Für Schlumpf hat der Sieg eine Boost-Wirkung
Mit einem klugen Rennen sicherte sich die beste Schweizer Strassenläuferin Fabienne Schlumpf den Sieg im Hauptrennen. Bei den Männern setzte sich der Kenianer Kibil Kimutai durch.
Strahlend, entspannt, in Siegerpose überquerte Fabienne Schlumpf nach den 21,1 km um den Greifensee die Ziellinie auf der Zürichstrasse in Uster. Nach kurzem Durchatmen bestätigte sie den visuellen Eindruck auch verbal: «Wunderbar, es macht mir grosse Freude, wies heute gelaufen ist.» Nicht nur die Siegerzeit von 1:12:22 Stunden unterstreicht dies. Auch das Körpergefühl war «vom ersten bis zum letzten Meter vorzüglich». Als «einen Schritt besser als vor zwei Wochen» bezeichnete sie das Rennen. Damals gewann sie in Sarnen um den Sarnersee über dieselbe Distanz mit einer um 2:50 Minuten längeren Zeit.
Stellt sich die Frage: Hat Fabienne Schlumpf in der Zwischenzeit derart eklatante Fortschritte gemacht? Die routinierte Läuferin lächelt und nickt. Gleichzeitig weist sie auf einen weiteren Faktor hin: «Ich war ein wenig besser erholt.» Heisst? Damals trat sie nach einer harten Marathon-Vorbereitungswoche an, nun nach einer «normalen». Doch eines betonte sie: «Der Weg ist das Ziel, die Zeit spielt weder hier in Uster noch in Sarnen eine Rolle.» Den Greifenseelauf bestritt sie anstelle eines Intervalltrainings. Sie wusste es zu schätzen: «Das hat viel mehr Spass gemacht.»
Da war die lautstarke und zahlreiche Unterstützung vom Streckenrand, da waren die vorzüglichen Bedingungen, da war «das ganze Setting des Greifenseelaufs».
New York im Kopf
Aber: Greifenseelauf-Sieg hin oder her, im Kopf von Fabienne Schlumpf zielt alles auf den Sonntag in sechs Wochen, den 2. November. Dann will die 34-Jährige ihr Potenzial ausschöpfen und ein Topresultat beim «Marathon der Marathons» erreichen. Lachend sagt sie: «Ich habe die Messlatte hoch angesetzt.» Letztes Jahr belegte sie den hervorragenden fünften Schlussrang.
Das aufbauende Resultat des Greifenseelauf und die damit empfundenen Gefühle nimmt Schlumpf mit. Am Laufklassiker Murten–Freiburg am ersten Oktobersonntag sucht sie eine weitere Standortbestimmung.
Fabienne Schlumpf zeigte um den Greifensee eine eindrückliche Leistung. Sie liess sich nicht beeindrucken durch den Blitzstart der Kenianerin Vivian Cheruiyot. Vielmehr vertraute sie auf ihre eigenen Körpersignale. Und die Taktik machte sich bezahlt: Bei Riedikon (Kilometer 15) holte sie die Führende ein und liess sie schnell stehen.
Mit einem komfortablen Vorsprung von 1:03 Minuten erreichte sie das Ziel. 3:51 Minuten zurück lief die Rheintalerin Sereina Scherzinger auf Rang 3. Die Ustermerin Andrea Meier verpasste das Podest als Vierte um 1:24 Minuten. Und noch ein Vergleich: Schlumpf war im Vergleich zum Vorjahr (2.) 59 Sekunden schneller – trotz hoher Temperaturen.

Eindrücklicher Vierfach-Olympiasieger
Bei den Männern schwand die Möglichkeit auf einen heimischen Sieger sehr schnell. Zu überlegen präsentierten sich die Afrikaner. Kibil Kimutai (Ken) war mit 1:05:18 Stunden der Schnellste.
Als bester Schweizer klassierte sich Stefan Trummer (Spiez) auf Rang 7 (1:10:02). Nach einer Verletzungspause feierte der Routinier einen «tollen Erfolg». Und er sieht sich in einem vielversprechenden Umfeld: Der drittplatzierte Hamse Dhabar ist regelmässiger Trainingspartner.
Dahinter imponierte vor allem ein Name: Dario Cologna. Der nach dem Olympia-Winter 2022 zurückgetretene vierfache Langlauf-Olympiasieger (2010, 2014 (2x) und 2018) hat nun als «Hobbyläufer» an der Herausforderung Marathon Gefallen gefunden. Am Greifenseelauf platzierte er sich mit Rang 11 mitten in der Schweizer Langstreckenelite – unmittelbar 1:12 Minuten hinter Armin Flückiger, 35 Sekunden hinter Julien Wanders, 2 Sekunden hinter dem Ustermer Simon Tesfay – und 16 Sekunden vor dem Triathleten Noé Di Bari (Weisslingen).
Cologna schmunzelte: «Ja, für einen schweren Langläufer ist das ganz akzeptabel.» Zum Staunen veranlassten ihn aber «die vielen Naturwege mit den landschaftlichen Reizen». Indes, auch für Cologna war der Greifenseelauf eine Zwischenstation. Sein Ziel: der Valencia Marathon Anfang Dezember. Dort will er seine Marathon-Bestzeit von 2:22:51 Stunden vom letzten Jahr gleichenorts herunterdrücken.

Und herauszuheben ist: Trotz Topleistungen und Spitzenzeiten bei den Besten, das prächtige Spätsommerwetter entsprach in den seltensten Fällen den Wünschen der Läuferinnen und Läufer.
Trotz dem Vormittagsstart des Halbmarathons entwickelte er sich zu einer Hitzeschlacht – was auch für die 5,5 und die 10 km (am Mittag/Nachmittag) gilt. Folge davon: Besonders gefordert war die Sanitätsequipe.
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