Ein bürgerlicher Kontrahent möchte den mächtigen Präsidenten nach 24 Jahren verdrängen
Schon im letzten Jahrhundert sass Jörg Kündig im Gossauer Gemeinderat. Nicht viel weniger lange amtet er als Gemeindepräsident. Am 8. März zeigt sich, ob es für ihn für eine weitere Runde «reicht».
In einigen Oberländer Gemeinden könnte der Eindruck entstehen, dass sich allein wegen der Anzahl an Bisherigen auf den publizierten Listen mit Kandidatinnen und Kandidaten nicht vieles verändern wird. Oder es wird mancherorts überhaupt keine Veränderung gewünscht. Mit Blick auf die baldigen Erneuerungswahlen in Gossau könnte man das Gegenteil erahnen.
Vor allem in den für die Zukunft so wichtigen Ressorts Hochbau/Planung und Liegenschaften/Tiefbau geben mit Daniel Baldenweg (EVP) sowie Elisabeth Pflugshaupt (SVP) zwei erfahrene Gemeinderäte ihre Verantwortlichkeiten ab.
Was am meisten hervorsticht: Der über die vergangenen 24 Jahre unangefochtene Gemeindepräsident Jörg Kündig (FDP) bekommt von seinem bürgerlichen Kantonsratskollegen Daniel Wäfler (SVP) zum ersten Mal spürbare Konkurrenz. Natürlich geniesst der erprobte Politiker Kündig, der es versteht, in vielen Ämtern zur gleichen Zeit zu wirken und somit die Klaviatur des Politgeschäfts bestens zu spielen beherrscht, nach wie vor ein gewisses Vertrauen.
Auch wenn dieses durch sein ehemaliges Mandat als Verwaltungsratspräsident des finanziell arg in Nöten geratenen GZO Spitals Risse bekommen hat, war von manchen Stimmen aus Gossau doch schon frühzeitig zu vernehmen, dass man grundsätzlich beruhigt sei, dass Kündig sich nochmals für vier Jahre zur Verfügung stelle. Denn, ob ein Neuer immer alles besser macht, ist bekanntlich eine Frage für sich. Und lohnt sich eine Veränderung nur der Veränderung willen?
Er will es wissen
Allerdings: Es ist nicht irgendwer, der sich da neben Kündig auf das Podest «stellt» und sagt, er könne das mindestens genauso gut. Kantonsrat Daniel Wäfler gilt auch unter der Parteikonkurrenz als fähiger und eher gemässigter SVP-Politiker, der hauptsächlich nicht mit Einfluss der Parteidoktrin, sondern mit vernünftigen Argumenten versucht, Politik zu machen. Auch den Konsens verliert er dabei nicht aus dem Auge.
Doch hinsichtlich seiner Kandidatur kam auch schon Kritik auf, denn: Pünktlich zur Wahlkampfzeit reichte Wäfler mit einer Parteikollegin aus dem Kantonsrat eine Anfrage beim Regierungsrat ein und wollte wissen, ob sich sowohl der Kanton als auch die Gemeinde genügend für das Gossauer Gewerbe und eine möglichst kurze Bauzeit mit Blick auf die Sanierung der Grütstrasse eingesetzt hätten.
Zufälliges Timing oder reines Kalkül? Aus Gossau erreichten uns jedenfalls Leserbriefe, in denen sich manche kritisch zum Verhalten des möglichen neuen Gemeindepräsidenten äusserten. Da Wäfler bis anhin nicht im Gemeinderat sitzt, sei seine Präsenz im Dorf ohnehin eher gering. Kurzum: Wäfler sagt, er sei die zwingend nötige Veränderung. Kündig sagt, er könne es immer noch besser als sein Herausforderer.
Weiter so oder nicht?
Letzten Endes werden sich die Wählerinnen und Wähler die Frage stellen müssen: Wollen wir eine Veränderung oder weiterhin Konstanz an der Spitze? Fakt ist: Vor allem um die Finanzen in Gossau stand es in den letzten Jahren nicht allzu gut. Und die Gemeinde muss weiterhin investieren. Auch deshalb stimmte das Dorf in vorheriger Absprache zwischen den Initianten und dem Gemeinderat einer Schuldenbremse zu. Wer immer an den Hebeln der Macht sitzen wird, wird mit Argusaugen darauf achten müssen, dass sie auch umgesetzt wird. Andernfalls könnte ein Vertrauensverlust drohen.
Auch diesbezüglich könnte eine allfällige Wahl von neuen Kandidierenden wie dem Gossauer Feuerwehrkommandanten Mirko Strik (FDP), Markus Weidmann (SVP) oder der 26-jährige Jason Banyer von der Büezer und KMU Partei (BKP) vielleicht etwas frischen Wind in das Gremium wehen lassen. Wer, wann und ob überhaupt an gewissen Stellschrauben drehen, sprich gedreht wird, zeigt sich spätestens 2030, wenn auf die jetzt bevorstehende Amtsperiode zurückgeblickt wird. Bis dahin wird noch eine Menge Wasser den Gossauerbach hinunterfliessen.
Das sind die Kandidaten für den Gemeinderat Gossau
Jörg Kündig (FDP, bisher), auch als Präsident (bisher)
Salvatore Giorgiano (parteilos, bisher)
Sylvia Veraguth Bamert (PFP & GLP, bisher)
Stefan Wild (FDP, bisher)
Patrick Umbach (Mitte, bisher)
Daniel Wäfler (SVP, neu), auch als Präsident (neu)
Markus Weidmann (SVP, neu)
Jason Banyer (BKP, neu)
Mirko Strik (FDP, neu)