Steckt der Polizeikommandant selbst hinter den anonymen Briefen?
Polizeiaffäre Uster
Die Affäre rund um die Polizei von Uster ist um eine Volte reicher: Verfasser der anonymen Schmähbriefe soll der abgesetzte Kommandant sein. Das schreibt der «SonntagsBlick» und beruft sich auf eine Administrativuntersuchung.
Seit Wochen hält eine Affäre um die Stadtpolizei die Stadt Uster in Atem. Angefangen hatte es mit der überraschenden Beurlaubung von Polizeikommandant Andreas Baumgartner. Am 26. März hatte die Stadt Baumgartner von seinen Aufgaben entbunden. Er sei beurlaubt, teilte die Stadt Uster mit, und begründete dies mit einem Vertrauensverlust.
Auslöser sei das Verhalten des Kommandanten im Zusammenhang mit einer laufenden internen Untersuchung, hiess es damals. Diese drehte sich um eine mögliche Verletzung von Persönlichkeitsrechten.
Zwei Wochen später wurde die Zusammenarbeit mit Baumgartner beendet – «in gegenseitigem Einvernehmen», wie es hiess. Mehr wollte Baumgartners Vorgesetzte, Stadträtin Beatrice Caviezel (GLP), Abteilungsvorsteherin Sicherheit, auf Anfrage dieser Redaktion nicht sagen. Offiziell endet Baumgartners Arbeitsverhältnis erst Ende Oktober. Bis dahin bleibt der 47-Jährige beurlaubt.
Doch mit der Trennung war die Sache nicht ausgestanden, im Gegenteil: Die Affäre nahm nun so richtig Fahrt auf. Über Jahre wurden Rechnungen der Stadtpolizei systematisch gesplittet, um sie weder dem Gesamtstadtrat noch dem Parlament vorlegen zu müssen. Der Stadtrat kehrte diese Enthüllungen bis nach den Wahlen vom April unter den Tisch. Und schliesslich wurde bekannt, dass mehrere Ustermer Politiker in den letzten Jahren anonyme Schreiben erhalten hatten.
Geschrieben wurden diese auf Papier der Stadt Uster, verschickt in Briefumschlägen der Stadt Uster, frankiert mit einer Maschine der Stadt Uster an die Privatadressen der betroffenen Personen. Die Inhalte der Schreiben liessen rasch den Verdacht aufkommen, dass die Briefe aus dem Umfeld der Stadtpolizei stammen müssten. Nur, wer war der Urheber?
Laut «SonntagsBlick» soll es sich dabei um Andreas Baumgartner höchstselbst gehandelt haben. Das Blatt beruft sich dabei auf eine laufende Administrativuntersuchung, die die Stadt bereits im Herbst 2025 bei einer Anwaltskanzlei in Auftrag gegeben hatte. Es dürfte sich um die eingangs erwähnte interne Untersuchung handeln, bei der sich Baumgartner so verhielt, dass das Vertrauensverhältnis irreparablen Schaden nahm.
Baumgartner bestreitet
Im Rahmen der Untersuchung seien neben dem damaligen Kommandanten der Stadtpolizei auch mehrere seiner Kadermitarbeiter befragt worden. Baumgartner, der sich bei der Befragung von einem Anwalt begleiten liess, soll bestritten haben, dass die Briefe aus seiner Feder stammen. Die Abgabe einer Handschriftenprobe verweigerte er jedoch.
Die Administrativuntersuchung kommt zum konträren Schluss: Es habe sich beim Verfasser der anonymen Schreiben «mit grosser Wahrscheinlichkeit» um den Kommandanten gehandelt. Es liege eine «erdrückende Beweislage» vor.
Unter den Empfängern der anonymen Schreiben war auch FDP-Gemeinderat Simon Vlk. Er hatte die Bewilligungspraxis des Uster Märt kritisiert und wurde im Schreiben persönlich angegriffen und beleidigt. Ein mulmiges Gefühl hinterliess dabei auch die Tatsache, dass der anonyme Brief an seine Privatadresse geschickt worden war. Diese ist öffentlich nicht zugänglich. «Das ist ein Eingriff in meinen geschützten Raum – und in den meiner Familie.
Anscheinend erhielten nicht nur Ustermer Politiker solche Briefe. Laut «SonntagsBlick» soll im Frühjahr 2025 der damalige Armeechef Thomas Süssli ein Schreiben aus Uster erhalten haben. Darin wurde ein Mann verunglimpft, der von der Stadtpolizei Uster zur Armee gewechselt hatte.

