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Podium vor Kampfwahl

Emotionen im Wahlkampf ums Gossauer Gemeindepräsidium

In Gossau kommt es am 8. März in allen Behörden zu Kampfwahlen. In der Altrüti bot sich am Mittwoch die Gelegenheit, einen persönlichen Eindruck von den Kandidaten für die Exekutive zu gewinnen.

Jörg Kündig (links) und Daniel Wäfler (rechts) skizzieren unter der Moderation von Luca Da Rugna ihre Positionen als Gemeindepräsidiumskandidaten.

Foto: Simon Grässle

Emotionen im Wahlkampf ums Gossauer Gemeindepräsidium

Podium mit Exekutivkandidaten

In Gossau sind nicht nur die Sitze im Gemeinderat umstritten, sondern auch die Position an der Spitze der Exekutive. An einem Wahlpodium trafen die beiden bürgerlichen Bewerber erstmals direkt aufeinander.

Vor vier Jahren lag die Beteiligung an den Gossauer Gemeindewahlen bei mageren 23 Prozent. Wenn am 8. März die Gossauer wieder zur Urne gerufen werden, dürfte die Resonanz höher sein. Der Grund: Bei den vier Behörden Gemeinderat, Schulpflege, Sozialbehörde und Rechnungsprüfungskommission kommt es zu Kampfwahlen.

Einen Vorgeschmack, auf wie viel Interesse die diesjährigen Gemeindewahlen stossen, gibt das seit Jahren erste Wahlpodium, das am Mittwoch in der Altrüti über die Bühne gegangen ist. Die gut gefüllte Halle ist ein klares Indiz dafür, dass die Wahlen Interesse finden.

Drei Präsentationsrunden

In drei Runden können sich die Bewerber für die kommunale Exekutive vorstellen. Zuerst bittet Moderator Luca Da Rugna, Redaktor bei der Zürcher Oberland Medien AG, jene fünf auf die Bühne, die als Bisherige wieder antreten.

An erster Stelle ist dies Jörg Kündig (FDP), der bereits seit 24 Jahren an der Spitze der Exekutive steht. Als Hauptgrund, warum er nun nochmals antritt, nennt er die Herausforderungen, vor denen die Gemeinde in den nächsten vier Jahren aufgrund des Wachstums steht. Ausserdem sei es aufgrund der Wechsel bei den beiden Kernressorts Hochbau/Planung sowie Liegenschaften/Tiefbau nicht gut, wenn es auch noch im Präsidium zu einer Änderung käme.

Mit dem Rücktritt von Elisabeth Pflugshaupt (SVP) würde Sylvia Veraguth Bamert (Frauenpodium/GLP) die einzige Frau in der Exekutive bleiben. Auch wenn ihre Arbeit im Ressort Gesellschaft fern des Scheinwerferlichts stehe, brenne sie auch nach zwölf Jahren im Gemeinderat für diese Aufgabe. Erst vor vier Jahren ins Gremium gestossen ist Stefan Wild (FDP). Er sei gut aufgenommen worden. Entsprechend möchte er dort weiter mitwirken.

Bereits zwölf Jahre im Gemeinderat sitzt Salvatore Giorgiano (parteilos). Dem Vorsteher des Ressorts Sicherheit, öffentlicher Verkehr und Abfall kann der Moderator entlocken, dass die Zusammenarbeit mit dem Kanton «relativ mühsam» sei, wenn er mit Anliegen aus Gossau komme. Ansonsten beschränken sich die Aussagen der Gemeinderatskandidaten bisher vor allem darauf, ihr Bestes zugunsten der Gemeinde zu geben.

Patrick Umbach (Die Mitte) ist als Bildungsvorstand der Spezialfall unter den Bisherigen. Er tritt nicht als Gemeinderatskandidat an, sondern wird als Schulpfleger und dort als Präsident dieser Behörde gewählt. Von Amtes wegen nimmt er dann Einsitz im Gemeinderat. Auch ohne Konkurrenz für diese Position hält er in der Altrüti fest, dass er turbulente zwei Jahre hinter sich habe: «Aber in der Schule ist es ohnehin nie ganz ruhig.»

Zahlen sollen «Wohlfühlveranstaltung» sprengen

Auf die zwei freien Plätze im Gemeinderat drängen gleich vier Männer, die im zweiten Umgang auf die Bühne treten. Die Rolle des Exoten kommt dabei Jason Banyer zu. Schon allein seine Partei namens Büezer und KMU unterstreicht diese Position.

