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Nicole Koller im Interview

«Das ist schön, bringt aber auch mentalen Stress mit sich»

Nicole Koller aus Laupen gehört seit dieser Saison zur Mountainbike-Weltspitze. Die 28-Jährige spricht über ihre beiden EM-Medaillen – und über die Heim-WM.

Nicole Koller in Jubelpose an der EM im portugiesischen Melgaço. Die Laupnerin ist derzeit die beste Schweizer Mountainbikerin.

Foto: Keystone

«Das ist schön, bringt aber auch mentalen Stress mit sich»

Nicole Koller aus Laupen gehört seit dieser Saison zur Mountainbike-Weltspitze. Die 28-Jährige spricht über ihre beiden EM-Medaillen – und über die Heim-WM.

EM-Silber im Short Track, EM-Bronze im Cross-Country – was bedeuten Ihnen mit einigen Tagen Distanz diese Erfolge?

Nicole Koller: Es ist sehr schön, vor allem weil ich in beiden Rennen eine bessere Platzierung erreicht habe als an der EM vor einem Jahr (da holte sie Bronze im Short Track und wurde Vierte im Cross-Country – die Red.). Natürlich hoffte ich, dass ich noch um mehr kämpfen kann. Aber Zweite und Dritte muss man ja auch zuerst einmal werden – ich bin superhappy damit.

Die EM-Medaillen bestätigen Ihre starke Saison, sie waren immer in den Top 8 und sind im Gesamtweltcup nach sechs von zehn Stationen Zweite. Wie überraschend kommt diese Konstanz für Sie?

Es war schon in der Vergangenheit so: Wenn ich mal ein Level hatte, konnte ich es halten – ausser bei Verletzungen oder Krankheiten. Immer zu den Podestkandidatinnen zu gehören, damit hatte ich mich noch nie befasst. Ich glaubte eigentlich selber nicht, dass das möglich ist. Doch ich habe es mir selber nun ein paar Mal bewiesen und bin mittlerweile etwas mehr der Überzeugung, dass ich das auch noch für den Rest der Saison durchziehen kann.

Immer Podestkandidatin zu sein – fühlen Sie sich wohl in dieser Situation?

Ja, auf jeden Fall. Es ist eine sehr schöne Situation. Sie bringt auf der andern Seite aber auch mentalen Stress mit sich. Plötzlich hat man auch noch den Rang im Gesamtklassement im Kopf und wirft auch ein Auge darauf, nicht zu viel zu verlieren. Diesen Stress hatte ich noch nie. Früher waren Durchbruch-Resultate das Ziel. Jetzt kann ich mit Konstanz brillieren, was aber auch an der mentalen Frische zehrt.

Da dürfte es wie gerufen kommen, dass zwischen EM und nächstem Weltcup ein Monat Pause ist.

Ja, ich war nun einige Tage in den Ferien, habe etwas Abstand nehmen können und mich mit Dingen beschäftigt, die im Athletenleben normalerweise etwas zu kurz kommen. Ich will auch jetzt noch versuchen, so viel Zeit wie möglich mit Freunden und Familie einzubauen – doch bis die Saison zu Ende ist, bin ich nur noch drei Wochen zu Hause. Nun beginnt der Aufbau für meine Saisonhighlights, die Heim-WM im Wallis und der Weltcup in Lenzerheide. Ich versuche, mich möglichst gut vorzubereiten, aber die Sache trotzdem entspannt anzugehen und mich nicht unter Druck zu setzen.

Stichwort Druck: Sie sind die beste Schweizerin im Weltcup, die Erwartungshaltung an der Heim-WM wird hoch sein, auch vom Publikum. Wie gehen Sie damit um?

Es ist eigentlich eine dankbare Situation. Ich durfte lange im Schatten von anderen Schweizerinnen wachsen. Jetzt bin ich in der Situation, in der das Augenmerk eher auf mir liegt. Trotzdem gibt es viele andere Schweizerinnen, die an wichtigen Events schon Erfolge feierten. Es gab an Olympia ein reines Schweizer Podest, wir haben mehrere Weltmeisterinnen im Team. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Erwartungshaltung auf mir lastet, sondern sie ist auf mehrere Personen verteilt. Das stresst mich überhaupt nicht.

Was können Sie aus der EM im Hinblick auf die WM für eine Lehre ziehen?

Ich bin das erste Mal Rennen gefahren, an denen ich mir mental sehr viel zutraute. Und ich habe im Rennen gemerkt, dass ich damit gut umgehen kann. Es gab früher Momente, in denen mir das im Weg gestanden wäre. Das sind wie kleine Siege, die für mich mehr Bedeutung haben als alles andere. Das werde ich sicher mitnehmen für die WM.

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