Gesellschaft

Ein nächster Versuch

Sie will Turbenthal das Sticki Kaffee zurückgeben

Monika Di Benedetto erfüllt sich mit der Wiedereröffnung des Sticki Kaffees in Turbenthal den Traum von Dolce Vita und einem Treffpunkt für alle.

Monika Di Benedetto will mit ihrem Café ein Stück «authentisches Italien» nach Turbenthal bringen.

Foto: Simon Grässle

Sie will Turbenthal das Sticki Kaffee zurückgeben

Ein Hauch Sizilien in Turbenthal: Monika Di Benedetto erfüllt sich mit der Wiedereröffnung des Sticki Kaffees den Traum von Dolce Vita und einem Treffpunkt für alle.

Monika Di Benedetto hat einen Traum: ein grosser Tisch, an dem viele unterschiedliche Menschen sitzen, gemeinsam essen, plaudern und das Leben geniessen. Eine gemütliche Stube als Treffpunkt, wo Dolce Vita und Italianità auf der Tagesordnung stehen.

Schaffen will die 49-Jährige diesen Ort mitten in Turbenthal, genauer im Sticki Kaffee im Dorfzentrum. Das Lokal in der geschichtsträchtigen ehemaligen Stickerei ist seit Ende letzten Jahrs verwaist. Die damaligen Betreiber, Tiziana und Patrick Bernheim, hatten sich schweren Herzens für eine Schliessung entschieden.

Der Grund: fehlende Laufkundschaft und ausbleibende schwarze Zahlen. Dabei war das Konzept vielversprechend: italienische Kaffeekultur, die auf passende Snacks oder Desserts trifft. Eine, bei der es besonders grossen Anklang gefunden hatte, ist Monika Di Benedetto.

«Ich habe eine riesige Schwäche für Italien», outet sie sich als Fan unseres südlichen Nachbarlands. Besonders Sizilien hat es ihr angetan, die Heimat ihres Ex-Mannes. «Irgendwann will ich dorthin auswandern», steht für sie fest. Bis es so weit ist, will die Turbenthalerin in ihrer Heimat für italienisches Flair sorgen.

«So habe ich nicht mehr das ganze Jahr über Fernweh», meint sie mit einem Augenzwinkern. Di Benedetto will auch nicht alles auf den Kopf stellen, was ihre Vorgänger ins Leben gerufen haben. Vielmehr möchte sie am Bestehenden anknüpfen, kombiniert mit einer eigenen Note.

Sie will ihren künftigen Gästen das «andere, authentische Italien», das sie selbst so schätzt, näherbringen. Das will sie nicht nur mit der grossen Tafel in der heimeligen Stube erreichen. Sondern auch – da Liebe ja bekanntlich durch den Magen geht – mit dem kulinarischen Angebot.

Dieses soll vom italienischen Frühstück über Piadine zum Mittagessen sowie typische Gelati bis zum Aperitivo am frühen Abend reichen. Wo möglich, wird sie lokale Lieferanten bevorzugen.

Finanzspritze mithilfe von Crowdfunding

Als Startschuss ihres Projekts übernimmt Di Benedetto den bestehenden Pachtvertrag, den die Bernheims damals mit der Gebäudeeigentümerin Boller Winkler AG abgeschlossen hatten. Dieser läuft jetzt noch zwei Jahre. «Das ist eine gute Zeitspanne, um zu schauen, wie gut das Café anläuft», meint sie.

Denn das Vorhaben ist nicht ganz risikofrei – wie bereits das Beispiel ihrer Vorgänger zeigte. Da jeder Traum seinen Preis hat, hat sie für dessen Finanzierung ein Crowdfunding gestartet. Der Zielbetrag: 15’000 Franken. Um diesen zu erreichen, gibt es vier Etappen. Mit den ersten 4000 Franken sollen erste Lohnkosten für eine Praktikumsstelle gedeckt werden.

Denn Di Benedetto ist es ein grosses Anliegen, Jugendlichen aus Turbenthal eine Chance zu bieten, um erste Arbeitsluft zu schnuppern. Und zwar nicht nur in der Gastronomie, sondern auch im Marketing und in der Buchhaltung.

Monika Di Benedetto will dem Sticki Kaffee im Dorfzentrum neues Leben einhauchen und hat dafür ein Crowdfunding lanciert.
Monika Di Benedetto will Jugendlichen die Möglichkeit bieten, im Sticki Kaffee ein Praktikum zu absolvieren.

«Für die Jungen gibt es im Dorf so wenig», sagt sie. Deswegen ist für sie die erste Crowdfunding-Etappe auch die wichtigste. Entsprechend erleichtert ist sie, dass diese bereits erreicht ist. Mit dem zweiten Etappenziel will Di Benedetto den Kauf von qualitativ hochwertigen Lebensmitteln finanzieren und mit dem dritten die Ausstattung, um italienische Glace herstellen zu können.

Und falls es bis zum angestrebten Endbetrag reicht, hätte sie das Geld zusammen, um in das passende Dolce-Vita-Ambiente zu investieren. Die Terrasse soll eine mediterrane Bepflanzung erhalten und das Innere entsprechende Deko-Elemente – damit «sich die Leute hier zu Hause fühlen können».

Stand jetzt sind etwas mehr als 5000 Franken zusammengekommen, das Crowdfunding läuft noch bis Anfang Oktober. Nicht mehr viel Zeit. Trotzdem bleibt Di Benedetto optimistisch. Mit dem bisher Erreichten ist sie mehr als zufrieden.

Unterstützung von verschiedenen Seiten

Nach Ablauf der Frist wird es Schlag auf Schlag gehen. Mitte November ist die Schlüsselübergabe geplant, ab dann kann die neue Pächterin mit dem Umstellen und Einrichten ihres Cafés beginnen. Am 1. Dezember ist dann auch schon Eröffnung.

Die Übernahme des Sticki Kaffees ist für Di Benedetto nicht nur die Verwirklichung eines Traums, sondern auch ihr erster beruflicher Abstecher in die Gastronomie. Bisher ist sie als Marketingfachfrau und Doula – sprich als Geburtsbegleiterin – tätig und engagiert sich als Kirchenpflegepräsidentin der Reformierten Kirche Turbenthal-Wila. Einen Vorgeschmack aufs Gastgewerbe hat sie im Chilepark Turbenthal bei den Tavolatas und den Einsätzen an der OffenBar erhalten.

Dass sie vor allem zu Beginn noch viel lernen muss, ist ihr bewusst. Umso mehr freut sie sich, dass sie auf Unterstützung aus ihrem privaten Umfeld zählen kann. Sogar Tiziana und Patrick Bernheim haben angeboten, ihr weiterhin mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Diese Form von Zustimmung ist für sie eine Bestätigung, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Die höchste Messlatte für den Erfolgskurs wird sie sich aber selber setzen: «Ich werde selbst meine grösste Kritikerin sein.»

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