Auch sein Programm beinhaltet einige Besonderheiten. Neben Problemen wie Staus in Herschmettlen oder verschwindende Beizen möchte er nationale Fragen auf Gemeindeebene lösen. Über kommunalen Bekanntheitsgrad verfügt Mirko Strik (FDP) als aktueller Feuerwehrkommandant. Welches Ressort er bei einer Wahl übernehmen möchte, das will er auch auf Nachfrage hin nicht benennen.

Alle Kandidaten für die Gossauer Exekutive stellen sich auf der Bühne auf.
Alle Kandidaten für die Gossauer Exekutive stellen sich auf der Bühne auf.

Markus Weidmann (SVP), «Vater» der Gossauer Schuldenbremse, deklariert, dass er bereit sei, sich zu exponieren. Und das macht er auch, indem er die «Wohlfühlveranstaltung» in der Altrüti mit Zahlen sprengen will. Sein Vorwurf: Gossau lebe über seinen Verhältnissen, da der Cashflow nicht ausreiche, um die anstehenden Investitionen stemmen zu können.

Und dann ist da noch Daniel Wäfler (SVP), der nicht nur neu in den Gemeinderat einziehen möchte, sondern gleich auch Kündig den Posten an der Spitze streitig macht. Nach zehn Jahren als Kantonsrat wolle er auch auf kommunaler Ebene Verantwortung übernehmen, umschreibt er seine Motivation.

Selbstbewusstsein und erschütterte Fassung

In der dritten Runde, in der sich die beiden Bewerber ums Gemeindepräsidium gegenüberstehen, wird es dann tatsächlich noch emotional. Wäfler unterstreicht, dass seine Kandidatur auch damit zu tun habe, dass er den Wählern eine demokratische Auswahl liefern wolle. Angesprochen auf den grossen Tolggen im Reinheft, die Probleme im GZO Spital Wetzikon, die unter der Führung von Kündig zutage getreten sind, hält der FDP-Politiker klar fest: «Das ist ein Riesenseich.» Zwei schlechte Jahre hätten gereicht, um die Finanzierungsbasis erodieren zu lassen.

Jörg Kündig spricht.
Der langjährige Gossauer Gemeindepräsident Jörg Kündig (FDP) bewirbt sich für eine weitere Amtszeit.

Kündigs Einschätzung von Wäfler, mit dem er auch im Kantonsrat zu tun hat, ist die einer «hoch engagierten, spannenden Persönlichkeit». Allerdings, so schiebt Kündig nach, sei er nicht ganz so gut wie er – eine Bemerkung, für die er Lacher und Applaus erntet. «Selbstbewusstsein hat Jörg Kündig noch immer», taxierte darauf Wäfler. Und er schiebt nach, dass nur dank der SVP die Schuldenbremse eingeführt worden sei und illiberale Einschränkungen in der Bau- und Zonenordnung verhindert worden seien.

Kündig entgegnet, dass es keinen finanziellen Missstand in der Gemeinde gebe und dass Parteipolitik im Gemeinderat nicht wesentlich sei. «Eine Strassensperrung auf der Grütstrasse hat damit jedenfalls nichts zu tun.» Wäfler schiebt dazu nach, dass es seiner Meinung nach schon noch mehr Möglichkeiten gegeben hätte, um den wirtschaftlichen Schaden für das Gewerbe kleiner zu halten. Dazu hält Kündig fest, dass sie vor allem für den zweiten Teil der Strassensanierung intensiv nach besseren Zugangslösungen suchten.

Daniel Wäfler spricht.
Daniel Wäfler (SVP) macht Kündig den Posten als Gemeindepräsident streitig.

«Mir ist bewusst, dass die Situation fürs Gewerbe und für die Anwohner hart ist», meint er. Das bekomme er auch zu hören, wenn er samstags im Zentrum einkaufe. Ob ihn denn solche Anwürfe treffen würden, fragt der Moderator. Offensichtlich, zeigt sich. Denn Kündig muss kurz um seine Fassung ringen. Die Aufgaben als Politiker seien nicht einfach ein Job, «sie sind ein Teil meines Lebens». Und Kündig verweist auf die Stütze, die er gerade in solchen Phasen in seiner Frau habe.  

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