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Fussballprofi aus Gossau

«Wenn du dreimal nicht gewinnst, dann brennt der Baum»

Roberto Alves lebt seinen Traum in Polen. Im Gespräch erzählt der 28-Jährige, weshalb er seinen Vertrag verlängert hat, wie er mit dem Druck zurecht kommt und warum die Ekstraklasa besser als die Super League ist.

Der Oberländer Roberto Alves gehört bei Radomiak Radom bereits zu den dienstältesten Akteuren.

Foto: PD

«Wenn du dreimal nicht gewinnst, dann brennt der Baum»

Fussballprofi aus Gossau

Roberto Alves lebt seinen Traum in Polen. Im Gespräch erzählt der 28-Jährige, weshalb er seinen Vertrag verlängert hat, wie er mit dem Druck zurechtkommt und warum die Ekstraklasa besser als die Super League ist.

Roberto Alves spielt seit 2022 für Radomiak Radom in der höchsten polnischen Liga Ekstraklasa. Erst Ende Juni hat der Gossauer dort einen neuen Zweijahresvertrag unterschrieben. Knapp drei Wochen später steht für ihn am Sonntag bereits der Saisonstart gegen Pogoń Stettin an. «Als Spieler freue ich mich über die kurze Vorbereitung. Da muss man weniger leiden», sagt der offensive Mittelfeldakteur mit einem Augenzwinkern.

Roberto Alves, erst kurz vor Meisterschaftsauftakt haben Sie den Vertrag bei ihrem Klub verlängert. Warum fiel Ihre Entscheidung so spät?

Nach drei Jahren in Polen wäre es für mich schon interessant gewesen, etwas Neues auszuprobieren. Mein Berater-Team und ich haben uns deshalb auch anderweitig umgeschaut, ob sich was ergibt. Doch nach Gesprächen mit Präsident, Trainer und Sportchef habe ich mich für einen Verbleib entschieden. Ich bin nun sogar hinter Vereinslegende Leandro, der mit fast 37 kaum mehr spielt und im Winter aufhört, ins Captain-Team aufgestiegen.

Weshalb hat es denn nicht mit einem Wechsel geklappt?

Das hat auch mit meiner Adduktorenverletzung zu tun, wodurch ich nach einer Operation über ein halbes Jahr ausgefallen war. In der letzten Saison habe ich zwar wieder viel gespielt. Doch heute zählt vor allem die Statistik – also Tore und Assists. Und da war ich für einmal nicht auf meinem Level. Es gab zwar schon Angebote. Allerdings vor allem aus exotischen Ländern. Und auch Kontakt in die Schweiz. Am Ende bot mir Radomiak aber das beste Gesamtpaket.

Wie ist eigentlich die Qualität der Ekstraklasa?

Sie wird jede Saison besser. Die Intensität war schon immer hoch. Mittlerweile hat sich auch im spielerischen Bereich einiges getan. Weil immer mehr Fussballer aus dem lateinischen Raum nach Polen wechseln. Es ist für mich daher auch keine Überraschung, dass die Liga ein höheres Ranking als die Schweizer Super League hat.

Radomiak könnte also hier gut mithalten?

In der Schweiz ist der Fussball mehr vom technisch-taktischen geprägt. Hier in Polen ist beispielsweise viel weniger Zeit vorhanden, um zentral in eine offene Position zu drehen. Wir könnten sicher mit unserem Team im Mittelfeld der Super League mithalten.

Für einen einstelligen Tabellenplatz reichte es Ihrem Klub in den letzten drei Saisons allerdings nie. Was sind die Gründe dafür?

Der Verein ist noch recht jung. Und er ist vielleicht sogar etwas zu schnell in die höchste Liga aufgestiegen. Es wurden zudem auch falsche Entscheidungen getroffen. Doch nun geht es in die richtige Richtung. Der neue Sportchef macht gute Arbeit, und die Infrastruktur wird immer besser. Ein Trainingscampus ist am Entstehen. In Kürze ist unser neues Stadion fertig gebaut. Es ist eine sehr schöne Arena – ähnlich der des FC St. Gallen mit einem Fassungsvermögen um die 15’000 Plätze.

Roberto Alves, Fussballprofi aus Gossau ZH, spielt bei Radomiak Radom in Polen.
Ein Spieler für die stehenden Bälle: Roberto Alves hat bei Radomiak Radom eine zentrale Rolle inne.

Wie ist generell die Stimmung in den Stadien?

Bei uns hatten ja bis anhin knapp 8000 Fans Platz. Es fühlt sich aber nach viel mehr an. Es ist so laut, dass selbst die Kommunikation auf dem Platz schwierig ist. Die Reisen zu den Auswärtsspielen sind zum Teil recht lang. Um so schöner sind aber die Partien. Am liebsten spiele ich bei Legia Warschau, mit deren Fans unsrige sogar befreundet sind. Und vor allem gegen Lech Posen vor 40’000 Zuschauerinnen und Zuschauern. Für uns ist zudem das Derby gegen Korona Kielce ganz wichtig. Das haben wir in der letzten Meisterschaft zweimal gewonnen. Dann tragen dich Fans so quasi durch die Stadt.

Wie gross ist der Druck von aussen?

Mit dem musste ich erst lernen umzugehen. Gerade wenn man vom FC Winterthur kommt (Alves schaffte mit dem FCW den Aufstieg in die Super League – die Red.). Es gilt jedes Wochenende abzuliefern. Sonst hast du recht schnell die Leute im Nacken. Es ist wenig Geduld vorhanden. Wenn du dreimal nicht gewinnst, brennt bereits der Baum. Nicht nur bei uns. In Polen wird viel schneller der Trainer gewechselt. Ich habe hier in Radom auch schon den fünften.

Apropos Trainer. Er ist wie der Sportchef ein Portugiese. Wie wird bei Radomiak in der Kabine gesprochen?

Das ist ein Gemisch aus englisch, portugiesisch und polnisch. Dazu kommen einige Französisch-Sprechende.

Und wie steht es um Ihr polnisch?

Ich bin ein Mensch, der nur schon aus Respekt vor den Leuten die Sprache lernen will. Doch es ist schwierig. Ich kann mich aber im Alltag mit Stichworten schon durchschlagen.

Wie präsent ist denn Radomiak im Alltag der Bevölkerung?

Schon sehr. Wenn ich beispielsweise für einen Kaffee in ein Shopping-Center gehe, werde ich oft für Selfies angesprochen. Auch die Medien sind präsent. Es sind immer zwei bis drei Journalisten beim Training.

Am Sonntag beginnt die Saison in der Ekstraklasa, als eine der ersten Ligen in Europa überhaupt – was ist möglich?

Wir wissen, woher wir kommen, und spielten zuletzt meist eher gegen den Abstieg. Doch wir haben einige neue Spieler. Die Liga ist sehr ausgeglichen – und jeder kann gegen jeden gewinnen. Ich denke daher, dass ein Platz im vorderen Mittelfeld machbar wäre.

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