Sie ist dem Zeitplan voraus – Schlumpf feiert ihr Comeback
Schneller als erwartet steht Fabienne Schlumpf nach ihrer seltenen Verletzung wieder an der Startlinie. Und die Wetzikerin verfolgt einen ehrgeizigen Plan.
Es ist beileibe keine neue Erkenntnis: Fabienne Schlumpf ist schnell. Nun hat die Schweizer Marathonrekordhalterin gezeigt, dass sie nicht nur auf der Strecke ein hohes Tempo anschlagen kann.
Anfang Oktober hatte sich Schlumpf einen Riss der Semimembranosus-Sehne zugezogen und musste sich operieren lassen. Vier bis sechs Monate werde es dauern, bis die Wetzikerin nach der äusserst seltenen Verletzung zurück im Lauftraining sei, lautete die Prognose.
Am Sonntag feiert Schlumpf im 10-km-Rennen von Payerne bereits ihr Wettkampf-Comeback – knapp fünf Monate nach der Diagnose.
«Ich kann mich nicht beklagen», sagt die dreifache Olympiastarterin. «Als Sportlerin kann es einem ja nie schnell genug gehen nach einer Verletzung, aber es hätte nicht besser laufen können.»
Schlumpf war dem Zeitplan immer einen Tick voraus. Der Genesungsprozess verlief so störungsfrei, dass die Läuferin, ihr Freund und Trainer Michi Rüegg sowie der Arzt es kaum glauben konnten. Und immer darauf warteten, dass etwas nicht nach Plan laufen würde.
Schlumpf lacht vergnügt, nachdem sie dies erzählt hat. Und sagt dann scherzhaft: «Mein Körper bewies gute Selbstheilungskräfte.» In der Tat arbeitete die beste Schweizer Langstreckenläuferin hart für ihre Fortschritte.
Es ist ihr wichtig zu betonen: «Ich liess nichts aus und machte nur einen Schritt nach dem anderen.» Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist auch der Umstand, dass Schlumpf seit ihrer Operation lediglich ein einziges Lauftraining auslassen musste.
Das ist unerwartet: sie ist nervös
Die Wetzikerin musste in den vergangenen Jahren mehrfach gesundheitliche Rückschläge hinnehmen. «Erstmals aber musste ich von null beginnen und erst wieder laufen lernen.» Obwohl sie selbstredend gerne auf die Verletzung verzichtet hätte, sagt Schlumpf: «Es war eine spannende Zeit. Ich merkte, wie die kleinsten Fortschritte enorm motivierend waren.»
Schlumpfs Vorfreude aufs Rennen in Payerne ist gross. Das ist keine Überraschung. Unerwartet kommt hingegen, dass die erfahrene Athletin sagt: «Irgendwie bin ich auch nervös.»
Das hat neben ihrer Ungewissheit über den Formstand auch mit den Erwartungen an sie zu tun. Schliesslich ist Schlumpf in der Regel eine Bank für schnelle Zeiten und Topplatzierungen. Gerade in Payerne, wo sie schon Schweizer- und Streckenrekord lief.
Für einmal spielt die Zeit für Schlumpf indes keine Rolle, wie sie sagt. Die 35-Jährige hat sich in der Vorbereitung zuletzt immer wieder dabei ertappt, wie sie die Erwartungshaltung zu stark nach oben schraubte. Darum gilt fürs Comeback: «Ich will es vor allem geniessen.»
Der einzige Termin ist überholt
Nicht von ungefähr hat sich Schlumpf einen Wettkampf über 10 Kilometer ausgesucht. Das Rennen ist ein erstes Puzzleteil auf dem Weg zum nächsten Marathon. An diesem wiederum geht es im Spätfrühling für die Athletin des TG Hütten darum, sich für den Mitte August stattfindenden EM-Marathon in Birmingham zu qualifizieren. Entweder über die Weltrangliste, oder mit dem Unterbieten der Limite von 2:27 Stunden.
Es ist eine Zeit, über die die Läuferin mit einem Bestwert von 2:24:30 Stunden sagt: «Sie wäre aktuell ambitioniert.»
Schon im Herbst hatten Schlumpf und Rüegg begonnen, sich eine Comeback-Strategie zurechtzulegen, die einen Frühlingsmarathon enthält. «Quasi unmittelbar, nachdem ich aus dem OP-Saal gekommen bin», sagt Schlumpf und lacht. Die Läuferin ist sich im Klaren: «Es ist ein ehrgeiziger Plan.» Und ist zugleich froh, frühzeitig einen möglichen Weg skizziert zu haben. Sie sagt: «Einen klaren Fokus zu haben hat geholfen.»
Wie es nach Payerne konkret weitergeht, ist offen. Es hat auch damit zu tun, wie gut Schlumpfs Comeback gelingt. Klar ist derweil, dass sie auf ihrer Website den einzigen in der Agenda eingetragenen Punkt ändern sollte. Unter aktuellen Terminen steht noch immer: Sofort gesund werden.