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Im Parlament Uster wandelt sich das Bild – und es wird weiblicher

Während in der politischen Mitte umgestuhlt wird, bleiben die starken Enden stabil. Den gewünschten Rechtsrutsch verpassen die bürgerlichen Parteien trotz des Gewinns der FDP – um zwei Sitze.

Stadthaus Uster: Hier tagt monatlich der Gemeinderat.

Foto: Eleanor Rutman

Im Parlament Uster wandelt sich das Bild – und es wird weiblicher

Rechtsrutsch scheitert

Während in der politischen Mitte umgestuhlt wird, bleiben die starken Enden stabil. Den gewünschten Rechtsrutsch verpassen die bürgerlichen Parteien trotz dem Gewinn der FDP – um zwei Sitze.

Die Würfel sind gefallen. Nachdem der Stadtrat, die Primarschulpflege und die Sozialbehörde von Uster neu gewählt wurden, sind nun auch die Sitzverteilung sowie die neuen Parlamentarierinnen und Parlamentarier bekannt.

Was auffällt: Das bürgerliche Lager konnte seine gewünschte Mehrheit nicht erreichen. «Mit neu 17 Sitzen, bestehend aus SVP, FDP, EDU und der Mitte, konnten wir unsere Position dennoch stärken, was uns sehr freut», sagt der Ustermer SVP-Präsident Daniel Schnyder

Damit fehlen den politisch Mitte-rechts angesiedelten Parteien (wenn man die Ein-Mann-Partei BPU von Paul Stopper nicht mitzählt) zwei Stimmen für die Mehrheit im 36-köpfigen Parlament.

So haben sich die Parteien geschlagen

Den gewonnenen Sitz der FDP büsst die GLP ein. Fraktionspräsident Andreas Pauling ist nicht wiedergewählt. «Ich bin extrem enttäuscht über den Verlust des Sitzes und vor allem über den Abgang von Andreas Pauling. Andererseits haben wir damit rechnen müssen. Ein Wermutstropfen», sagt Ursula Räuftlin, Co-Präsidentin der GLP/EVP-Fraktion. Erfreulich sei für sie hingegen der Gewinn des Stadtratssitzes mit Daniel Frei.

Freuen darf sich auch die FDP – denn diese gewinnt nicht nur den GLP-Parlamentssitz, sondern kann auch ihren Stadtratssitz verteidigen. «Es war ein schönes Wahlwochenende», sagt FDP/Mitte-Fraktionspräsident Marc Thalmann. Natürlich habe man dieses Ziel verfolgt – doch dann wirklich auch die gewünschten Ergebnisse zu erzielen, sei nicht selbstverständlich.

Und auch die SVP ist, trotz selber Sitzanzahl und verpasster Mehrheit im Parlament, eine Gewinnerin der diesjährigen Wahlen. Mit 24,82 Prozent der Stimmen hat sie im Vergleich zu den vergangenen Wahlen 2,32 Prozent an Wählerinnen und Wählern dazugewonnen – das beste Ergebnis der diesjährigen Wahlen, wenn es um die politische Position geht.

«Dieses Resultat ist ein klarer Vertrauensbeweis der Ustermer Bevölkerung in eine Politik mit gesundem Menschenverstand, Bürgernähe und klarer Haltung», lässt sich Schnyder in einer Mitteilung zitieren. Und er ergänzt: «Entscheidend ist nicht ein einzelner Wahlkampf, sondern die Arbeit der letzten vier Jahre – und genau diese wurde nun von der Bevölkerung bestätigt.»

Freuen dürfte sich darüber vor allem auch Ueli Schmid, der mit 2340 Stimmen die meisten seiner Liste erhielt – und das, nachdem er erst 2022 von der Mitte zur Schweizerischen Volkspartei gewechselt war. Schmid war Spitzenkandidat auf der Liste 1 und ist Präsident der SVP/EDU-Fraktion.

Dicht auf den Fersen

Überholt wird er, betrachtet man die absoluten Stimmen, nur von den SPlern Balthasar Thalmann und Tanja Göldi. Mit 2382 respektive 2379 Stimmen haben die beiden linken Politiker die meisten Stimmen der diesjährigen Wahl ergattert.

Mit 23,56 Prozent Stimmenanteil verbucht die Sozialdemokratische Partei einen Zuwachs von 0,96 Prozent und bleibt knapp hinter der SVP die zweitstärkste Kraft im Parlament. Beide verbuchten bei allen gewählten Kandidaten jeweils über 2000 Stimmen.

Mit 16,27 Prozent Stimmenanteil ist die FDP den grossen zwei nicht ganz so dicht auf den Fersen– dafür belegt sie aber den zweiten Platz, was den Zuwachs betrifft. Mit 2,04 Prozent mehr Stimmen als bei den letzten Wahlen, einem zusätzlichen Sitz im Parlament und der Verteidigung des Stadtratssitzes geht die FDP insgesamt als Gewinnerin aus diesen Wahlen hervor. Oder ergattert zumindest die meisten Plätze auf dem Siegertreppchen.

