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Er blickt ohne Groll nach vorne

Sandro Stroppa galt bei der Wahl zum Präsidenten des Schweizerischen Fussballverbands als Favorit. Doch kurz vor der Entscheidung nahm sich der Effretiker aus dem Rennen.

Auf dem Effretiker Eselriet ist Sandro Stroppa nur noch wenige Male im Jahr. (Archiv)

Foto: Christian Merz

Er blickt ohne Groll nach vorne

Fussballfunktionär aus Effretikon

Sandro Stroppa galt bei der Wahl zum Präsidenten des Schweizerischen Fussballverbands als Favorit. Doch kurz vor der Entscheidung nahm sich der Effretiker aus dem Rennen.

Der Rückzieher von Ende letzter Woche ist überraschend gekommen. Kurz vor der Wahl des neuen Zentralpräsidenten des Schweizerischen Fussballverbands (SFV) macht Sandro Stroppa diesen bekannt. «Nach reiflicher Überlegung habe ich beschlossen, meine Kandidatur zurückzuziehen», sagt der Effretiker.

Entscheidenden Anteil daran hatte ein Beschluss der Abteilung Erste Liga. Deren Vereine sprachen sich zuvor an ihrer Versammlung für Peter Knäbel aus, den Kandidaten der Swiss Football League (SFL).

Dazu muss man wissen: Im schweizerischen Dreikammersystem wird der Verbandspräsident durch die Profis der SFL (28 Stimmen), der Ersten Liga (sie organisiert die Promotion League und die 1. Liga, 26) sowie der Amateurliga (47), die Vertreter der 13 Regionalverbände, gewählt. Zwei der drei Abteilungen im SFV legten sich also öffentlich für Knäbel fest.

«Natürlich war zuerst eine grosse Enttäuschung da», sagt Stroppa. Der 55-Jährige freute sich aber auch über die vielen positiven Nachrichten, die er auf seine Bekanntgabe erhielt. Und betont gleichzeitig: «Nun werde ich Peter Knäbel unterstützen.»

Von Stroppas Kehrtwende etwas überrumpelt wurde Oliver Ziegler – mit diesem verbindet ihn eine rund 35-jährige Beziehung als Spieler und Funktionär im FC Effretikon. «Da habe ich schon grosse Augen gemacht», sagt er. Über die Gründe des Rückzugs seines Kollegen will er nicht spekulieren. Vielmehr streicht er Stroppas Schaffen heraus. «Er hat die Gabe, die Leute von seinen Ideen zu überzeugen.»

In Erinnerung bleibt da insbesondere die Sanierung des Sportzentrums Eselriet. Stroppa hatte damals als Präsident des FCE und Mitgründer vom Dachverband der Illnau-Effretiker Sportvereine wesentlichen Anteil an der Umsetzung dieses Projekts.

Der «Tellerwäscher-Kandidat»

Zurück zur Gegenwart: Stroppas Entscheidung veränderte auch die Pläne dieser Redaktion. Fast zwei Stunden nahm er sich einen Tag vor der erwähnten Erstliga-Versammlung in einem Café am Zürcher Hauptbahnhof Zeit. Schon da äussert Stroppa sich im Gespräch bezüglich seiner Wahl eher defensiv. «Die Chancen stehen 50 zu 50», sagt er.

Zu einem noch ungünstigeren Zeitpunkt kam sein Entscheid aber für das Fussballmagazin «Zwölf». Just am Tag seines Rückzugs lag die neuste Ausgabe mit je einem Interview der beiden Kandidaten in den Briefkästen der Abonnenten. Der Titel der Story: «Leaderwechsel».

Zumindest ist «Leaderwechsel» noch immer stimmig. Stroppa galt nämlich lange als Favorit. Der «Blick» fragte noch vor wenigen Wochen: «Wird Tellerwäscher-Kandidat zu unserem obersten Fussball-Boss?» Er zeichnete das Bild des Sohns eines italienischen Einwanderers, der es, in einfachen Verhältnissen aufgewachsen, nach oben schaffte.

