoph Schenk (2001 bis 2015), Andrea Cahenzli (2015 bis Oktober 2017) und eben Stirnimann. Im Frühling geht seine Ära nun zu Ende.

Letzten Samstag nach dem 2:0-Sieg im Derby gegen den EHC Wetzikon informierte Stirnimann das Team über seine Pläne. «Das hat mich emotional sehr bewegt», sagt er. «Die Jungs haben mich mit grossen Augen und offenem Mund angeschaut. Sie haben es nicht erwartet.»

Bemerkenswert ist: Stirnimann bleibt in Dübendorf und wechselt nicht zu einem anderen Verein. Er hört aber mit dem Eishockey auf und arbeitet künftig als Bereichsleiter Kunsteisbahn bei der SFD AG, die in Dübendorf die Sportanlagen betreibt. «Es hat sich eine attraktive Möglichkeit ergeben, mich beruflich neu zu orientieren», sagt Stirnimann.

Attraktiv deshalb, weil sie ihm mehr Sicherheit bietet als die im Sport üblichen Einjahresverträge. Und die Arbeitszeiten dürften auch etwas geregelter sein als im Eishockey. «Ich bin auch nicht mehr der Jüngste», sagt Stirnimann, der vor zehn Tagen seinen 51. Geburtstag feierte.

Vollgas bis zum Schluss

Und doch ist es speziell, dass der Davoser, der als Spieler mit den ZSC Lions zweimal Meister wurde, seiner Leidenschaft den Rücken kehrt. Zumal das Dübendorfer Fanionteam so gut dasteht, wie schon lange nicht mehr, und im zweiten Jahr nach dem Wiederaufstieg an der Spitze der MHL mitmischt.

Was man aber wissen muss: In der Struktur des EHCD ist die 1. Mannschaft nur ein Teil des Aufgabenbereichs des Cheftrainers. Die Hauptsache der Arbeit besteht aus viel Administrativen. Stirnimann koordiniert die Eisbelegung, ist zuständig für Trainings- und Spielplanung, kümmert sich um die Lizenzierung – und das nicht nur im EHCD, sondern auch für die Nachwuchsteams von Partnerklub Wallisellen.

«Es ist eine Riesenverantwortung», sagt Stirnimann. Eine, die er genug lange getragen hat. «Ich habe einige Dinge anders strukturieren können und bin ziemlich pingelig. Doch jetzt ist es ausgereizt. Und es ist Zeit für ein neues Gesicht, das den Nachwuchs weiterbringt.»

Mit dem Fanionteam habe sein Entscheid nichts zu tun, sagt Stirnimann. «Wir sind auf dem richtigen Weg», findet er.

Das war nicht immer so. Unter Stirnimann holte der EHCD im Frühling 2018 zwar den ersten Meistertitel in der damals neu eingeführten höchsten nationalen Amateurliga. Doch 2023 stand der Davoser auch bei einem der Tiefpunkte der jüngeren Vereinsgeschichte an der Bande, dem Abstieg in die 1. Liga. Der Klub hielt an Stirnimann fest, die Dübendorfer schafften den direkten Wiederaufstieg, qualifizierten sich gleich auch wieder für die MHL-Playoffs und liegen nun nach knapp einem Drittel der Qualifikation auf dem zweiten Rang.

«Es ist toll, wie die Mannschaft funktioniert», sagt Stirnimann. «Das ist nicht selbstverständlich. Jeder stellt sich in den Dienst des Teams, jeder rennt für den andern.» Dass er trotz des Abgangs per Ende Saison motiviert ist, das betont Stirnimann: «Ich werde Vollgas geben, so lange ich hier bin.»

Viel Arbeit auf wenige Köpfe verteilt

EHCD-Sportchef Urs Wüst bezweifelt das nicht: «Ich bin sicher, dass er bis zum Schluss einen super Job machen wird», sagt er. Wüst war überrascht, als Stirnimann ihn über seinen Rücktritt informierte. «Wir hatten eine gute Zeit. Leider geht sie zu Ende – es war klar, dass dieser Moment irgendwann kommen würde. Wir müssen seinen Entscheid akzeptieren.»

Wüst, der 2026 sein 30-Jahr-Jubiläum als EHCD-Sportchef feiert, muss nun einen neuen Chefcoach suchen – und dabei eben auch nicht nur den sportlichen Weg des Fanionteams im Blick haben, sondern den ganzen Verein. «Wir müssen auch eine Analyse vornehmen, wie die Arbeiten verteilt werden», sagt Wüst.

Zwei Profitrainer sind derzeit im EHCD angestellt, neben Stirnimann auch Nachwuchs-Cheftrainer Philipp Winzig. Wüst sagt: «Wir haben Jobprofile erstellt und dabei festgestellt, dass wir eigentlich 2,3 bis 2,5 Profitrainer brauchen würden, um alles bewältigen zu können.»

Froh ist der Sportchef über die Tatsache, dass Stirnimann seinen Entscheid schon jetzt getroffen und kommuniziert hat. «So haben wir genügend Zeit, das ist sehr positiv.» Und er hofft natürlich, dass die Nachricht in der Mannschaft eine «Jetzt erst recht»-Reaktion auslöst.


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