«Wir bauen nach acht Jahren, als wir damals unseren fünften Sitz zurückgewinnen konnten, unsere Fraktion kontinuierlich aus», sagt FDP/Mitte-Fraktionspräsident Marc Thalmann.

Weiteres von den Wahlen vom 12. April

In den kleineren Parteien gab es keine Sitzzahlveränderung. Sowohl die Mitte als auch die EDU und die BPU erhalten wie vorher jeweils einen Sitz, der EVP bleiben zwei erhalten. Alle bisherigen Mitglieder dieser Parteien liessen sich erneut aufstellen und sind damit auch die nächsten vier Jahre Teil des Gemeinderats.

Prozentual am schlechtesten abgeschnitten haben die Grünen mit einem Verlust von 2,08 Prozent (Stimmenanteil von 10,9 Prozent), gefolgt von der GLP mit einem Minus von 1,54 Prozent (Stimmenanteil von 12,15 Prozent). Am wenigsten Stimmen verbuchten unterdessen Silvio Foiera-Jenzer (EDU) mit 538 Stimmen sowie Walter Meier (EVP) mit 838 Stimmen.

Das sind die neuen Gesichter im Parlament

Besonders freuen dürften sich die Freisinnigen nicht nur über die Wiederwahl der bisherigen Parlamentarier, sondern auch über ein neues Gesicht: Alexandra Spörri erzielt mit 1601 zwar die wenigsten Stimmen der FDP-Parlamentarier, dennoch ist es für einen Neuling aber ein gutes Ergebnis.

Und auch die SVP begrüsst ein neues Mitglied: Mit Désirée Gruber reiht sich wieder eine SVP-Frau auf die Sitzbank des Ustermer Parlaments ein. Und das mit einem erstaunlichen Ergebnis von 2220 Stimmen und damit dem drittbesten der Partei.

Gleich drei neue Parlamentarierinnen ziehen auf der linken Seite des politischen Spektrums in den Gemeinderat ein: die SPlerinnen Flavia Keller, Aude Ratia-Brasier und Ramona Büsser. Sie ersetzen damit Andreas Kronenberg und Nina Nussbaumer, die sich nicht wieder haben aufstellen lassen, sowie Peter Mathis-Jäggi, der als überzählig ausschied.

Mit gleichbleibender Anzahl an Sitzen und den nicht erfolgten Wiederantritten von Debora Zahn und Dominic Ramspeck wissen ausserdem die Grünen zwei neue Parlamentsgspänli, Anita Ajder und Thomas Wälchli, in ihren Reihen. Letzterer ist der einzige neue Mann im Ustermer Parlament.

Das ist an der diesjährigen Wahl aufgefallen

Neben den Parteien erhält aber vor allem eine Gruppe Aufschwung. Es sind: die Frauen.

Denn das Parlament bestand zuletzt aus 29 Männern und 7 Frauen, neu dürfen sich 25 Männer und 11 Frauen die Anträge, Motionen und Postulate um die Ohren schlagen. Während das Verhältnis vorher bei etwa 80 zu 20 lag, nähert sich der Ustermer Gemeinderat mit einem neuen Verhältnis von 70 zu 30 einer ausgewogeneren Geschlechterverteilung.

Sowohl die SVP als auch die FDP begrüssen mit Désirée Gruber respektive Alexandra Spörri für die neue Amtszeit wieder eine Frau in ihren parlamentarischen Reihen – beide Parteien hatten im Lauf der letzten Legislatur wegen der Rücktritte von Anita Borer respektive Andrea Grob eine rein männliche Repräsentation im Parlament.

Ein Jahr nach ihrer Wahl ins kantonale Parlament zog sich Anita Borer aus dem Ustermer Rat zurück, Andrea Grob musste wegen ihres Wegzugs zurücktreten. «Umso mehr freuen wir uns, nun mit Alexandra Spörri wieder eine weibliche Vertreterin begrüssen zu dürfen», sagt FDP/Mitte-Fraktionspräsident Marc Thalmann.

Ein starkes Zeichen

Die SP darf ab der neuen Amtsperiode gleich drei neue Frauen in ihren Rängen wissen – mit einem Verhältnis von fünf Frauen zu drei Männern ist sie in der Repräsentation von Frauen am stärksten.

«Auch wenn wir uns einen Sitzgewinn erhofft hätten, ist zumindest die erfreuliche Frauenquote ein absoluter Gewinn», sagt Fraktionspräsidentin Tanja Göldi. Eine ausgeglichene Geschlechterverteilung sei der Partei sehr wichtig, was sich auch in der «Zebra-Liste» – also einer Liste mit abwechselnder Frau-Mann-Aufstellung – widergespiegelt habe.

«Das hätte ich mir auch von den anderen Parteien gewünscht», sagt sie. Dennoch freut sie sich über dieses «starke Zeichen» und auf neue Gspänli in der SP-Fraktion – und eine höhere Repräsentation von Frauen im Parlament, auch über die Parteigrenzen hinweg.

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