Beruflich hat Stroppa heute beim grössten Schweizer Lebensversicherungskonzern eine Führungsposition inne. Als Funktionär präsidierte er den FC Effretikon, wurde dann Chef des Fussballverbands der Region Zürich (FVRZ). Und stieg die Karriereleiter weiter hoch – in die SFV-Abteilung Amateurliga, der er seit 2019 vorsteht.

Nicht nur Freude am Wechsel hatte Patrick Meier, der damalige Geschäftsführer beim FVRZ. «Bis man die Abläufe eines so grossen Verbands kennt, dauert es nicht nur ein Jahr. Erst so richtig angekommen, war er leider wieder weg», erinnert er sich.

Für ihn wäre Stroppa aber «ein guter Präsident von der Basis gewesen». Gleichzeitig hat Meier viel Respekt für dessen Entscheid übrig. «Wenn Sandro den Rückzieher wegen der guten Zusammenarbeit mit Peter im Sinne des Fussballs gemacht hat, dann kann ich nur den Hut ziehen», sagt er.

Sandro Stroppa hat grosse Verdienste um die Sportanlage Eselriet in Effretikon. (Archiv)

An die Spitze der Amateurliga kam Stroppa durch die Wahl seines Vorgängers Dominique Blanc zum Präsidenten des SFV. Dieser war an der Delegiertenversammlung dem Vertreter der Ersten Liga vorgezogen worden. Sechs Jahre später schien es zunächst, als könnte sich mit Stroppa erneut der Vertreter aus dem Breitenfussball durchsetzen.

Der als guter Netzwerker geltende Effretiker hatte seine Kandidatur schon vor einem Jahr bekannt gegeben – und dafür eine Website aufgeschaltet.

Dort präsentierte er einen Fünfpunkteplan. Seinen Fokus legte er auf die fehlenden Trainingsplätze der Vereine, die Förderung des Spitzenfussballs und den Frauenfussball. Vor allem wollte Stroppa die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Abteilungen im Verband verbessern.

Der bekannte Gegenspieler

Bis die Swiss Football League ihren Kandidaten ins Rennen schickte, dauerte es. Sie handelte sich zunächst eine Absage des früheren Basel-Präsidenten Bernhard Heusler ein. Und präsentierte dann trotzdem im vergangenen Oktober mit Peter Knäbel ein bekanntes Gesicht.

Der bald 59-Jährige lief als Profi in der Bundesliga auf und verschaffte sich später als Spieler und Funktionär einen Namen im Schweizer Spitzenfussball. So war der Deutsche von 2009 bis 2014 auch Technischer Direktor beim SFV.

Hinterher hatte er leitende Funktionen bei den grossen Traditionsvereinen Hamburger SV und Schalke 04 inne. «Peter hat vom technischen Verständnis her mehr Tiefe. Das ist unbestritten. Doch ich bin insgesamt breiter aufgestellt», findet Stroppa.

Nur eben: Ähnlich wie bei einer Bundesratswahl kann auch im SFV mit seinen drei Kammern und vielen Eigeninteressen im Vorfeld eines solchen Entscheids einiges passieren. Überzeugungsarbeit und Lobbyismus sind da gefragt.

Der Effretiker steckte neben dem Beruf und seiner Funktion als Amateurliga-Präsident viel Zeit in den Wahlkampf. An drei von vier Wochenenden im Monat sei er unterwegs, betonte der zweifache Familienvater.

Bei Stroppa ist aber selbst nach seinem Rückzug kein Gram spürbar. Im Gegenteil: Vielmehr spricht er von den vielen guten Erfahrungen im letzten Jahr, richtet den Blick nach vorne – und verspricht: «Ich werde weiter mit vollem Engagement als Präsident der Amateurliga tätig sein.»

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